Erstellt am 25. Juli 2016, 09:26

von Thomas Vogelleitner

1.400 Tage bis zum fertigen Auto. In acht kurzen Schritten geben die Spanier einen Einblick, wie ihre neuen Modelle entstehen – konkret: der Ateca.

Das lebensgroße (Ateca-)Modell aus Modelliermasse ist vier Tonnen schwer und wurde so konzipiert, dass es ständig neue Formen annehmen kann.   |  noen, Seat

Der rund vier Jahre andauernde Prozess beginnt mit Stift und Papier und endet mit einem fertig produzierten Auto auf dem Montageband. Während dieser langen Zeit entstehen nicht nur lebensgroße Designmodelle, sondern auch neue Farben, Oberflächenstrukturen und innovative Interieurideen, die am Ende einen neuen Wagen definieren und charakterisieren.

1. Briefing. Am Anfang werden die Vorgaben und Anforderungen für das neue Modell definiert und abgestimmt. In diesem Schritt entsteht der Plan, der die DNA des Fahrzeugs bestimmt. Dieser Plan und der durch ihn abgesteckte Rahmen sind der Wegweiser des gesamten Entwicklungsprozesses.

2. Skizzen. Hier beginnen die Designer, erste Entwürfe des neuen Modells zu kreieren. „In den frühen Entwürfen erkennt man oft schon, wie wir uns vorstellen, wie das fertige Modell später aussehen soll“, sagt Jaume Sala, Direktor Interieur-Design bei Seat. Im Verlauf des Entwicklungsprozesses fertigen Sala und sein Team mehr als 1.000 Entwürfe an.

3. Entwurf des CAD-Designs. Nach der Anfertigung der Entwürfe werden diese digital reproduziert, um dem Fahrzeug Volumen und Dimension zu geben. Solche digitalen Dokumente sind nicht nur für das Design des Autos wichtig, sondern werden auch für die technische Darstellung genutzt.

4. Tonmodell. Dieses lebensgroße Modell aus Modelliermasse wiegt vier Tonnen – mehr als das Doppelte eines normalen Autos. Es ist ein wichtiges Werkzeug für das Exterieur-Design und ist so konzipiert, dass es ständig neue Veränderungen der Formen aufnehmen kann. In diesem Arbeitsschritt kommt die sorgfältige Handarbeit unterschiedlicher Meister zum Einsatz, die das Modell mit ihren Fertigkeiten formen.

5. Frozen-Model. Dieses Modell stellt den fertigen Entwurf des neuen Fahrzeugs dar, der vom Unternehmen bereits abgenommen und verifiziert wurde. Obwohl das Modell immer noch aus Ton besteht, sieht es komplett real aus. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden bereits bis zu 5.000 Kilogramm Ton verarbeitet.

6. Farben entwerfen. Zu den Aufgaben der Color&Trim-Abteilung gehört es, Farben für den Innen- und Außenbereich eines Autos zu kreieren. Ihre Arbeit beginnt zwei Jahre im Voraus mit der Ideenentwicklung. „Unsere Ideen können aus den Bereichen Fashion, Architektur oder auch Produktdesign stammen“, erklärt Jordi Font, der Verantwortliche der Abteilung bei Seat. Obwohl das Team meist um die 100 verschiedenen Farbtöne entwickelt und dabei ca. 1.000 Liter Farbe verwendet, gelangen nur zwölf davon in die finale Farbpalette für das Exterieur des neuen Autos.

7. Sitze. „Bei der Entwicklung von Autositzen spielen Aspekte wie Komfort und Design eine wichtige Rolle“, erzählt Jaume Sala. Die Color&Trim-Abteilung ist auch in diesen Entwicklungsschritt eingebunden. „Mit einer speziellen Nähmaschine werden Mustervarianten ausprobiert, die die perfekten Stoffe und Muster optimal kombinieren“, fügt Jordi Font hinzu.

8. Innendesign. „Alles ist fahrerorientiert“, stellt Sala fest, der im gleichen Atemzug erklärt, dass bei der Entwicklung des Touchscreens der Installationsort höchste Priorität hat und alles Weitere sich an seiner Platzierung orientiert. Grundsätzlich folgt das Innendesign einer möglichst hohen Funktionalität. „Wir fragen uns selbst, wo es am bequemsten wäre, das Smartphone, Wasserflaschen oder eine Brille unterzubringen“, fasst Sala zusammen. „Aus diesem Grund muss das Design praktisch und effizient sein.“
Das Ergebnis all dieser parallel ablaufenden Prozesse ist ein brandneues Modell. Nach vier Jahren intensiver Arbeit gibt es für das Design-Team jedoch keine Pause, denn das nächste Projekt steht schon vor der Tür …

Zahlen

 Mehr als 1.000 Zeichnungen und Skizzen.
 Bis zu 5.000 Kilogramm Ton.
 Rund 1.000 Liter Farbe.
Das ist nur ein Teil der Zutaten, die in den Designprozess eines neuen Seat-Modells einfließen!