Baden , Mödling

Erstellt am 19. Oktober 2016, 05:12

von Tina Jedlicka

Badener stellt Randalierer. Große Klappe im Zug, Tränen vor Gericht: Mödlinger (32) mit Hitler-Gruß. Badener Johann Stockinger zeigte Zivilcourage.

Der Badener Johann Stockinger zeigte Zivilcourage.  |  NÖN

Der Zug nach Wien war vollbesetzt. Eine Schülergruppe, Mütter mit Kindern, Studenten befanden sich am 21. Juni in der Bahn, als in Mödling ein 32-Jähriger zustieg. Er pöbelte südländisch aussehende Fahrgäste an, brüllte „Heil Hitler“ und schlug um sich. Die Schulgruppe verließ fluchtartig das Abteil. Die Menschen im Zug waren geschockt. Der Badener Johann Stockinger, der gerade auf dem Weg zur Arbeit war, sah nicht nur zu, sondern stellte sich ihm in den Weg. Der 32-Jährige antwortete mit Drohungen, ordinären und nationalsozialistischen Beschimpfungen. Am Dienstag musste er sich wegen mehrerer Straftaten, unter anderem wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz, vor einem Geschworenensenat verantworten.

„Er kann sich an den Vorfall nur teilweise erinnern, weil er Drogen und Alkohol konsumiert hatte“, meinte sein Anwalt. Der Angeklagte erzählte seine Lebensgeschichte, er habe ein Drogenproblem, sein Vorstrafenregister ist dick. Keine Therapie sei erfolgreich gewesen. Ob er mit Ausländern ein Problem habe, wurde er gefragt. Schließlich hat er bereits eine Vorstrafe wegen Verstoßes gegen das Verbotsgesetz und eine markante Tätowierung.

Prozess wurde vertagt

„Meine Oma muss im Sozialmarkt einkaufen, weil sie Mindestrentnerin ist und ein Ausländer fährt mit dem Mercedes vor und regt sich auf, wenn sein Joghurt abgelaufen ist“, antwortete er. Da platzte der Richterin der Kragen: „Sie haben gesagt, dass sie seit Jahren arbeitslos sind und zig Entziehungstherapien gemacht haben. Glauben Sie, dass die gratis sind? Die zahlt der Steuerzahler.“

Johann Stockinger erinnerte sich als Zeuge an den Vorfall im Zug. „Als ich das laute ‚Heil Hitler‘ gehört habe, habe ich meine Kamera gezückt und den Mann fotografiert. Er hat mich aufgefordert, die Fotos zu löschen“, so der Badener. Dieser weigerte sich, ein Wortgefecht folgte. „Ich weiß nicht, ob ich richtig reagiert habe, ich habe einfach versucht, ihn zu beschäftigen.“ Der Prozess wurde zur Einholung eines Gutachtens vertagt.