Baden

Update am 24. April 2017, 15:34

von Redaktion noen.at

Mahnmal für Opfer des Nationalsozialismus eröffnet. Am Josefsplatz in Baden wurde am Sonntag das Mahnmal „Counterpoles/Widerstäbe“ eröffnet, das an die Opfer des Nationalsozialismus in der Stadtgemeinde erinnert.

Sonja Pohl

Im Zuge des Festaktes sprachen neben Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Elie Rosen, Präsident der Jüdischen Gemeinde Baden, auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bürgermeister Stefan Sziruczek zu den Festgästen. Moderiert wurde die Veranstaltung von Barbara Rett, umrahmt wurde die Veranstaltung von dem Tonkünstler Martin Först.

Mahnmal in Baden  |  Fussi

"Friede und Freiheit keine Selbstverständlichkeit"

Die Europäische Union sei seit sechzig Jahren ein erfolgreiches Friedensprojekt, so die Landeshauptfrau. Doch schon ein Blick über die Grenzen zeige, dass es nach wie vor viele Kriegsherde und Unruhen auf der ganzen Welt gebe. Mikl-Leitner: „Das beweist, Wohlstand, Stabilität, Friede und Freiheit sind keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Gut, das wir jeden Tag aufs Neue schätzen und schützen müssen.“

„Nur wer die Geschichte kennt, kann sie verstehen, und kann aus der Geschichte lernen und Lehren ziehen. Mahnmale verbinden somit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander. Sie sollen zur dauernden Auseinandersetzung mit der Geschichte animieren“, hob Mikl-Leitner hervor. Dieses Kunstwerk lade zum Dialog ein und rege zum gesellschaftlichen Diskurs an, betonte sie.

Sonja Pohl

Auch wenn der Blick zurück nicht immer ein einfacher sei, „wir in Niederösterreich und wir in dieser Republik pflegen diese Erinnerungskultur“, hielt die Landeshauptfrau fest. „Wir sind den Zeitzeugen und den Opfern verpflichtet, diese Geschichte weiter zu tragen.“

Mahnmal in Baden  |  Fussi

Niederösterreich sei ein Ort für Völkerverständigung, wo man sich intensiv mit unterschiedlichen Religionen beschäftige, Niederösterreich sei aber auch ein Ort mit aktiver jüdischer Tradition, erinnerte sie an die Ausstellung auf der Schallaburg und daran, dass sich in der Stadt Baden die einzige aktive Synagoge Niederösterreichs befinde, welche im Jahr 2005 auch mit Hilfe des Landes revitalisiert werden konnte. „Nur wenn wir uns mit der Vergangenheit bewusst auseinandersetzen, können wir richtige Entscheidungen auf dem Weg nach vorne setzen“, so die Landeshauptfrau.

"Alle Menschen an Recht und Würde gleich"

Bundespräsident Van der Bellen erinnerte daran, dass die allgemeine Erklärung der Menschenrechte besage, dass alle Menschen an Recht und Würde gleich seien. „Wir müssen darauf achten, dass sich die Geschichte nicht wiederholt.“ Er sprach allen seinen Dank und seine Anerkennung aus, die an der Verwirklichung dieses Denkmals beteiligt waren.

Elie Rosen, Präsident der Jüdischen Gemeinde Baden, meinte: „Das Mahnmal soll nicht nur an die schrecklichen Ereignisse vor 70 Jahren erinnern, sondern auch daran, dass Baden einmal die zweit-oder drittgrößte jüdische Gemeinde in Österreich war. Erst der Wille des offiziellen Österreichs machte es möglich, die Geschichte aufzuarbeiten.“

Sonja Pohl

Bürgermeister Sziruczek sagte, dass die Initiative zur Errichtung dieses Mahnmales  wesentlich von der Zivilgesellschaft ausgegangen sei, Vertreterinnen und Vertreter von Opfergruppen, die politischen Parteien etc. hätten die Umsetzung dieses Kunstwerks in die Wege geleitet (die gesamte Rede weiter unten).

Zum Projekt

Im Jahr 2014 setzte die Stadtgemeinde Baden eine Arbeitsgruppe ein, dessen Ziel die Errichtung eines Holocaust-Mahnmals für die Opfer des Nationalsozialismus in Baden war. Als Siegerprojekt des Wettbewerbs ging die Kunstinstallation „Counterpoles / Widerstäbe“ von Peter Kozek hervor. An einem der meist frequentierten Orte in Baden, zwischen Arnulf Rainer Museum und der Endstation der Badner Bahn gelegen, wurde Peter Kozeks Arbeit auf rund 1.300 Quadratmetern errichtet.

NLK Reinberger

Kozeks Projekt sieht eine Anordnung von 36 Metallstäben vor, die sich in unterschiedlichen Winkeln aus dem Boden aufrichten. Die Stäbe wirken scheinbar zufällig und unsystematisch auf der Grundfläche verteilt. Der Komposition liegt jedoch ein präzise erdachtes Ordnungsprinzip zugrunde: Der Künstler hat einen über dem Platz schwebenden Davidstern imaginiert, der zur Badener Synagoge hin ausgerichtet ist.

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