Erstellt am 08. Dezember 2015, 04:08

von Stefan Jedlicka

Först: „Ich gehe mit großer Genugtuung“. Grünen-Mandatar Herbert Först tritt nach 16 Jahren zurück, bleibt jedoch Vorstandsmitglied.

Herbert Först war Stadtrat und Gemeinderat der Grünen.  |  NOEN, NÖN

Im Jahr 1999 war AHS-Professor Herbert Först der Grünen-Gruppe um Fritz Zaun und Peter Altendorfer beigetreten. Mit den beiden zog er ein Jahr später auch in den Gemeinderat ein. Grüne Ideale hatte Först schon lang davor vertreten. 1988 gründete er den Badener Weltladen, Anlass für sein politisches Engagement sei schließlich Jörg Haiders Wahlsieg gewesen, erinnert er sich zurück. „Da dachte ich mir, du musst selbst aktiv werden.“

In die erste Reihe habe es ihn jedoch nie gezogen. Auch nicht nach dem Rücktritt Altendorfers als Helga Krismer die Grüne Spitze übernahm. „Ich habe ihre Dynamik und Entschlossenheit gesehen. Etwas, das ich in dieser Form nie hätte bringen können“, sagt er ganz offen. Es folgten „zehn karge Jahre in der Opposition mit vielen Ideen aber keiner Möglichkeit, sie umzusetzen“. Erst der Verlust der absoluten Mehrheit der ÖVP eröffnete 2010 die Chance, mitzuregieren. „Seither ist vieles in den Bereichen Klimaschutz und Ökologie realisiert worden, worauf ich stolz bin“, betont Först: „Ich gehe deshalb jetzt mit großer Genugtuung.“

Der Zeitpunkt sei nach 16 Jahren Gemeindepolitik gekommen, sich mehr private Freiräume zu schaffen, begründert Herbert Först seinen Rückzug. Vor allem der Wunsch, mit Gattin Karin längere Reisen zu unternehmen, habe ihn dazu bewogen. „Durch Gemeinderatssitzungen und Ausschüsse gab es diese Möglichkeit bislang nicht. Aber ich bin im 68. Lebensjahr und will über meine Lebenszeit irgendwann einmal freier verfügen können.“

Schon vor der Gemeinderatswahl 2015 hatte es Gerüchte über seinen Rückzug gegeben. „Ich wollte aber bewusst noch einmal antreten, um mithelfen zu können, den Weg, den wir begonnen haben, abzusichern.“ Denn er hofft: „Nach dem Ende der Funktionsperiode 2020 wird es nicht mehr so leicht möglich sein, unsere Errungenschaften einfach wieder rückgängig zu machen.“ So etwa das Klima- und Energiereferat, das die Grünen im Rathaus etabliert haben. Aber auch das Elektro-Carsharing-Projekt bea, das er maßgeblich mit initiiert hat. Und auch selbst nützt. „Als Alternative zu unserem familieninternen Carsharing mit der Familie meines Sohnes“, wie er berichtet.

Ökologische Vision für die Kurstadt

Dass die Grünen beim Urnengang 2015 kein Mandat hinzugewinnen konnte, habe ich enttäuscht. „Leider wurden die Erfolge nicht honoriert.“ Först wird aber auch weiterhin im Vorstand der Grünen Bezirksgruppe aktiv sein, die sich in den letzten Jahren doch gewandelt habe. „Am Anfang standen Aktionen im Mittelpunkt, um uns in Baden zu etablieren.“ Radbörse oder Literaturherbst wurden gegründet. „Ich habe auch mit dazu beigetragen, die politisch stark links orientierte Gruppe in eine bürgerliche Richtung zu öffnen“, ist Först überzeugt. Seit 2010 fließe mehr Energie in die Regierungsarbeit im Rathaus, sagt er. „Trockene, politische Arbeit, die uns aber eben ermöglicht hat, unsere Ideen umzusetzen.“

Nicht gelungen sei ihm, eine generelle „ökologische Richtlinie“ für Beschaffungen im Rathaus durchzusetzen. Und als Vision für Baden wünsche er sich eine Veränderung des Mobilitätsverhaltens. „Vor allem als Kurstadt wäre es nachhaltig, wenn der Gast hier mit dem Zug ankommen und dann mit Elektrofahrzeugen unterwegs sein könnte. Mit Fahrrädern und Autos. Das würde auch die Parkplatz-Situation entspannen.“