Erstellt am 21. März 2016, 09:19

von Michaela Fleck-Regenfelder

Was die Zukunft antreibt. Wasserstoff ist der Energieträger der Zukunft, ist Toyota-Entwickler Gerald Killmann überzeugt. Das erste Wasserstoffauto rollt noch heuer auf Österreichs Straßen.

Der Visionär und sein Ingenieur: Toyotas erstes Brennstoffzellenauto namens Mirai und Gerald Killmann, Toyota-Motor-Europe-Vize- präsident Forschung & Entwicklung.  |  NOEN, www.sebastienmauroy.com

Neu ist er nicht, der Wasserstoff als Antrieb der Zukunft. Im 19. Jahrhundert brannte er schon in Straßenlaternen. Und heute wird er im großen Stil etwa in der Düngemittelherstellung oder in Erdölraffinerien benutzt.

Schätzungsweise 50 Millionen Tonnen Wasserstoff werden jährlich industriell erzeugt. „Damit könnten 250 Millionen Mirais jedes Jahr 20.000 Kilometer fahren“, rechnet Gerald Killmann vor. Toyotas Mirai ist das erste Wasserstofffahrzeug in Großserie. Und das braucht auf 100 Kilometer gerade einmal 0,76 Kilogramm – nicht Diesel, nicht Benzin, nicht Erdgas und nicht Strom, sondern Wasserstoff.

Der treibt im Mirai eine „kleine, chemische Fabrik“ an, nämlich eine Brennstoffzelle, die unter den Vordersitzen sitzt, außer Wasser null Emissionen erzeugt und auf eine Reichweite von satten 550 Kilometern kommt.

„Das ist gerade mal der Anfang!“
Gerald Killmann über Toyotas erstes
Brennstoffzellen-Fahrzeug, den Mirai

„Nur“ 20 Jahre (1992 fing man an, 1996 wurde der erste RAV4 Fuel Cell präsentiert) hat man bei Toyota bis zur Serienreife gebraucht. Und in die auch noch jede Menge Weltpremieren verpackt, wie die neue 3d-Struktur auf der Wasserseite der Brennstoffzelle, der Verzicht auf einen eigenen Befeuchter, die Funktionstüchtigkeit noch bei minus 30 Grad oder die von vier auf zwei reduzierten Wasserstofftanks. Das Ergebnis ist ein System, das kleiner, leichter, dafür aber stärker ist als bei allen Prototypen davor. Und ein System, das auch Komponenten von Toyotas hauseigenen Hy-brid-Pionieren trägt.

„Das Brennstoffzellen-Fahrzeug ist auch ein Hybrid-Fahrzeug“, so Killmann. Trotz all dem ist es aber auch nicht „langsam wie eine Gurke“, so der Diplom-Ingenieur, der im Toyota-Motor-Europe-Entwicklungszentrum in Belgien arbeitet. 154 PS Nennleistung, 335 Newtonmeter und 178 km/h Höchstgeschwindigkeit stehen beim Mirai auf dem Datenblatt. Und: 3,1 kW pro Liter – „damit ist er unseres Wissens Weltklassebester“ …

„Viel Geld“ sei derzeit nicht mit dem Mirai zu verdienen. Dabei seien die Kosten „der Kernpunkt für die Zukunft“. 66.000 € soll das Brennstoffzellenauto in Österreich kosten – exklusive. Und auch bei den Tankstellen („aufgetankt ist er in drei bis fünf Minuten“) müsse man in Europa schauen, „dass wir nicht hintenbleiben“. In der Produktion ist man dagegen ehrgeizig: 2.000 Autos will Toyota 2016 produzieren, 2020 sollen es schon 30.000 sein. In Japan jedenfalls wartet man schon jetzt zwei Jahre auf einen Mirai …

Zur Person

Gerald Killmann wurde in Graz geboren, wuchs in den USA sowie in Deutschland auf. Er arbeitet seit 1992 bei den Japanern, der 51-Jährige spricht auch Japa-nisch. War unter anderem Projektleiter bei der Integration von BMW-Dieselmotoren (made in Steyr) in Toyota-Modelle.