Erstellt am 13. Januar 2016, 08:08

von Tina Jedlicka

Altenmarkter VS-Direktorin ermordet: Prozess-Finale. Heute Dienstag geht der Prozess gegen den Triestingtaler Rene K. weiter. Ihm wird zur Last gelegt seine Mutter, die ehemalige Volksschuldirektorin von Altenmarkt umgebracht zu haben.

Das Opfer Ingrid K.  |  NOEN, Holzinger Presse Archivbild

René K. war am Landesgericht Wiener Neustadt zur Last gelegt worden, am Dreikönigstag 2015 im Bezirk Baden seine Mutter (60) erschlagen zu haben. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der Beschuldigte meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an, die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab.

"Es ist nichts da, das beweist, dass der Angeklagte der Täter ist", hatte die Verteidigung bereits zu Prozessbeginn Anfang November 2015 zu bedenken gegeben. "Ich weiß, ich bin unglaubwürdig. Ich habe gelogen, meine Mutter bestohlen. Aber wenn Sie alles Schlechte glauben, dann bitte ich Sie, auch Positives nicht zu vergessen ... Sie können Gott und die Welt fragen, dass ich nie aggressiv gewesen bin", appellierte der 42-Jährige an die Geschworenen, deren Schuldspruch in dem Indizienprozess dennoch einstimmig war.

Tatsächlich gab es keine Zeugen, Mordwerkzeug wurde nicht gefunden und der Angeklagte bestritt, mit der Tat auch nur das Geringste zu tun zu haben. Fakt ist dennoch: Am 6. Jänner 2015 in den Abendstunden wählte er den Notruf. Seine 60-jährige Mutter lag mit eingeschlagenem Schädel tot im Keller ihres Hauses. Aus der Lebensgeschichte des Beschuldigten ergab sich für die Staatsanwaltschaft eine "geschlossene und in sich schlüssige Indizienkette" für den Mordvorwurf gegen den 42-Jährigen.

"Ein Tunichtgut, der vom Geld der Mutter gelebt hat und dieser eine schlimme Krankheit vorgetäuscht hat, damit sie ihn weiterhin mit Barem versorgt" (so ein Prozessbeteiligter) soll die Frau erschlagen haben, als sie der "Lebenslüge" ihres Sohnes auf die Schliche gekommen war. Er hatte ihr nämlich erzählt, dass er an Leukämie erkrankt sei, hatte jedoch das viele Geld, das sie ihm gegeben hatte, nicht für Therapien, sondern für seinen Lebensstil verbraucht.

Als die Ersparnisse der 60-jährigen Volksschulpädagogin beinahe aufgebraucht waren und dadurch laut der Richterin "das Lügengebäude zusammenzubrechen drohte", das sich der Langzeitarbeitslose - in 24 Jahren war er nur viereinhalb Jahre erwerbstätig - aufgebaut hatte, soll er die Mutter bei einem Streit mit einem kantigen Gegenstand getötet haben.

Einige Kilometer vom Tatort entfernt fanden die Kriminalisten neben Einweghandschuhen auch versengte, blutverschmierte Schuhe und Kleidungsstücke des Angeklagten. Die DNA-Analysen von Gerichtsgutachterin Christa Nussbaumer ergaben: Auf den Schuhen gab es sogenannte Mischprofile, also DNA-Spuren von mehreren Personen. Auf einem Schuh war auch das DNA-Profil des Opfers auszumachen. Das Hauptprofil jedoch hatte der Angeklagte hinterlassen.

Einweghandschuhe wurden ebenfalls entdeckt, auf denen neben DNA-Spuren von Opfer und Angeklagtem auch einige nicht zuordenbare Merkmale gefunden wurden. Die Spuren auf den Kleidungsstücken, die erst Monate nach der Tat in einem Waldstück entdeckt worden waren, brachten keinen Aufschluss.

DNA-Merkmale des Trägers konnten nicht eruiert werden, dafür solche des Opfers. Witterung, Nässe, etc. hatten mögliche DNA-Spuren beeinträchtigt bzw. vernichtet.

Jener Polizist, der am Dreikönigstag 2015 als erster am Tatort eingetroffen war, sagte noch am Dienstag als Zeuge aus. Er erinnerte sich an den Angeklagten, der ihm "komisch und verwirrt" vorgekommen sei. "Im Keller versuchten Sanitäter seine Mutter zu reanimieren und er bügelte Jeans und sprach nur davon, dass er Wäsche waschen muss."

Laut Gerichtsmediziner war die 60-jährige nach mehreren wuchtigen Schlägen gegen den Kopf an einem schweren Schädel-Hirn-Trauma gestorben.

Den Tathergang rekonstruierte der Forensiker folgendermaßen: Zuerst ein Faustschlag ins Gesicht, dann ein Schlag mit einem - bisher nicht aufgefundenen - Werkzeug gegen die Stirn, woraufhin die Frau zu Sturz kam, und dann fünf wuchtige Schläge mit dem Werkzeug gegen den Kopf bzw. in die Ohrenregion.

Verteidigerin Malena Stürzenbacher versuchte mit etlichen Beweisanträgen, die "noch vielen offenen Fragen" zu klären, blitzte damit jedoch bei dem Geschworenensenat ab. Hinsichtlich der ebenfalls vorgeworfenen Nötigung und der Körperverletzung erfolgte ein Freispruch für den Angeklagten.


Altenmarkter VS-Direktorin ermordet: Prozess-Finale

Heute Dienstag geht der Prozess gegen den Triestingtaler Rene K. weiter. Ihm wird zur Last gelegt seine Mutter, die ehemalige Volksschuldirektorin von Altenmarkt umgebracht zu haben.

Auch am letzten Prozesstag will der Angeklagte von diesem Vorwurf nichts wissen. Zwei Kriminalbeamte sagen bereits als Zeugen aus, mit besonderer Spannung wird das DNA-Gutachten von der Kleidung erwartet, die mit Spuren vom Opfer und Blut sowie Brandspuren verunreinigt an einem Forstweg im Triestingtal gefunden worden sind.

Verteidiger Rudolf Mayer und sein Co-Anwalt kamen am letzten Prozesstag nicht, sondern schickten eine ihrer Anwältinnen als Vertretung, die die zahlreichen Fragen des Angeklagten vorträgt.
"Können Sie sich an den Angeklagten erinnern?" fragt Richterin Birgit Borns den Kellner der Pizzeria, in der Rene K. in der Tatnacht gewesen sein soll. Dieser kann sich jedoch nicht mehr genau an die Verweildauer und die Konsumation des Angeklagten erinnern.

Angeklagter bügelte während Reanimationsversuchen der Rettung

Eine technische Mitarbeiterin der Polizei sagt ebenfalls als Zeugin aus, sie hat die Schuhe, die der Angeklagte in der Tatnacht getragen haben soll, auf thermische Beeinträchtigungen, also Brandspuren, untersucht. Die Schmelzköpfe seien schon mit freiem Auge feststellbar gewesen. "Ich kanns aber nicht datieren", meinte die Zeugin. Der Träger der Schuhe könnte neben dem Feuer gestanden sein die Schuhe dabei noch angehabt haben. Im Raum steht, dass der Angeklagte versucht haben soll, das Gewand, das er bei dem Mord angehabt haben soll, im Schnee zu verbrennen. Dabei soll er sich die Schuhe angesenkt haben.
 
Mit Schreck erinnert sich ein Polizeibeamter an den 6. Jänner 2015: "Als wir ins Haus kamen, hat uns die Nachbarin gesagt, dass eine Frau im Keller liegt Das Rettungsteam war gerade beim Reanimieren. Ihr Sohn, der Angeklagte, war oben in der Wohnung und hat gebügelt. Das habe ich nicht verstanden. Wenn unten die Mutter gerade reanimiert wird, dass man dann bügelt."

Die Sanitäter, die diese Reanimationsmaßnahmen gemacht haben, waren überwältigt von dem vielen Blut, dass überall neben der Leiche war. "Ich habe den Mann gefragt, was eigentlich passiert ist. Er hat gesagt, dass seine Mutter von den Pferden gekommen sei... Aber irgendwie hat das keinen Sinn für mich ergeben", so eine Sanitäterin. Der Gemeindearzt stellte den Tod der Frau fest. Dass es sich dabei um die Lehrerin seines Kindes handelte, habe er aber nicht erkannt. So verändert sah sie aus.

Notarztprotokolle vorgetragen

Der medizinische Sachverständige Rudolf Denk, der sein Gutachten schon im Dezember erstattet hat, wurde erneut geladen, mit dem Auftrag die gefundenen Kleidungsstücke gemeinsam mit der Sachverständigen Christa Nussbaumer auf Blutspritzer zu untersuchen. "An den Teilen der beiden Hemde waren teilweise blutige Durchtränkungen", erklärte Denk.

Die Kleidung kann getragen worden sein, muss aber nicht. 
Die DNA-Spuren auf der Kleidung seien teilweise vom Angeklagten, teilweise vom Opfer gewesen, erzählte die Sachverständige Nussbaumer. Teilweise habe es auch Spuren von anderen gegeben, was bei Straßenkleidung nicht weiters ungewöhnlich sei. Der Zeitpunkt des Todes soll um 19 Uhr gewesen sein. Genau könne man das allerdings nicht feststellen, hieß es schließlich.
 
Kurz vor der großen Beratungspause wurde das Notarztprotokoll laut vorgetragen. Die Stimme des Angeklagten war zu hören als er sagte, dass seine Mutter in einer Blutlache am Boden im Keller sei. Immer wieder versuchte der Sanitäter den Angeklagten telefonisch dazu zu bewegen die Atemwege der Frau freizumachen, ihren Atem zu fühlen. Ihr zu helfen. "Nein", antwortete der Angeklagte immer wieder und schließlich: "Des is mei Mutter. Ich kann das nicht." Als der Mann vom Rettungsdienst meinte, dass ein Team am Weg sei, fragte der Angeklagte, ob er die Polizei auch schon verständigt habe. Der Mann bejahte die Frage, der Angeklagte bedankte sich.

Schlussplädoyers ab 16 Uhr

Nachdem die Verteidigung noch zahlreiche Anträge gestellt hat, wird der Prozess bis 16 Uhr unterbrochen. Sollten die Anträge abgewiesen werden, erfolgen dann die Schlussvorträge und die Geschworenen ziehen sich zur Urteilsberatung zurück. 

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