Erstellt am 12. Januar 2016, 05:33

von Stefan Jedlicka

„Hunger trieb uns“. Hausbesitzerin ertappte zwei Serben bei einem Dämmerungseinbruch in Baden: Der Schmuck ist trotzdem weg.

Auf der Suche nach Arbeit seien sie im Herbst 2015 nach Österreich gekommen, beteuerten ein 42-jähriger Bäcker und ein 63-jähriger Fleischhauer aus Serbien auf der Anklagebank am Landesgericht Wiener Neustadt. Die Lage in ihrer Heimat schien aussichtslos. Doch sie hätten keinen Job gefunden, das Geld sei ausgegangen, also habe man an einem herbstlichen Abend den Einbruch in ein Einfamilienhaus in Baden ins Auge gefasst. So zumindest die Version der beiden vor Richter Gerald Grafl.

„Der Hunger hat uns dazu getrieben die Tat zu verüben. Wir sind durch diese Stadt gefahren und haben gesehen, als die Frau mit dem Auto weggefahren ist. Da habe ich meinen Freund gebeten anzuhalten, bin aus dem Auto gestiegen und über den Zaun gesprungen“, so der 42-Jährige. Nachdem er zunächst erfolglos versucht hatte, mit einem Schraubenzieher die Türe zu öffnen, nahm er einen Stein zur Hand und schlug damit ein Fenster ein.

Hausbesitzerin kurz weggefahren

Durch dieses stiegen die beiden Männer ein und nahmen Schmuck im Wert von 2.900 Euro. Womit sie allerdings nicht gerechnet hatten: die Hausbesitzerin war nur kurz weggefahren. Als sie zurückkam, ertappte sie die Männer, die schleunigst das Weite suchen. Den Schmuck wollen sie auf der Flucht weggeworfen haben. Von ihm fehlt seither jede Spur.

„Sie können kein Deutsch? Wie hätten Sie hier Arbeit finden wollen?“ fragte Richter Grafl die beiden skeptisch. Diese meinten, via Dolmetsch, sie hätten gedacht, das „ginge schon irgendwie“. Diese Antwort genügte Richter Grafl nicht: „Wenn Sie so einen Hunger hatten, wieso haben Sie dann nicht einfach im Supermarkt eine Wurstsemmel gestohlen, was natürlich auch nicht in Ordnung gewesen wäre?“ Die beiden zuckten mit den Schultern.
12 Monate bedingt lautete schließlich das – noch nicht rechtskräftige – Urteil.