Erstellt am 17. März 2016, 05:54

von Tina Jedlicka

"Ich war wie erstarrt". Krankenschwester wurde im Herbst auf dem Weg ins Badener Spital überfallen:Sie leidet noch heute an den Folgen dieses Morgens. Der Täter wurde jetzt verurteilt.

 |  NOEN, APA (Archiv)

So wie an jedem anderen Arbeitstag auch war eine Krankenschwester aus dem Bezirk Neunkirchen an diesem 26. November 2015 um halb sechs Uhr morgens am Bahnhof Baden aus dem Zug gestiegen, um zu Fuß den Weg zu ihrem Arbeitsplatz im Landesklinikum anzutreten. Sie hörte Schritte hinter sich.

„Zuerst habe ich mich nicht darüber gewundert, weil ein Supermarkt am Weg liegt und einige Mitarbeiter dieselbe Strecke gehen“, erinnerte sich die Frau im Zeugenstand am Landesgericht Wiener Neustadt an den besagten Morgen. Doch die Schritte verstummten auch nicht, nachdem sie den Supermarkt passiert hatte. Ein „ungutes Gefühl“ überkam sie. Sie drehte sich um.

Räuber versetzte Frau Schläge ins Gesicht

„Genau in diesem Moment griff jemand nach meiner Handtasche“, erzählte die Frau. Sie habe aus Leibeskräften geschrien. „Ich sah sein Gesicht nicht genau, nur, dass er ein südländischer Typ war“, schilderte sie. Seine Kleidung, Statur und seine markante Umhängetasche habe sie sich eingeprägt. „Ich war wie erstarrt und gab meine Tasche nicht her, ich glaube, das war der Schock. Er hat mich ins Gesicht geschlagen“, meinte die Frau mit zittriger Stimme. Sie habe nur mehr daran gedacht, dass sie ihre Kinder hinterlasse.

Gerade da kam Rettung: Eine Straßenreinigungsmaschine. Der Lenker eilte ihr zu Hilfe, sie verständigten die Polizei. Der Täter war sowohl am Bahnhof als auch von zwei Kameras, eine davon vor einem Hotel, gefilmt worden. In der Badner Bahn klickten die Handschellen. Der algerische Asylwerber wurde dem Opfer gegenüber gestellt. Die Frau erkannte ihn, wenn auch nicht sein Gesicht, das sie nie gesehen hatte, wieder.

Wegen versuchten Raubes musste sich der 36-Jährige nun am Landesgericht Wiener Neustadt verantworten. Der Asylwerber stritt die Tat vehement ab. Sein Anwalt beantragte einen Freispruch. Der Beschuldigte widersprach sich in seiner Verantwortung allerdings mehrmals, wie das Gericht feststellte.

21 Monate Haft: Mann nahm das Urteil an

Der Schöffensenat glaubte daher der Aussage des Opfers und verurteilte den Angeklagten zu 21 Monaten Haft wegen versuchten Raubes. Er nahm das Urteil an. Die Staatsanwaltschaft bat um Bedenkzeit, das Urteil ist daher noch nicht rechtskräftig.