Baden

Erstellt am 28. Juli 2016, 05:12

von Stefan Jedlicka

„Eine andere Welt“. Als Manager bei Samsung lebte Jürgen Kaiser rund drei Jahre in Asien. Jetzt ist er beruflich zurück in Baden.

 |  NOEN, Jedlicka

Als der Anruf von Samsung kam, dachte Jürgen Kaiser noch, es ginge um eine Stelle in der Wiener Niederlassung. Doch der internationale Elektronikriese war gerade dabei, seine Bau-Branche anzukurbeln und suchte dafür Manager. Also packte Kaiser im Jahr 2013 seine Sachen und übersiedelte nach Korea. In der 25 Millionen-Einwohner-Metropole Seoul tauchte er in eine völlig andere Welt ein, wie er im Gespräch mit der NÖN erzählt.

Tätig war Kaiser im Bereich „Public-Private-Partnership“, also der Kooperation mit staatlichen Stellen, so wie zuvor auch in Österreich. Der Unterschied war dennoch gewaltig. „In Korea werden gigantische Infrastruktur-Projekte ohne direkten Nutzen umgesetzt, nur um die Wirtschaft anzukurbeln. Zum Beispiel eine Autobahn auf 20 Meter hohen Stelzen. Oder ein Kanal, der gar nicht mit Schiffen befahren werden kann“, berichtet Kaiser. Seine Aufgabe war es, die Partnerschaft mit der öffentlichen Hand aufzubauen.

Korea dennoch in bester Erinnerung

Er lernte Koreanisch und machte sich mit den Gepflogenheiten des Landes vertraut. „Die Koreaner arbeiten extrem viel. Und sind sehr loyal zu ihrer Firma, weil sich ein Großteil des Lebens dort abspielt“, erzählt der Badener. Arbeitstage von 12 Stunden und mehr seien keine Seltenheit. „Dazu kommt oft mehr als eine Stunde Anreisezeit. Außerdem ist alles sehr hierarchisch strukturiert.

In Besprechungen redet immer nur der Abteilungsleiter. Niemand traut sich Fragen zu stellen, weil der Vorgesetzte sein Gesicht verlieren würde, wenn er die Antwort nicht kennt. Daher beginnt nach den Meetings die Diskussion darüber, was der Abteilungsleiter gemeint haben könnte. Mitunter wird aber etwas missverstanden und das präsentierte Ergebnis ist dann wertlos, man muss wieder ganz von vorne beginnen“, so Kaiser.

Er hat die Zeit in Korea dennoch in bester Erinnerung. „Das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Firma ist enorm. Es gibt großzügige Unterstützungen für Mitarbeiter, zum Beispiel bei Hochzeiten oder Begräbnissen.“ Auch privat hat der Aufenthalt Kaisers Leben verändert. Als er 2016 aufgrund von Umstrukturierungen nach einem Führungswechsel bei Samsung wieder nach Baden zurückkehrte, kam seine neue Lebensgefährtin mit ihm. Hier wagte er nun den Schritt in die Selbstständigkeit, hat sich mit seiner Firma Sarema als Interimsmanager auf die Sanierung von Betrieben spezialisiert. „Aktuell bei einem Traditionsunternehmen im Raum Baden, das in finanzielle Schieflage geraten ist“, schildert er.

Sein Fazit: „Arbeitskultur ist für Westler ein harter Brocken in Korea, aber generell ein fantastisches Land mit großartigen Menschen, in dem ich mich sehr wohlgefühlt habe.“