Erstellt am 02. März 2016, 10:24

von Thomas Vogelleitner

Positiver Wertewandel bei Alkohol am Steuer. Die Akzeptanz von „Don´t drink and drive“ ist maßgeblich gestiegen!

 |  NOEN, Michael Kremser
Bei einer AM.PULS-Umfrage des ÖAMTC unter 1.900 Mitgliedern gaben 87 Prozent der Befragten an, dass ihr soziales Umfeld es akzeptiere, wenn sie beim Ausgehen als Autofahrer keinen Alkohol trinken. Nur mehr drei Prozent der Befragten werden durch ihre Abstinenz zur Zielscheibe von Witzen oder dummen Bemerkungen.

"Wir erleben hier einen echten Wertewandel, vergleichbar etwa mit der stark gestiegenen Akzeptanz des Rauchverbotes in Lokalen", sagt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger. Diese Einstellungsänderung bestätigen auch die Umfrage-Teilnehmer. Über drei Viertel (77 Prozent) geben an, dass die Einstellung "Don't drink and drive" heute viel akzeptierter ist als früher.

Erhöhte Kontrolldichte der Exekutive zeigt Wirkung

Bereits über die Hälfte der befragten ÖAMTC-Mitglieder (53 Prozent) gibt an, selbst schon einmal zur Alkoholkontrolle gebeten worden zu sein. Fast genauso viele (51 Prozent) empfinden, dass Kontrollen immer häufiger stattfinden.

"Diese Wahrnehmung wird durch die Zahlen des Innenministeriums bestätigt", erklärt die ÖAMTC-Verkehrspsychologin. So wurden von der Exekutive 2015 mit über 1,6 Millionen Testungen (Alkomaten- und Alkovortests) fast 40-mal so viele Kontrollen durchgeführt wie noch 1987.

Allein zwischen 2010 und 2015 stieg die Anzahl der Alkotests um über 700.000 an. "Laut Ministerium gingen im selben Zeitraum trotz dieser Steigerung der Alkoholkontrollen die Anzeigen wegen Alkohol am Steuer um 30 Prozent zurück. Das ist ein Indiz dafür, dass die erhöhte Kontrolldichte der Exekutive Wirkung zeigt", betont Seidenberger.

0,5 Promille-Grenze für Fahrradfahrer gewünscht

Weitgehend akzeptiert ist laut der Umfrage die gesetzliche 0,5-Promille-Alkoholgrenze für Autofahrer. 46 Prozent der Befragten halten diese Grenze für angemessen. 37 Prozent der Befragten plädieren für ein niedrigeres Alkohol-Limit. Nur 11 Prozent wollen zurück zur 0,8 Promille-Grenze. Für Lkw- und Busfahrer findet die 0,0 Promille-Grenze sogar eine Zustimmung von 71 Prozent.

Seidenberger: "Interessant ist, dass die Mehrheit der Befragten punkto Alkohol ein strengeres Limit für Radfahrer wünscht, für die derzeit ein Grenzwert von 0,8 Promille gilt. Nur 16 Prozent halten dieses Limit für angemessen, 38 Prozent plädieren für eine Herabsetzung auf 0,5 Promille, 31 Prozent wünschen sich ein noch niedrigeres Alkohol-Limit für Fahrradfahrer."

30 Prozent verzichten völlig auf Alkohol beim Fahren

Hinsichtlich ihres eigenen Verhaltens geben 43 Prozent der Befragten an, nach dem Konsum von Alkohol schon einmal ein Fahrzeug gelenkt zu haben – allerdings innerhalb der gesetzlich erlaubten 0,5 Promille. 29 Prozent der Befragten, hauptsächlich junge Männer, geben zu, nach eigenem Dafürhalten auch schon einmal über dem gesetzlichen Grenzwert ein Auto gelenkt zu haben.

Als Grund dafür gaben sie vor allem im ländlichen Raum fehlende Alternativen an. "Hier könnte man gegensteuern, in dem maßgeschneiderte Lösungen wie etwa Discobusse, Nachtbusse oder Sammeltaxis angeboten werden", rät die ÖAMTC-Expertin. Im städtischen Bereich wird als Motiv genannt, das Auto nicht in einer Kurzparkzone stehen lassen zu wollen.

"Rechtfertigungen wie diese, aber auch die Aussage, nur eine kurze Strecke fahren zu müssen, oder sich noch fahrtauglich zu fühlen, sieht der Club als gefährliche und inakzeptable Ausreden an. Nur 30 Prozent trinken gar nichts, wenn sie Autofahren. Hier gibt es noch viel Luft nach oben", so Seidenberger.

Alkoholunfälle: Männer und Junge am stärksten betroffen

Laut Unfallstatistik 2014 wurden 32 Menschen bei Alkoholunfällen getötet – was 7,4 Prozent aller Verkehrstoten dieses Jahres entspricht. Insgesamt weist die Statistik für 2014 2.213 Alkoholunfälle aus, wobei an 84 Prozent dieser Unfälle Männer beteiligt waren. Der Hauptanteil davon war in der Altersgruppe von 20 bis 24 Jahren zu finden. Die Teilnehmer der ÖAMTC-Umfrage wurden auch zur Alkoholverträglichkeit eines Durchschnittsmannes (180 Zentimeter Körpergröße und 80 Kilogramm Körpergewicht) und einer Durchschnittsfrau (165 Zentimeter und 65 KIlogramm) befragt.

Seidenberger: "Wir wollten wissen, wieviel Alkohol die Befragten unseren Durchschnittspersonen zutrauen, um die Promille-Grenze von 0,5 bei Pkw und Motorrädern nicht zu überschreiten. Auffällig ist, dass gerade die Verträglichkeit der Volksgetränke Bier und Wein häufig falsch eingeschätzt wird. Von diesen Getränken wurde den Durchschnittspersonen mehr zugetraut, als gesetzlich vertretbar wäre". Außerdem liegen junge Menschen mit ihrer Einschätzung öfter daneben als Ältere. Für die ÖAMTC Expertin gilt: "Keinesfalls sollte man sich an die 0,5 Promille 'herantrinken'. Am sichersten sind Autofahrer immer unterwegs, wenn sie überhaupt keinen Alkohol trinken."

AM.PULS ist eine Umfrage-Plattform des ÖAMTC. Die Teilnehmer sind Mitglieder, die sich bereit erklärt haben, regelmäßig an Online-Befragungen teilzunehmen. Die Sample-Ziehung erfolgt at random. Die Umfrage-Ergebnisse sind repräsentativ für die ÖAMTC-Mitglieder ab 18 Jahren mit Internetzugang (bestätigt durch Vergleichsstudien im unabhängigen Online-Pool der GfK Austria). Für die Umfrage zum Thema Alkohol wurden im Dezember 2015 1.899 Personen online befragt. 96 Prozent von ihnen sind Autofahrer.