Erstellt am 07. Juni 2016, 05:50

von Sonja Pohl

Betreutes Wohnen: Umwidmung ist fix. Unternehmen „Silver Living“ errichtet 27 Betreute Seniorenwohnungen. Geschäftsführer beruhigt Projekt-Gegner..

Thomas Morgl, Geschäftsführer des Bauträgers »Silver Living« mit Badens Baustadtrat Rudolf Gehrer (v.l.).  |  NOEN, Sonja Pohl

Das Projekt „Betreutes Wohnen“ hinter der Billa-Filiale in der unteren Wassergasse wird realisiert. Trotz Widerstandes seitens der Anrainer und der Bürgerinitiative um Karl Zweymüller.

Bauträger ist die Firma „Silver Living“ aus Brunn/Gebirge, die sich auf die Errichtung maßgeschneiderter Seniorenwohnungen spezialisiert hat. Und man ist bemüht, die Bedenken in Baden zu zerstreuen. Es werde „weder großvolumig, noch zulasten wertvollen innerstädtischen Grüns gebaut“, verspricht er. Baustadtrat Rudolf Gehrer (ÖVP) betont: „Silver Living verbaut bewusst weit weniger Fläche, als die Bebauungsvorschriften vor Inkrafttreten der Bausperre erlaubt hätten.“

„Nur eine Wohneinheit als fünfte Etage“

Die 27 Wohneinheiten werden terrassenartig aufgebaut, sagt Morgl. „Sodass in jedem Geschoss auch großzügige Freiflächen entstehen und die Gebäudehöhe sukzessive ansteigt.“ Nur eine einzige Wohneinheit am westlichen Grundstücksende sei als fünfte Etage geplant.

„Diese ist allerdings deutlich niedriger, als der unmittelbar angrenzende Sonnhof“, erklärt der Baustadtrat. Morgl: „Eine höhere Bebauungsdichte entspricht gar nicht unserer Firmenphilosophie, schließlich wollen wir hohe Wohn- und Lebensqualität bieten.“
 


540 Seniorenwohnungen habe man bisher in Österreich errichtet, dabei auf zentrumsnahe Lage mit guter Infrastruktur geachtet. „Beides ist in Baden optimal erfüllt“, ist Morgl begeistert: „Das Grundstück ist mit dem vorbeiplätschernden Mühlbach ein fast parkähnliches Kleinod, das wir in die Räume holen wollen. Der Grund, warum wir auch einer Wegöffnung über unser Grundstück in Richtung Josefsplatz ermöglichen würden“, steht Morgl diesem Gedanken offen gegenüber. „Zumal unser Vorhaben von der Stadt partnerschaftlich begleitet wird“.

Fertigstellung für 2018 geplant

Die barrierefreien Wohnanlagen zählen mit ihrer Ausstattung und dem verfügbaren Betreuungsangebot zu den innovativsten Einrichtungen in ganz Europa. Im Zuge des Bauvorhabens in der Wassergasse 14 wird übrigens auch das Geschäftslokal in Richtung Fußgängerzone generalsaniert, „das auch wieder als Nahversorger zur Verfügung stehen wird“, erklärt Morgl. Außerdem denkt Silver Living darüber nach, eine in Vergessenheit geratene Besonderheit in der Geschichte „würdevoll in Erinnerung zu rufen“: „Denn am Grundstück stand einst eine Privatsynagoge.“

„Die Tagesordnung der Gemeinderatssitzung vom 21. Juni sieht die entsprechenden Bebauungsplanänderungen vor. Bis zum Herbst könnte die Einreichung und Baugenehmigung erfolgen. In Abstimmung mit der Ortsbildkommission, dem Bundesdenkmalamt und dem Stadtbauamt geht es dann an die Umsetzung. Die Fertigstellung ist für 2018 geplant“, skizzieren Baustadtrat Gehrer und Morgl den Zeitplan.

Leserbrief

„Käseglocke über letzte Grünoasen“
Zu Aussagen von Bürgermeister Kurt Staska (ÖVP) in der NÖN-Ausgabe vom 22. Mai:

„Sehr geehrter Herr Bürgermeister! Anlässlich des Erscheinens eines Artikels in der NÖN, betreffend den geplanten 5-stöckigen Riesenbau in der Wassergasse, wurden auch Sie befragt. Ihre Aussage war, dass der Bau, der eine wunderschöne innerstädtische Grünoase mit altem Baumbestand vernichten würde, nicht gegen die Bausperre vom 29.9. 2015 verstößt, „deren Sinn die kontrollierte Weiterentwicklung Badens ist“. Da würde ich Ihnen dringend empfehlen, sich den Text der Verordnung durchzulesen, wo nämlich steht, dass „Festlegungen im Bebauungsplan in manchen Bereichen zur konsequenten Erhaltung der für Baden siedlungstypischen Bebauungs- und Grünstrukturen nicht ausreichen“ und deshalb der Bebauungsplan zu überprüfen wäre. Dass ein Projekt, das eklatant gegen die Ziele der Bausperre gerichtet ist, dieser entsprechen soll, ist eine sonderbare Auslegung dieses neuerlichen Angriffes auf die gewachsenen Strukturen der Stadt. Sie sagen auch, dass Sie keine Käseglocke über Baden legen wollen. Die Käseglocke sollten Sie aber sehr wohl über die letzten Grünoasen der Stadt legen und Projekte, wie in der Wassergasse, Trostgasse (Caruso) sowie jenes von den Immobilienentwicklern des Sauerhofes geplant, verhindern. Damit könnten Sie auch bei der Bevölkerung Badens punkten.“
Karl Zweymüller, Baden