Erstellt am 21. Dezember 2015, 08:38

von Franz Farkas

Stufenlos ins Gelände. Ein österreichisches Ingenieurbüro hat ein neues Getriebe für den harten Einsatz im schweren Gelände konstruiert.

Exklusive Ausfahrt mit dem VTP-Getriebe bei Pilsen (Tschechien) - die NÖN war dabei!  |  NOEN, VDS
VDS ist ein Ingenieurbüro in Wolfern bei Steyr (Oberösterreich). Die Firma wurde vor sechseinhalb Jahren gegründet und hat sich auf stufenlose Getriebe für den harten Geländeeinsatz spezialisiert. Ein Produkt ist das sogenannte VTP-Getriebe – „Variable Twin Planet“.

Das System arbeitet mit hydrostatisch-mechanischer Leistungsverzweigung. Das bedeutet: im rein hydrostatischen Leistungsbereich und je nach Ausführung mit bis zu drei Überlagerungsbereichen. Diese Anordnung bewirkt hohe Zugkraft und große Getriebespreizung bei geringem mechanischem Aufwand. Der Vorteil ist auch, dass geringe Leistungen rein hydrostatisch übertragen werden und große Leistungen bzw. Drehmoment sowohl hydrostatisch als auch über den mechanischen Part.

Das System ist derzeit schon (erfolgreich) in Kleinsttransportern wie denen der Schweizer Firma AEBI im Einsatz. Nun aber hat man aber auch andere Sparten, wie etwa Geländefahrzeuge und geländegängige Transporter, im Visier.

Dazu wurde ein Vorserienfahrzeug auf die Räder gestellt, um zeigen zu können, was das System kann. Und es kann viel! Auch im schweren Gelände ist es wenig Aufwand für den Fahrer, ein mit einem VTP-Getriebe ausgestattetes Fahrzeug zu steuern. Gaspedal niedertreten – und schon geht es vorwärts. Beim Stopp geht man einfach weg vom Gas und das Fahrzeug steht, rein mit der Motor- und Getriebebremse, während der Motor selbst im Stand weiterläuft.

Getriebe in zwei Größen lieferbar

Auch offroad-ungeübte Fahrer kommen schnell mit dem System zurecht, da sie nur darauf achten müssen, das Fahrzeug auf Kurs zu halten und sich nicht um irgendwelche Getriebestufen, Sperren und Ähnliches kümmern zu müssen. Für den Betrieb auch auf befestigtem Untergrund hat man die Übersetzungen so ausgelegt, dass etwa 180 km/h Spitzengeschwindigkeit möglich wären. Ein weiterer Gag ist die sogenannte Freischaukelautomatik: Beim Drücken eines Knopfes ruckt das Fahrzeug vor- und rückwärts, um es etwa aus einem Schlammloch zu befreien.

Das Getriebe wird in Tschechien gefertigt und soll in zwei Größen lieferbar sein: 170 PS/ 1.000 Newtonmeter und 400 PS/2.000 Newtonmeter. Die Kosten belaufen sich auf etwa 20.000 € für das „kleine“ Getriebe. Als Abnehmer sieht Geschäftsführer Heinz Aitzetmüller vor allem Einsatzfahrzeuge (Feuerwehr, Rettung), aber auch Militär und Privatpersonen, die sich einfach diesen „Luxus“ gönnen wollen. Mittlerweile arbeitet man auch schon an anderen Projekten in diesem Bereich. Da der hydraulische Teil des VTP-Getriebes sowohl hitze- als auch kälteanfällig ist, will man diesen in Zukunft durch einen gesteuerten Elektromotor ersetzen.

Internet:  www.vds-getriebe.at