Erstellt am 01. März 2016, 05:49

„Shoppingmeile“ für Wassergasse?. Auf 8.000 Quadratmetern soll Untere Wassergasse auch neue Großbetriebe anlocken.

Die Fußgängerzone in der unteren Wassergasse. Der gesamte Bereich rechts bis zur Hausnummer 25 (Firma Wegschaider) könnte im neuen Entwicklungskonzept zusammengefasst werden.  |  NOEN, Jedlicka
Seit vielen Jahren schon bereitet die Belebung der unteren Wassergasse der städtischen Wirtschaftspolitik Kopfzerbrechen. Mehrere Versuche wurden gestartet, um die mäßige Frequenz der Einkaufsstraße zu erhöhen. Der Erfolg war gering. Nun könnte ein Riesen-Projekt den Durchbruch bringen. Auf 8.000 Quadratmetern sollen zusammenhängende Geschäftsflächen entstehen, die auch große Frequenzbringer anziehen. Inklusive Tiefgarage.

Federführend dabei: ÖVP-Wirtschaftsstadträtin Carmen Jeitler-Cincelli und Immobilienentwickler Philipp Braunsberger, der bereits in Tulln mit dem Innenstadt-Einkaufszentrum „Rosenarcade“ Erfolg hatte. Konkret könnten nun in Baden in einem Schwung über 8.000 Quadratmeter Fläche zwischen Bahngasse/Strasserngasse und der unteren Wassergasse entwickelt werden.

Bestehendes Ensemble bleibt erhalten

„Das Areal reicht vom A1-Partner Türkott am Ende der Bahngasse (der gerade auf den Kaiser Franz Josefsring 18 umsiedelt), über die Pizerria Torino an der Ecke bis zur Wassergasse 25 (Firma Wegschaider) und zur parallel der Wassergasse verlaufenden Strasserngasse“, erläutern Jeitler-Cincelli und Braunsberger. Und die beiden konnten mit ihrer Entwicklungsstrategie bislang schon viele der betroffenen Hausherren und Betriebe begeistern.

x  |  NOEN, Foto: Google Earth/NÖN
Konkrete Vertragsabschlüsse fehlen aber noch. „Das Unternehmen Braunsberger ist auch Investor für das Projekt“, stellen sie klar. Ihr Ziel: größere Einheiten schaffen, die auch große Handelsketten, vom Elektrofachhandel bis hin zu Textilbranche, interessieren.

„Lediglich 20 Prozent der über den Geschäftsflächen liegenden Bereiche werden für Wohnzwecke genutzt“, sieht Jeitler-Cincelli auch darin Potenzial. Geplant ist nicht, sämtliche Häuser durch eine Shopping-Mall zu ersetzen, sondern die historischen Fassaden zu erhalten und die Bauten auf den rund zehn Grundstücken – soweit möglich – im Inneren miteinander zu verbinden. Via Bahngasse oder Strasserngasse soll außerdem eine Tiefgarage entstehen, für Kunden und Anrainer. Als weitere Maßnahme zur Frequenzsteigerung soll die Aufenthaltsqualität in der Wassergasse gehoben werden. „Beispielsweise indem das Thema Wasser mehr Raum erhält“, meint Jeitler-Cincelli.

Tiefgarage mit rund 200 Stellflächen

„Badens Stadtentwicklungskonzept 2031 spielt uns dabei in die Hände. Die Entwicklung der unteren Wassergasse wurde auch in diesem Prozess als notwendig erachtet, womit auch das Land NÖ Partner des Vorhabens ist.“ Nur eine große weiße Fläche gebe es im Entwicklungskonzept: „Das Areal Wassergasse 31, das der Arbeiterkammer und SPÖ gehört“, hoffen Braunsberger und die Wirtschaftsstadträtin auf ein entsprechendes Einvernehmen.

„Wir wollen niemanden absiedeln, sondern sie einbinden. Bislang gab es leider keine Möglichkeit, unsere Pläne vorzustellen, um die Entscheidungsträger ins Boot zu holen. Gerne würden wir auch die von SPÖ und Arbeiterkammer genutzten Büros und Veranstaltungsbereiche in das Gesamtkonzept einbinden“, hoffen sie auf einen baldigen Gesprächstermin.

„Bei Einigung könnten Detailverhandlungen mit den Grundstückseigentümern starten, danach die notwendigen Genehmigungen innerhalb eines Jahres eingeholt und die untere Wassergasse nach weiteren eineinhalb Jahren Bauzeit als Unternehmer-Hotspot wiedereröffnet werden“, sind sie überzeugt.

SPÖ-Stadtparteivorsitzender Markus Riedmayer ist jedoch skeptisch. „Ich bin eingeladen, mir die Pläne anzuschauen und das werde ich tun. Aber ein Teil des Areals gehört der Arbeiterkammer, ein Teil dem Verein Volksheim im Bezirk Baden. Und beide haben, soviel ich weiß, andere Pläne.“

Zitate

„Das Ziel ist, nicht Geschäft für Geschäft zu denken, sonden ein großes Ganzes entstehen zu lassen.
Die Chancen dafür stehen derzeit so gut wie noch nie.“
Wirtschaftsstadträtin Carmen Jeitler-Cincelli (ÖVP)

„Oft werden derartige Projekte als Bedrohung von ansässigen Kaufleuten gesehen. Das Gegenteil ist der Fall: Wir haben endlich die Möglichkeit, dass die Badener Innenstadt im Bereich des Einkaufs aufholt. So werden wir uns gegen SCS und Fischapark behaupten - dies nützt damit der gesamten Innenstadt.“
Carmen Jeitler-Cincelli

„Das Feedback in den Gesprächen mit den Grundstückseigentümern war im Großen und Ganzen sehr positiv, wiewohl es noch keine finalen Vereinbarungen gibt.“
Philipp Braunsberger