Baden

Erstellt am 01. Juli 2016, 05:40

von Sandra Sagmeister

Leben und nicht sterben lassen…. Im Arnulf-Rainer-Museum setzt man auf eine aktive Flüchtlingsarbeit und ladet Flüchtlingsfrauen zum Malen ein. Im Arnulf-Rainer-Museum setzt man auf eine

Die 18-jährige Princy ist seit März 2015 in Österreich und nimmt an einem Malworkshop im Atelier des Arnulf-Rainer-Museums teil.    |  Sandra Sagmeister

Wie ein Museum proaktive Integrationsarbeit leisten kann, das zeigt Saskia Sailer vom Rainer-Museum mit ihrem breit gefächerten Kunstvermittlungsprogramm vor. Neben dem Kinderprogramm, wo es Workshops und Malkurse gibt, gibt es auch einen Workshop für Flüchtlingsfrauen, die momentan in Baden im Frauenhaus untergebracht sind. Unterstützung findet sie für ihre Ideen stets vom Museums-Direktor Rüdiger Andorfer.

Seit Februar läuft der Mal-Kurs für Flüchtlingsfrauen schon. Einmal in der Woche trifft sich eine kleine Gruppe von sechs bis acht jungen Frauen im Atelier des Rainer-Museums. „Anfangs malten die jungen Frauen nur schwarze Bilder“, schildert Sailer, die erfahren hat, dass viele der Frauen traumatisiert sind und erst nach ein paar Wochen begonnen haben sich ein bisschen zu öffnen: „Seit Kurzem greifen die Frauen auch zu hellen Farben, malen Herzen und Blumen, anfangs malten sie nur mit schwarzen und braunen Farben“, freut sich Sailer über den sichtbaren Erfolg. Die aktive Vermittlung von Kunst ist für sie mehr als nur einfach eine Führung durch die Ausstellungen im Frauenbad, wo die Bilder Rainers erklärt werden.

Princy mit 13 Jahren aus Somalia geflüchtet

Sailer und ihr Team rund um Julia Wagentristl setzen auf eine eigenständige Rezeption von Rainers Kunst und sie sprechen mit ihren Kursen und Workshops die unterschiedlichsten Ziel- und Menschengruppen an. Ihr Ziel: Rainers Kunst in eine neue künstlerische Form transformieren und zu diesem Prozess lädt Sailer nicht nur die Kinder ein, sondern auch Erwachsene und eben auch geflüchtete Frauen wie z.B. Princy (18) aus Somalia. „Für mich ist es eine große Freude zu sehen, dass auch die Erwachsenen darauf einsteigen, weil für mich ist Kunstvermittlung nicht einfach nur eine Bespaßung“, sondern viel mehr ein aktives Erleben und Interpretieren, um etwas Neues zu schöpfen.

Princy ist mit 13 Jahren aus Somalia geflüchtet. Sie hat ihren Eltern kein Wort gesagt, auch nicht ihren sechs Brüder und zwei Schwestern, sie hat alles hinter sich zurückgelassen, weil für sie war der größte Antrieb in Freiheit leben zu können: „Es gab für mich nur zwei Möglichkeiten, sterben oder leben“, sagt Princy. Seit März 2015 ist sie in Österreich, hat schon gut Deutsch gelernt und beginnt im Herbst mit der 5-jährigen HLA, dann möchte sie studieren und Journalistin werden, „ich möchte über die Welt schreiben und das Wichtigste ist, dass ich in die Schule gehen kann.“

Dass sie eine fröhliche und vor allem zielstrebige junge Frau geworden ist, verdankt sie auch ein Stück weit der Möglichkeit zu malen, ihre nicht immer guten Gefühle über die Kunst auszudrücken. Princy spielt auch gerne Fußball und Gitarre und über das Fußball spielen „habe ich viele Freunde gewonnen.“ Für sie hat das Warten vorerst ein Ende, sie hat ein wenig Zukunft in Österreich gefunden, und vielleicht wird aus ihr noch eine zweite „Rainerin“.