Erstellt am 11. Juli 2017, 04:41

von Beatrix Keckeis-Hiller

Mini Cooper SE Countryman. Die BMW-Tochter startet mit dem Countryman ins Stromzeitalter – mit 224 PS und elektrisch generiertem Allradantrieb. Erste Ausfahrt!

Der Mini CooperS E Countryman All4 ist der erste Teilzeitelektriker, der unter britischer Flagge segelt.  |  NOEN, Mini

An die Stromsteckdose fährt jetzt auch Mini. Das Startsignal setzt der erneuerte Countryman, mit dem sich die englische BMW-Tochter – gemeinsam mit dem Clubman (und im Prinzip auch mit dem Fünftürer) – im Kompaktsegment platziert hat. Um den Robustkandidaten zum Teilzeitelektriker umzubauen, wurde das Kapitel Plug- in-Hybrid nicht neu geschrieben: Techniklieferant ist das Antriebssystem des elektrifizierten Familien-Vans von BMW, des 225xe iPerformance Active Tourer.

Das besteht aus einem 1,5-Liter-Turbobenziner (Dreizylinder mit 136 PS), der die Vorderachse antreibt, und einem Elektrosynchronaggregat (88 PS), samt Batterie (7,6 Kilowattstunden Kapazität), das die Hinterachse mit Antriebskraft versorgt. Damit wird, im Kooperationsbetrieb, Allradantrieb elektrisch generiert. Wie im bayerischen Bruder summieren sich die Antriebe im elektrifizierten Countryman mit der Typenbezeichnung Cooper S E All4 zu 224 PS Systemleistung (plus 385 Newtonmeter Drehmomentmaximum), die via sechsgängiger Automatik portioniert wird.

„Der Plug-in-Hybrid-Antrieb des Mini Cooper S E Countryman All4 vereint das Beste aus zwei Antriebswelten …“ Michael Ebner, Pressesprecher Mini Österreich

Die Bedienung ist im Briten genauso durchschaubar wie im Deutschen. Zur Auswahl stehen für den Elektrofahrbetrieb drei Modi. 1. Ein automatischer Modus (Auto eDrive), bei dem sich ab 80 km/h oder bei Kickdown oder bei einem Batterieladestand von unter sieben Prozent der Verbrenner zuschaltet. 2. Ein reiner E-Modus (Max e-Drive), bis zu 125 km/h schnell (darüber tritt der Benziner in Aktion). 3. Ein Ladestandserhaltungsmodus (Save Battery), in dem der Verbrennungsmotor den Akku auf 90-prozentiger Ladung hält. Anwählbar sind die Betriebszustände via Kippschalter, der neben dem gelb markierten Starttaster platziert ist.

Der Allradantrieb fungiert – wie erfahren auf unbefestigtem Untergrund – eher als Traktionshilfe denn als ernsthafter Geländeackerer. Das soll der hybride Countryman auch nicht sein, sondern ein kompakter Transporteur für die Familie, der vor gröberem Wegewerk nicht zurückschreckt, hohes Spritspar-potenzial hat und vor Umweltzonen, in denen lokal emissionsfreie Fortbewegung gefordert ist, nicht aufstecken muss. Mini verspricht eine rein elektrische Reichweite von bis zu 42 Kilometern. Auf einer Testfahrt in Italien, vom Zentrum Mailands über lombardische Autobahnen, Landstraßen und Berge bis an den Lago di Como waren es unter realistischen Fahrbedingungen immerhin 30 Kilometer. Am Schnelllader waren die Akkus nach zweieinviertel Stunden wieder voll, an der Haushaltssteckdose sollte es nicht länger als 3,15 Stunden dauern.

Für die Verbrauchsdaten insgesamt geben die Mini-Leute einen Durchschnittskonsum von 2,1 Liter Superbenzin pro 100 Kilometer an (CO2: 49 Gramm pro Kilometer). Das scheint erreichbar, wenn man bewusst sanft mit dem Gaspedal umgeht und so geschickt wie möglich mit den beiden Antriebsaggregaten jongliert, sprich das Energiemanagement in Verbindung mit dem Navigationssystem agieren lässt. Auf herausfordernd kurvigen Streckenabschnitten wurde das jedoch eher zweitrangig behandelt.

Trotz des Mehrraums, den das E-Aggregat und die Lithium- Ionen-Batterien – beides stammt aus BMW-eigener Fertigung – im Heck beanspruchen, bleibt noch respektabel Raum für Tank und Ladeabteil. Ersterer fasst 35 Liter, Zweiteres hält ein Volumen für 405 bis zu 1.275 Liter Ladegut parat.