Erstellt am 29. Dezember 2015, 11:39

von Heinz Müller

Bereit für 388.000 Autos. Rund 4,2 Prozent mehr Arbeitsstunden müssen die österreichischen Vertragswerkstätten 2016 durch die Rückrufaktion bewältigen.

Die Verunsicherung, konstatiert Alain Favey, sei vorüber: Vier Wochen lang habe man „eine Delle“ in den Verkäufen gespürt, sagt der oberste Vertreter der Porsche Holding. Doch jetzt ist bei den Händlern von VW, Audi, Seat und Skoda wieder der Alltag eingekehrt. Die Geschäfte laufen – und der weitaus größte Player am österreichischen Markt wird zu Jahresende wieder mit einem Marktanteil von knapp 35 Prozent abschließen.

Freilich: Ganz normal läuft es nicht … Noch arbeitet man mit Hochdruck an den letzten Details für die Rückrufaktion wegen der NOx-Malversationen. Rund 388.000 Autos werden ab Ende Jänner in die österreichischen Werkstätten gerufen. Und zu den 5,4 Millionen produktiven Arbeitsstunden, die das Netz heuer ableistet, werden 2016 noch einmal etwa 4,2 Prozent Mehrbedarf dazukommen.

Neue Software in einer halben Stunde

Favey verspricht, dass weder Kunden noch Händler mit Mehrkosten rechnen müssen: „Das bezahlt alles die Volkswagen AG!“ Das heißt: Die Händler erhalten ausreichend Vorführautos, um die Kunden während des Werkstattaufenthalts mobil zu halten. Auch Garantieerweiterungen und Finanzierungsboni für treue Kunden, die ein neues Modell kaufen wollen, sind im Gespräch. Erwähnen sollte man, dass der Aufwand für die 2,0-Liter- und 1,2-Liter-Diesel ohnedies relativ minimal ist: Das Einspielen der neuen Software sollte in weniger als einer halben Stunde erledigt sein.

Und auch bei den 1.6-Liter-Aggregaten, die ab der Kalenderwoche 39 dran sind, ist für den Einbau des Gitternetzes vor dem Luftmengenmesser samt neuer Software nur etwa eine Stunde veranschlagt. Wichtig ist, dass alle Kunden wirklich in die Werkstatt fahren: Wer auch nach dem dritten Brief nicht reagiert, riskiert einen Entzug der Zulassung durch das Verkehrsministerium!

Und sonst? Da will Favey ab Jänner den VW e-Golf pushen: Bei Ausnutzen aller Förderungen (vor allem für Betriebe) sollen die Elektroautos mit 23.525 € sogar knapp weniger kosten als ein vergleichbarer Diesel-Golf, verspricht man beim Importeur. Das Ziel ist eine Verdoppelung des bisherigen Verkaufs von knapp 200 e-Golf im kommenden Jahr.

Verjährungsverzicht

Die österreichischen Importeure der betroffenen Marken sowie deren Partner des autorisierten Vertriebsnetzes verzichten gegenüber ihren Kunden bis zum 31. Dezember 2017 auf die Erhebung der Verjährungseinrede im Hinblick auf etwaige Ansprüche, die im Zusammenhang mit der in Fahrzeugen mit dem Motortyp EA 189 eingebauten Software bestehen.

Der Verjährungsverzicht für derartige Ansprüche gilt auch, soweit dies bereits verjährt sind. Durch bloßes Zuwarten entstehen den österreichischen Kunden daher keine Nachteile. Dies bedeuet, dass alle betroffenen Kunden die Durchführung der diesbezüglich erforderlichen Maßnahmen an ihrem Fahrzeug bis zum oben genannten Zeitpunkt abwarten können.