Erstellt am 16. Oktober 2015, 17:09

von APA/Red

Aufnahmestopp füllt Notquartiere. In der Asyl-Betreuungsstelle Traiskirchen wirkt der Aufnahmestopp deutlich. Mit Freitag Früh waren dort 1.796 Menschen untergebracht, niemand mehr "dauerhaft" in Zelten, teilte das Innenministerium mit.

 |  NOEN, Karin Heigl
Im Sommer waren es noch über 4.000 gewesen. Die Kehrseite der Medaille: Asylwerber, die Anspruch auf Grundversorgung haben, werden abgewiesen.

Dass immer mehr Flüchtlinge, deren Anträge bearbeitet werden, keine Unterkunft finden, kritisieren NGOs seit Wochen. Allein vergangene Nacht hätten in Traiskirchen Dutzende Personen Unterschlupf in Traiskirchner Pfarren und beim türkischen Kulturverein gefunden, berichtete Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner den Medienvertretern.

Mittlerweile hat laut Innenministerium auf Initiative des Flüchtlingskoordinators Christian Konrad ein großer Bus der Wiener Linien Aufstellung unweit des Lagers genommen - als "erste Anlaufstelle" für Menschen ohne Obdach. Diese füllen indes zunehmend die eigentlich als Notquartiere für Durchreisende gedachten behelfsmäßigen Quartiere, das zeigte sich zuletzt auch in Salzburg.

Auf dem Weg in Richtung Normalität

Laut Franz Schabhüttl, dem Leiter der Betreuungsstelle Ost in Traiskirchen, ist die Zahl der Abgewiesenen von Tag zu Tag "unterschiedlich". "Gestern acht, vorgestern neun" seien es gewesen. In Traiskirchen selbst jedenfalls sieht Karl-Heinz Grundböck, Sprecher des Innenministeriums, die Lage "Schritt für Schritt auf dem Weg in Richtung Normalität und Routine" - auch, wenn nach wie vor eine "Ausnahmesituation" herrsche.

So sind seit Freitag wieder der Kindergarten und der "Eltern-Kind-Treff" in Betrieb. Die Räumlichkeiten waren zu Zeiten der Überfüllung anderweitig genutzt worden. Wobei Eltern mit ganz kleinen Kindern die Minderheit stellen. Mit Abstand größte Gruppe der Menschen in Traiskirchen sind 1.292 unbegleitete Minderjährige im Alter von 14 bis 18 Jahren. 55 sind jünger als 14 Jahre alt und ohne Begleitung angekommen.

Ungefähr die Hälfte aller im Lager Untergebrachten sind laut Schabhüttl sogenannte Dublin-Fälle. Das erkläre auch zum Teil, dass zum Schulbetrieb für Schulpflichtige (also bis 14 Jahren) in sogenannten "Brückenklassen" außerhalb des Regelschulsystems zwar rund 200 Kinder angemeldet sind, aber nur rund 60 kommen. Die Eltern wüssten, dass sie nicht in Österreich bleiben könnten, somit sähen sie auch keinen Sinn darin, die Kinder hier zur Schule zu schicken, so Schabhüttl.

Die Caritas beurteilt die Entwicklung in Traiskirchen mit gemischten Gefühlen. Man sei froh, dass man seit dieser Woche im Lager Sachspenden verteilen könnte und es mit der alten Semperithalle nun ein ausreichend großes Spendenlager gebe, sagte Schwertner (siehe APA383 von heute). Andererseits brauche es rasch zusätzliche winterfeste Quartiere, um das Problem der Obdachlosigkeit in den Griff zu kriegen. Weiterhin gibt es laut Grundböck 300 bis 400 Asylanträge pro Tag. Derzeit rund 3.000 Personen seien derzeit in einer Bundeseinrichtung untergebracht und somit "in Warteposition" auf einen Länderplatz.