Erstellt am 05. November 2015, 16:24

von Tina Jedlicka

Angeklagter streitet Mord an Mutter ab. Ein 42-jähriger Altenmarkter soll seine Mutter, die beliebte ehemalige Volksschuldirektorin, erschlagen haben und dann selbst die Behörden verständigt. Allerdings soll er da angegeben haben, dass er sie nur gefunden habe.

Der Angeklagte am Weg zum Schwurgerichtssaal.  |  NOEN, Tina Jedlicka
Auch beim Prozess soll er sich nicht schuldig bekennen. "Es wird ein Indizienprozess. Mein Mandant bekennt sich nicht schuldig", erklärt so auch sein Verteidiger Rudolf Mayer zuvor der NÖN.

Bei Streit am Dreikönigstag ausgerastet

Der 42-Jährige soll unter Geldmangel gelitten haben und deshalb mit seiner Mutter in Streit geraten sein. Darin sieht die Staatsanwaltschaft auch das Tatmotiv. Der Angeklagte soll seine Mutter immer wieder zur Übergabe von Geld verleitet haben, indem er ihr die Lüge aufgetischt haben soll, dass er schwer erkrankt sei und sich seine Therapie sonst nicht leisten könne.

Bei einem Streit am 6. Jänner sei er dann völlig ausgerastet und habe sie erschlagen. Um die Tat zu verschleiern habe er sich mit einem Freund getroffen und seine Mutter erst drei Stunden später entdeckt.

Heute Donnerstag wird sich ein Geschworenensenat unter der Leitung von Landesgerichts-Vizepräsidentin Richterin Birgit Borns mit dem Fall beschäftigen. Am 12. November wird die Verhandlung fortgesetzt. Da soll es auch ein Urteil geben.

Die NÖN berichtet live vom Prozess:

"Mit den Händen mit denen du mich umarmt hast, hast du das Mordwerkzeug auf Mama niederschnellen lassen", liest der Privatbeteilgtenvertreter aus einem Brief der Schwester des Angeklagten an ihn gleich zu Beginn der Verhandlung vor. 20.000 Euro Schadensersatz soll er ihr zahlen.

"Ich bin zehn Monate im Gefängnis gesessen und nicht zu Unrecht. Ich hab meine Familie belogen. Aber ich habe nicht meine Mutter umgebracht", erzählt der Angeklagte mit gefasster, nüchterner Stimme. Er habe seine Familie belogen, ihnen vorgemacht er habe Leukämie. Weil er Geld benötigt habe. Vorgemacht habe er aber auch seinen Freundinnen stets etwas. Diese gingen davon aus, dass er als Programmierer 3.400 Euro verdient habe. In Wahrheit habe er nie einen Beruf erlernt.

"Habe immer gearbeitet"

"Gearbeitet habe ich aber immer. Die Bezahlung war mir nicht wichtig. Ich habe immer nur gearbeitet, solange es mir Spaß gemacht hat. Dann hatte ich Geld, war aber alleine und habe darin keinen Sinn gesehen", verantwortete sich der Mann weiter. Einen Beruf habe er nie gelernt, aber immer gearbeitet. Bezahlung sei ihm nicht wichtig gewesen. Seinen Lebensunterhalt habe die Mutter bezahlt.

An dem Abend des Vorfalls habe er sie zuhause getroffen, sei dann aber noch einmal losgefahren. Als er wieder heim kam, sei ihre Tasche am Tisch im Esszimmer gestanden. Er habe sie überall gesucht, erst beim zweiten Versuch habe er sie im Keller gefunden. Ohne viel Emotion schilderte er seine vermeintlichen Wahrnehmungen.
 
Der Prozess sollte auch am 12.11. kein Ende finden, das DNA-Gutachten sei noch nicht fertig. Erste Zeugen wurdenam Nachmittag einvernommen.

Der Angeklagte, der lange als Sanitäter gearbeitet hat, gab an seine Mutter am Tag der Tat tot im Keller gefunden zu haben. Er sei nicht in der Lage gewesen ihre Vitalfunktionen zu überprüfen. Als erste und einzige Zeugin wurde am ersten Prozesstag die Schwester des Angeklagten einvernommen.

Sie zeigte sich schockiert, dass ihr Bruder zwei Gesichter habe. Einerseits sei er hilfsbereit, anderseits habe er sie oft belogen. Habe ihr Geld gestohlen und ihr vorgetäuscht, dass er Leukämie habe.

Der psychiatrische Sachverständige attestierte dem Angeklagten keine juristisch relevante psychische Erkrankung. Der Prozess soll frühestens im Jänner zu Ende gehen.  

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