Erstellt am 29. Januar 2016, 05:08

von Stefan Jedlicka

Volle Konzentration auf die Gesundheit. Hälfte aller Gäste in Baden aus Österreich. Deutschland hängt Russland ab und ist mit Polen neuer Hoffnungsmarkt 2016.

Rosen im Doblhoffpark, Rosarium, Baden bei Wien, Niederösterreich, Österreich  |  NOEN, Rainer Mirau
Mehr Ankünfte, mehr Nächtigungen. Badens Tourismus wächst, wenn auch nur in recht bescheidenem Ausmaß. Rund 1,2 Prozent Plus waren es im vergangenen Jahr. Insgesamt 381.015 Übernachtungen. Allerdings betrug das Plus im November sechs Prozent, im Dezember sogar 15. Trotz Wegbrechen der russischen Gäste, die aufgrund des Rubel-Verfalls weitgehend ausblieben.

Denn Baden hatte in den vergangenen Jahren verstärkt Touristen aus Russland gewonnen und seine Marketing-Bemühungen vermehrt in diesen vermeintlichen Zukunftsmarkt investiert. Doch die Wirtschaftskrise in Russland bescherte 2015 nun ein Minus von rund einem Drittel. Hauptaugenmerk will Tourismusdirektor Klaus Lorenz daher heuer auf Österreich und Deutschland legen. Die Hälfte aller Badener Gäste kommt aus dem eigenen Land, mehr als 15 Prozent aus Deutschland. Redaktionstouren und Einladungen an Journalisten und Blogger aus dem Nachbarland sollen für kostengünstige Werbung sorgen. Zentrales Thema dabei: die Gesundheit.

„Hier liegt Badens Kernkompetenz“, ist auch Bürgermeister Kurt Staska (ÖVP) überzeugt. Rund um dieses Thema wolle man Zusatzargumente für einen Besuch in der Stadt vermitteln: wie Garten, Wein, Genuss, Golf oder das Casino.

Schwerpunkt Garten aus Markenprozess

Tourismus-Stadträtin Erna Koprax (ÖVP) betont: „Im Bereich Gesundheit werden gemeinsam mit der Badener Tourismuswirtschaft neue Packages, die vorrangig in der Prävention angesiedelt sind, auf dem Markt positioniert.“ Und Lorenz stellt klar: „Alles ist auf die ,Marke Baden’ aufgebaut und die daraus abgeleiteten Empfehlungen.“

Als thematischer Schwerpunkt wird daher im ersten Halbjahr auf den Gartensommer NÖ, die Ausstellung „Gartenmanie der Habsburger“ im Kaiserhaus, die Badener Rosentage und weitere Veranstaltungen von April bis September gesetzt. „Denn das Thema Garten wurde sowohl von der Bevölkerung als auch von den touristischen Gästen in der Markenanalyse als eine der Hauptattraktivitäten der Stadt genannt und ist Symbol für die besondere Lebensqualität in Baden“, begründet Lorenz. Darüber hinaus werden der Weinherbst mit der erfolgreichen „Genussmeile“ und Beethoven mit dem Beethovenhaus oder der „Beethoven Klangwolke“ am 20. Mai im Kurpark sowie weiteren Konzertveranstaltungen positioniert.

Gemeinsam mit Wienerwald Tourismus setze man auf die Werbekampagne „Kurz mal Österreich“, die sich an 36,2 Millionen potenzielle Kurzurlauber in Bayern und Baden-Würtemberg richtet. Das Bündel an geplanten Marketingmaßnahmen umfasst TV-Berichte auf deutschsprachigen Reisesendern, Werbung auf einschlägigen Internetseiten.

„Eigentlich sind wir eine Reha-Stadt“

Auf Initiative des Tourismusdirektors wird mit der österreichweiten Marketinggruppe „Kleine Historische Städte“ und der Österreich Werbung eine Pressekonferenz in München am 4. Februar organisiert, in der Baden sich vor wesentlichen deutschen Medienvertretern präsentieren kann. Aber auch auf Messen und Reiseveranstalter-Workshops will man verstärkt präsent sein.

Als großen Hoffnungsmarkt 2016 sieht Lorenz Polen. Derzeit reisen polnische Gäste großteils nur durch Baden auf dem Weg in den Süden oder zum Schifahren in die Berge. Sie sollen künftig zu einem längeren Aufenthalt in der Kurstadt motiviert werden. Die Bezeichnung Kurstadt sei aufgrund der tatsächlichen Situation mittlerweile übrigens nicht mehr ganz richtig, scherzt Lorenz. „Denn eigentlich sind wir eine Reha-Stadt. Der Großteil der Patienten in den Einrichtungen der Sozialversicherungsanstalten ist hier zur Rehabilitation. Die klassische Kur ist hingegen weniger geworden“, begründet er.

Dass alle Sozialversicherungsträger ihre Häuser in Baden mittlerweile aufwändig renoviert haben, freut indes Bürgermeister Staska: „Denn das zeigt erstens, dass man an den Standor glaubt. Andererseits ermöglicht uns das langfristige Planung. Denn diese Gäste bleiben drei Wochen hier und haben Zeit, um auch Geld in der Stadt auszugeben.“