Baden

Erstellt am 24. August 2016, 05:25

von Stefan Jedlicka

Bürokraft musste auch „Babysitten“. Junge Angestellte von Chef als Kinderbetreuerin auch am Wochenende eingesetzt. Rechtsstreit um Kündigung.

 |  Scheichel

Eigentlich war sie ja als Bürokraft angestellt worden. Doch die Aufgaben einer jungen Frau aus dem Bezirk Baden sollten sich als deutlich umfangreicher herausstellen. Nachdem der Chef Vater eines Sohnes wurde, musste sie zusätzlich die Betreuung des Kleinkindes übernehmen, und das ohne jegliche pädagogische Ausbildung.

Denn die Mutter schien für ihren Sohn nur sporadisch Zeit aufbringen zu können. Deren Ruhebedarf war offensichtlich derart ausgeprägt, dass die Büroangestellte auch am Wochenende zur Stelle sein musste. Kurios: Selbst am Stundenkalender vermerkte der Chef, dass es oberstes Ziel wäre „Mausi glücklich zu machen“, womit er seine Ehefrau meinte.

Gehälter für 159 Arbeitnehmer eingefordert 

Anfangs nahm die junge Angestellte die Zusatzaufgaben noch in Kauf, um den Job zu behalten. Als sie dann jedoch auch unter anderem einen Babyschwimmkurs besuchen musste, reichte es der jungen Frau. Sie kündigte unter Berücksichtigung der einmonatigen Kündigungsfrist. Die entsprechende Mitteilung an ihren Chef quittierte dieser aber lediglich mit den Worten: „Dann schleich dich gleich hinaus“. Danach wollte er der Dienstnehmerin auch noch eine Unterschrift unter eine ungerechtfertigte vorzeitige Dienstauflösung abluchsen.

Doch die betroffene Frau wandte sich an die Arbeiterkammer. Hildegard Gehringer, stellvertretende Leiterin der AK-Bezirksstelle Baden, berichtet: „Wir haben interveniert, doch die Stellungnahme des Dienstgebers widersprach der Version der Dienstnehmerin. Deshalb bekam sie von uns den kostenlosen Rechtsschutz zur Verfügung gestellt. Bei der Gerichtsverhandlung kam es bezüglich der offenen Forderungen zu einem Vergleich.“

Insgesamt forderte die AK Baden im ersten Halbjahr 2016 für 159 Arbeitnehmer ausstehende Gehälter ein.

Arbeiterkammer-Bilanz

Die Aktivitäten der Arbeiterkammer im ersten Halbjahr 2016 im Bezirk Baden:

Arbeits- und sozialrechtliche Beratungstätigkeit:
Beratungen: 948
Interventionen beim Arbeitgeber: 159
Kostenloser Rechtsschutz: 100

Außergerichtlich eingebracht: 97.978 Euro
Gerichtlich eingebracht: 190.311 Euro
Insolvenzvertretung: 1.913.672 Euro
Gesamt: 2.201.961 Euro