Erstellt am 21. Oktober 2015, 05:37

von Sandra Sagmeister

Ein bewegtes Leben in bewegten Bildern. Über den Tänzer und Puppenspieler Leonardo Sala (78) wurde ein Film gedreht, der jetzt in Salzburg Premiere hatte.

Leonardo Sala heute – nachdenklich, aber der Humor blieb ihm.  |  NOEN, Sandra Sagmeister

Wenn einen jemand von „Uschi Sushi-Filmproduktion“ anruft, und erklärt, einen Film über sein Leben machen zu wollen, kann es schon passieren, dass man denkt, das sei ein schlechter Scherz und gleich wieder auflegt.

So erging es dem ehemaligen Tänzer, Choreografen und Puppenspieler Leonardo Sala, der das Gespräch mit den Worten: „Verarscht ihr mich?“ beendete. Aber es war ein seriöses Angebot, die Tänzerin und ehemalige Schülerin von Sala, Uschi Gruber, wollte einen Film über das bewegte Leben des Leonardo Sala drehen. Und sie wählte noch mal die Nummer des Misstrauischen, der dann doch zuhörte und überzeugt werden konnte, dass es sich nicht um einen Scherz handle. Und – Anfang Oktober war die Premiere des Films „Die Grenzen der Kunst – Ein Leben für den Tanz“ in Salzburg.

Der gebürtige Holländer Sala begann schon mit acht Jahren zu tanzen, hatte mit 15 Jahren sein erstes Engagement. „Da begann mein Leben, ich fühlte mich wie eine Diva und war unausstehlich“, gibt Sala zu und muss schelmisch lachen. Der junge Sala tourte quer durch Europa, war ein gefragter Tänzer, „zu jener Zeit, gab es nicht so viele männliche Tänzer“, erklärt er seinen rapiden Erfolg, der viele Stationen hatte: Er gründete und leitete in Amsterdam seine eigene Tanzkompanie, in Spanien trat er als Flamencotänzer auf, und erlernte dann die Kunst des Puppenspielens. Seine Inszenierungen für’s Puppentheater waren berührend wie ergreifend und er brachte seine Puppen zum Tanzen.

„Darf nicht glauben, dass man der Beste ist“

Sala blickt auf ein mehr als bewegtes Leben, bewegt im wahrsten Sinn des Wortes. Viele seiner Schülerinnen und Schüler, die er im Tanz ausbildete, machten eine Weltkarriere. 1989 kam er nach Baden und mischte auch hier kräftig im künstlerischen Leben mit. In den letzten Jahren zieht sich Sala aber langsam aus allen seinen Positionen zurück: Seine Puppensammlung, mit der er als Puppenspieler arbeitete, hat er kürzlich erst Antonia Petz übergeben, die das Puppentheater in Schönbrunn leitet.

„Arg ist es schon, wenn man seine Kinder hergibt“, gibt Sala mit einem weinenden Auge zu. Aber seine Puppen sind in guten Händen und haben wieder eine Bühne gefunden: „Man soll nicht so ehrgeizig sein und glauben, dass man der Beste ist“, reflektiert sich Sala selbst und seinen Rückzug, den er sich mit seinen 78 Jahren wohl verdient hat: „Ich bin ein alter Sack geworden, aber ich kann immer noch lachen und den Humor habe ich mir behalten können.“

Aber ein Sala kann halt doch nicht Ruhe geben, immer noch juckt ihn das Leben, immer noch will er weg, raus in die Welt „ich will immer weg, egal wo ich bin“, sagt er, muss aber lachen, weil in Baden fühle er sich doch sehr wohl – und er wird wohl bleiben. Zwei Jahre quartierte er sich sogar schon im Seniorenheim ein, im Künstlerheim, ging dann aber doch wieder zurück in seine eigene Wohnung. Die Zeit war noch nicht reif genug für’s Seniorenheim, er ist einfach noch zu jung, für all die Dinge, die man in seinem Alter tun, bzw. nicht mehr tun sollte.

Die Arbeit an dem Film war da genau die richtige Aufregung für Sala. Er reiste mit einem Filmteam nach Madrid, kehrte an jene Orte zurück, wo er als Flamencotänzer war, dann ging es nach Holland, wo er mental in seine Kindheit und Jugend zurückkehrte, die nicht immer die beste und leichteste war, „ich weiß noch was Hunger ist, wir waren ausgebombt“, erinnert er sich an gute und schlechte Zeiten, die jetzt filmisch festgehalten sind.