Erstellt am 24. Mai 2016, 05:54

von Sonja Pohl

Pater Amadeus: „Würde denselben Weg wieder gehen“. Stadtpfarrer verlässt St. Stephan mit 31. August. Die NÖN sprach mit ihm über seine Beweggründe.

Pater Amadeus Hörschläger verlässt die Pfarre Baden St. Stephan mit 31. August.  |  NOEN, Sonja Pohl

Seit 2011 ist Pater Amadeus Hörschläger Stadtpfarrer in Baden-St. Stephan. In seinen Verantwortungsbereich fällt damit auch das Rektorat der Frauenkirche, außerdem ist er Präses der Kolpingsfamilie Baden, Prior des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, Verbindungsseelsorger der Badenia, Schulseelsorger der katholischen Privatvolksschule in Maria Enzersdorf und Betreuungsgeistlicher des Seniorenbundes Baden.

„Allesamt Aufgaben, die ich sehr gerne wahrgenommen habe, beziehungsweise denen ich künftig mehr teils mehr Zeit widmen kann“, lächelt er. Denn am 21. August wird Pater Amadeus seinen letzten Gottesdienst als Stadtpfarrer feiern.

Im 70. Lebensjahr sei er „ein wenig amtsmüde“, gesteht der an sich vitale Geistliche ein, der mit 1. September seinen Ruhestand antritt. Bei regulär Berufstätigen sind 70 Lebensjahre ein längst „fälliges“ Pensionsalter, bei Geistlichen erregt dieser Rückzug ins Privatleben aber Aufmerksamkeit. Zumal Hörschläger – mit Erlaubnis des Abtes seines Klosters Heiligenkreuz – als Pensionist in den Pfaffstättner Pfarrhof übersiedelt. „Freilich hätte ich auch ins Stift zurückzukehren können“, so Hörschläger. Er schöpfe seine Lebenskraft aber seit jeher vielfach „auch aus persönlichen Begegnungen“.

Gut die Hälfte der Gottedienstbesucher in St. Stephan
sind Kurgäste, Touristen und Heimbewohner.“
Pater Amadeus

„Ich war mit Leib und Seele Landpfarrer“, erzählt der Spätberufene, der selbst aus einfachen Verhältnissen stammt und stets auch Kontakte zu nicht Kirchennahen pflegte. Die Kirche aus der Sakristei ins öffentliche Leben zu tragen, war für ihn Credo. „Getreu dem Motto von Papst Franziskus, der sagt, dass der Hirte den Geruch der Schafe annehmen soll“, betont Hörschläger. Aber auch, dass man in der Diözese mit diesem Grundsatz seine Probleme habe. Und nicht nur dort. „Baden ist sehr von Tradition geprägt, das lag mir nicht immer“, blickt er zurück.

St. Stephan übernahm Hörschläger 2011 auf Wunsch des Kardinals. „Es ist für mich eine schwache Pfarrgemeinde, aber starke Gottesdienstgemeinde, nehmen an Heiligen Messen doch bis zu 1.000 Gläubige teil, von welchen gut die Hälfte Kurgäste, Touristen und Heimbewohner sind.“ Er bedauert aber auch: „Im Vergleich zu St. Josef und St. Christoph gestaltet sich das Pfarrleben ein wenig einsilbig.  Bälle, Kränzchen und andere Pfarrfeste finden eher in St. Christoph und St. Josef statt. Dabei wäre die Öffnung der Kirche gerade in Anbetracht der anstehenden Herausforderungen wichtig“, meint Hörschläger.

„Es gibt also jede Menge zu tun für meinen Nachfolger“

Weitere Brennpunkte der Kirchengemeinde seien „die Stellung der Frauen in der Kirche, wie der Umgang mit geschiedenen Wiederverheirateten oder auch Schutzsuchenden, wobei ich der persönlichen Ansicht bin, dass echten Flüchtlingen auch geholfen werden muss“.

2017 stehen Pfarrgemeinderatswahlen an. „Es gibt also jede Menge zu tun für meinen Nachfolger“. Seine Handschrift hinterließ der Geistliche aber dennoch in St. Stephan – in seine Amtszeit fiel die Generalsanierung der Frauenkirche, in St. Stephan wurde eine neue Glocke, die „Marienglocke“, angeschafft und der Stadtpfarrer wurde vielfach Teil des öffentlichen Lebens, scheute Hörschläger doch auch Szene-Events wie „Baden in Weiß“ nicht.

Wie sich nun Hörschlägers Zukunft gestalten wird? „Ich werde Pater Pio in Pfaffstätten unterstützen, bei Hochzeiten, Taufen und ähnlichen Feiern Segen spenden und mir auch Zeit für mich selbst nehmen“, verrät er. Schließlich hat der Geistliche viele Interessen: Bergwandern, Theater, klassische Musik und Reisen zählen dazu. Aber auch den Kontakt zu „seinem Kloster Heiligenkreuz“ wolle er wieder intensivieren.

Reue empfindet Hörschläger keine: „Wäre ich noch einmal jung, würde ich denselben Weg ein zweites Mal gehen.“