Erstellt am 20. Januar 2016, 05:38

von Stefan Jedlicka

Immer mehr wollen einen Job in Baden. Wirtschaftswachstum weiter verhalten, Angebot an Arbeitskräften steigt aber kräftig. AMS setzt auf Qualifizierung.

Claudia Schweiger ist Leiterin des Arbeitsmarktservice Baden.  |  NOEN, DIETMAR HOLZINGER

Schwaches Wirtschaftswachstum, mehr Beschäftigte, aber trotzdem auch mehr Arbeitslose werden 2016 den Badener Arbeitsmarkt prägen. „Die internationalen Rahmenbedingungen sind unvorteilhaft. Dieses Szenario wird uns ziemlich wahrscheinlich bis ins Jahr 2019 begleiten“, fürchtet Claudia Schweiger, Leiterin des Arbeitsmarktservice (AMS) Baden.

Die Zahl der Jobsuchenden werde auf einen historischen Höchstwert klettern, ist sie überzeugt. „Die Ressourcen des AMS werden mit den Herausforderungen allerdings nicht im selben Umfang mitwachsen. Da wir mehr Jobsuchende betreuen werden als je zuvor, müssen wir beim Einsatz der budgetären Mittel klare Prioritäten setzen“, bittet sie schon jetzt um Verständnis: „Es wird daher vorkommen, dass wir durchaus berechtigte Anliegen nicht oder nur bedingt umsetzen können.“

Und Schweiger betont wie schon in den vergangenen Jahren: Qualifikation ist der Schlüssel zum Arbeitsmarkt. Neue Jobs seien vor allem im Segment der einfachen Tätigkeiten Mangelware. „Damit steigt der Druck auf Personen mit geringer Qualifikation oder einer Ausbildung bis maximal Pflichtschulniveau. Für diese Personen werden die Jobangebote zunehmend rarer. Hinzukommen Asylberechtigte, die freien Zugang zum Arbeitsmarkt haben und sich eine wirtschaftliche Existenz aufbauen werden.“ Die Konkurrenz nehme durch „mobile Arbeitskräfte aus der EU“ weiter zu.

„Nichttraditionelle“ Berufe für Frauen

„Wir haben seit letztem Jahr das Aus- und Weiterbildungsangebot bei persönlichkeitsbildenden Kursen zu Gunsten von fachlichen Qualifizierungen um rund ein Drittel zurückgefahren“, so Schweiger: „Das AMS wird 2016 ein hochwertiges Programm an fachlichen Qualifizierungen mit Lehrabschluss bzw. anderen höherwertigen Ausbildungszielen anbieten.“ 1.200 Frauen bekommen im Rahmen eines eigenen Programmes die Gelegenheit, Berufe in sogenannten „Männerdomänen“ kennenzulernen. Nichttraditionelle Lehrberufe und Facharbeiterinnenausbildung in den Bereichen Betriebslogistik, Gartengestaltung und Speditionskauffrau werden gefördert.

Eine Integration von Asylberechtigten in den Arbeitsmarkt sei ebenfalls Schwerpunkt, so Schweiger, die allerdings klarstellt: das Beherrschen der deutschen Sprache ist dafür Voraussetzung. Das AMS hält in NÖ in diesem Jahr knapp 3.000 Deutschkursplätze mit unterschiedlichen Niveaus bereit. Das Land NÖ finanziert. Wenn die ersten sprachlichen Barrieren überwunden sind, wird das AMS Kompetenzchecks durchführen.