Erstellt am 11. Januar 2016, 11:03

von Stefan Jedlicka

„Helenenheim“ wird Flüchtlingsquartier. Diakonie wird rund 200 Flüchtlinge im ehemaligen Landespflegeheim in der Wiener Straße betreuen.

Das ehemalige Landespflegeheim in der Wiener Straße wird nun zur Unterkunft für rund 200 Flüchtlinge, die hier von der Diakonie betreut werden sollen.  |  NOEN, Stefan Jedlicka

Die NÖN hatte es bereits im November berichtet. Jetzt ist es offiziell. Das ehemalige Landespflegeheim in der Wiener Straße wird zu einem Quartier für Flüchtlinge umfunktioniert. Die Diakonie Österreich hat die Betreuung übernommen und bereits mit den Vorbereitungsarbeiten im Helenenheim begonnen.

Rund 200 Personen will der Flüchtlingsdienst der Diakonie ein neues Zuhause geben. Das Land NÖ als Eigentümer soll dazu am Dienstag mit einem entsprechenden Landtagsbeschluss grünes Licht geben. Eröffnet wird das Haus voraussichtlich am 1. Februar. Es soll im Andenken an den 2015 verstorbenen evangelischen Superintendenten von Niederösterreich „Paul Weiland Haus“ heißen, betont Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich.

Die Flüchtlinge, die in kleinen Gruppen in den Monaten Februar und März einziehen werden, sind im Haus in vier Trakten untergebracht. Unter ihnen sollen auch Menschen mit besonderem medizinischen Betreuungsbedarf sein. „Insbesondere für ihre Bedürfnisse ist das Haus baulich besonders gut geeignet“, ist Chalupka überzeugt. Außerdem werden im Paul Weiland Haus Familien und unbegleitete minderjährige Flüchtlinge ein Zuhause finden.

Betreuer-Team ist bereits ausgewählt

Ein Team von zwei Psychologen, zwei diplomierten Krankenpflegern, sieben Sozialberatern und sechs Betreuern für Nacht- und Wochenenddienste, wird von einem Haustechniker und einer Administrationskraft unterstützt und von Claire Ulbrich geleitet. „An 365 Tagen im Jahr stehen wir den Bewohnern des Hauses und der Bevölkerung von Baden rund um die Uhr als Ansprechpartner zur Verfügung“, versichert Ulbrich.

„Das Betreuungskonzept bringt Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen zusammen und schafft ein Miteinander im Haus, zu dem jede Bewohnerin und jeder Bewohner etwas beiträgt“, berichtet sie über das Konzept. „In den Familien können die unbegleiteten Minderjährigen Geborgenheit finden, während sie gleichzeitig Bewohnern mit Mobilitätseinschränkungen bei der Bewältigung des Alltags helfen.“ Zu dieser Hausgemeinschaft seien auch Nachbarn und andere Bewohner Badens willkommen, so Ulbrich.
Die Diakonie verfügt über fast 30 Jahre Erfahrung in der Betreuung von Menschen mit Fluchtgeschichte. In NÖ führt man drei weitere Quartiere für minderjährige Flüchtlinge.

REAKTIONEN

„Es ist ein wichtiges Projekt, das Menschen, die Hilfe brauchen, integrieren hilft. Denn das ist in kleineren Einheiten sicher besser möglich als in Massenlagern. Die Diakonie ist ein guter Partner, weil sie viel Erfahrung in der Flüchtlingsbetreuung mitbringt.“
Stadtrat Markus Riedmayer (SPÖ)

„Angesichts des Drucks, Obdach für Flüchtlinge zu schaffen, war es eine gute Entscheidung des Landes, das ehemalige Heim als Quartier zur Verfügung zu stellen. Es war uns als Stadtregierung aber wichtig, einen erfahrenen Betreiber dafür zu finden und wir haben daher die Diakonie vorgeschlagen. Es hat einige Monate gedauert, aber jetzt sind die Verträge fertig und Baden erfüllt damit die gesetzliche Quote.“
Vizebürgermeisterin Helga Krismer (Grüne)

„In Baden werden bereits rund 300 Flüchtlinge in verschiedenen Quartieren betreut. Einerseits im „Haus der Frauen“ im Johannesbad, aber auch von Privatpersonen. Mit diesem neuen Projekt erreichen wir die gesetzliche Quote. Die Lösung im Helenenheim ist auf vier Jahre befristet. Danach wird das Land das Grundstück verkaufen.“
Bürgermeister Kurt Staska (ÖVP)

„Wir sind prinzipiell dagegen, noch weitere Flüchtlinge in Baden unterzubringen. Wir haben im Bezirk schon Traiskirchen, außerdem auch Lager in Leobersdorf und im Helenental und das „Haus der Frauen“ in Baden. Und die Stadt hat jetzt auch, anders als beim Johannesbad, kein Mitspracherecht, welche Flüchtlinge im Helenenheim untergebracht werden.“
Gemeinderätin Sonja Haberhauer (FPÖ)

„Leider hat es die ÖVP verabsäumt, den Vorschlag der Bürgerliste aufzugreifen und auf dem Areal Helenenheim mit Hilfe des Landes und eines Bauträgers günstige Startwohnungen für Junge und leistbares betreutes Wohnen zu errichten.“
Stadtrat Jowi Trenner (Bürgerliste „wir badener“)