Erstellt am 15. Dezember 2015, 05:13

von Stefan Jedlicka

Sanierung statt Neubau. Bürgerliste „wir badener“ kritisiert Tempo der Stadtregierung und drängt auf Neubau der Brücke. Dieser sei teurer und werde vom Denkmalamt verhindert, sagt ÖVP.

Die Mitglieder des Bauausschusses der Stadt um Vorsitzenden Rudolf Gehrer (l.) auf der Löwenbrücke. Die Sanierung sei günstiger als ein Neubau, gegen den auch das Bundesdenkmalamt Einspruch erhebe, so Gehrer.  |  NOEN, Foto: Sonja Pohl

Die „Löwenbrücke“ bleibt Baustelle. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinn. Denn während das sanierungsbedürftige Bauwerk weiterhin nur einspurig befahrbar ist, liefern sich ÖVP und Bürgerliste einen Schlagabtausch um die weitere Vorgangsweise.

Seit dem heurigen Sommer ist die Verbindung vom Josefsplatz zur Vöslauerstraße über die Schwechat gesperrt. Zweitweise komplett, zeitweise einspurig. Gemeinderat Wolfgang Pristou (Bürgerliste) ärgert sich: „Jetzt schreiben wir Mitte Dezember und die Stadtregierung, die sich gerne hinter dem Denkmalschutz versteckt, ist noch immer ratlos.“

Im Gemeinderat am 29. September war ein Statiker mit der Ausarbeitung eines Sanierungskonzeptes beauftragt worden. „Bis dato liegt weder das Konzept noch eine Kostenschätzung vor. Das bedeutet, dass frühestens in der Gemeinderatssitzung im März 2016 Aufträge beschlossen werden. Was im Klartext heißt, dass die Brücke voraussichtlich erst im Herbst 2016 wieder voll zur Verfügung stünde. Eine Schande für die Bezirkshauptstadt Baden.“

Und Pristou ist überzeugt: „Eine neue Brücke mit Wiederanbringung aller historischen Verschönerungselemente könnte in einem halben Jahr stehen. Und sie würde optisch genauso aussehen wie die alte.“ Er habe von einer Großbaufirma eine Kostenschätzung für einen Neubau erhalten. Eine neue Brücke wäre tragfähiger, hätte eine höhere Lebensdauer und wesentlich geringere Wartungskosten in der Zukunft. Auch Bürgerlisten-Stadtrat August Breininger pflichtet bei: „Die Löwenbrücke muss Priorität vor allen anderen Projekten haben.“ Sein Vergleich: „Das Strandbad als größtes Bauprojekt der Stadtgeschichte war in 80 Tagen abgeschlossen.“

„Denkmalschutz macht Neubau unmöglich“

VP-Klubchef Rudolf Gehrer, Vorsitzender des Bauausschusses, versichert, die Stadt prüfe alle Sanierungsvarianten sowie deren Kosten. „Zur Diskussion stand sowohl ein kompletter Neubau als auch die Fortsetzung der in laufenden Reparaturarbeiten, um die aus dem Jahr 1429 stammende Infrastruktur zu erhalten“, so Gehrer.

„Eine wesentliche Einschränkung erfolgte durch den inzwischen vom Bundesdenkmalamt verhängten Denkmalschutz, der die Abtragung und den Neubau der Brücke unmöglich macht“, sagt der Baustadtrat. Das von Pristou vorgelegte Angebot über 700.000 Euro für den Neubau sei um rund 70.000 Euro teurer als die von der Stadt eingeholte Kostenschätzung. Vor allem angesichts der bereits investierten 350.000 Euro sei die Fortsetzung der Sanierung um rund 185.000 Euro günstiger als ein Neubau.

So koste die Sanierung laut Schätzung rund 828.000 Euro, der Neubau einer Stahlbetonbrücke 912.000 Euro, der Neubau einer Stahlbrücke 1,14 Millionen Euro. Gehrer: „Ein Neubau würde zwar die Wartungskosten senken, er lässt sich aber nicht mit den Vorgaben des Denkmalschutzes vereinbaren“. Die Arbeiten könnten im März im Gemeinderat beschlossen und die Brückensanierung im Frühjahr abgeschlossen werden.