Erstellt am 18. Mai 2016, 05:44

von Sandra Sagmeister

Widerstand gegen Bau in Wassergasse. Die Plattform „Bürger Baden“ ist wieder aktiv, diesmal geht es um „Betreutes Wohnen“ in der unteren Wassergasse.

So sieht es momentan aus: Eine grüne Oase soll einem 5-stöckigen Bau weichen. Eine über 50-prozentige Verbauungsdichte widerspreche dem verhängten Baustopp der Gemeinde, meinen die Anrainer.  |  NOEN, Foto: Sagmeister
Anstoß des Unmutes: Ein mehrstöckiges Gebäude mit betreuten Wohneinheiten soll im Garten hinter der BILLA-Filiale in der Wassergasse entstehen. Dort gedeiht momentan noch ein kleines Garten-Paradies. Karl Zweymüller, Mitbegründer der Plattform „Bürger Baden“, greift den Protest eines der direkten Nachbarn, die Familie Bukovac, rund um den Architekten Stefan Bukovac, auf.

Vorige Woche war sogar eine Gruppe Wiener Studenten mit dem ehemaligen Direktor des Naturhistorischen Museums, Bernd Lötsch, vor Ort, um sich die Pläne anzusehen. Lötsch verlagerte die Vorlesung, ein stadtökologisches Seminar im Rahmen des Lehramtsstudiums Haushaltsökonomie und Ernährungswissenschaften, in den Außenraum, um das Thema Stadtökologie hautnah zu erleben. Anhand des geplanten Baus sollte den Studenten vermittelt werden, wie wichtig innerstädtische Grünflächen für ein funktionierendes Mikroklima sind.

„Oberstes Ziel einer Gemeinde sollte sein, dass man die bestehenden Baudichten ausbalanciert, und letzte Grünflächen erhält“, so Lötsch. Barbara Bukovac gab den Studenten einen Einblick in das grüne Paradies, das sich hinter den Fassaden verbirgt: „Hier gibt es Reiher, Turmfalken, Fledermäuse, Spechte und vieles mehr – und diese umschlossenen Grünräume sind eine besonders effiziente Klimanlage, weil die Verdunstungskühlung und die Lufterneuerung von umschlossenen Grünräumen eine sehr hochwertige ist“, so Lötsch.

„Das wird ein Schlupf für Dealer“

Sorgen bereitet Familie Bukovac auch der geplante Durchgang, der von der Wassergasse bis zum Josefsplatz führen soll. Man wolle ihn verhindern. Ein Teil des Weges neben dem Mühlbach gehört Stefan Bukovac, wenn er den Grund nicht abtrete, dann „ist der Weg eine Sackgasse und ein geeigneter Schlupf für Dealer“, spekuliert Zweymüller, der in seiner aktiven beruflichen Karriere Abteilungsvorstand im Orthopädischen Krankenhaus Gersthof war. Seit einigen Jahren setzt er sich für den Erhalt des Badener Stadtbildes ein.

Zweymüller bezweifelt auch die Einhaltung des verhängten Baustopps und der Verbauungsdichten, welche in der Innenstadt gelten solle: „Das ist ein eklatanter Verstoß gegen die bestehende Bausperre und die Vernichtung eines ganz wichtigen innerstädtischen Grünbezirkes“, meint er: „Die angrenzenden Gebäude verlieren an Wert. Wer will schon an einer 16 Meter hohen Feuermauer wohnen?“

Dem widerspricht jedoch Bürgermeister Kurt Staska (VP). „Das Projekt verstößt nicht gegen die Bausperre. Deren Sinn ist die kontrollierte Weiterentwicklung Badens und neue Bauvorhaben werden überprüft, ob sie unseren Zielen entsprechen. Wir werden aber ganz sicher keine Käseglocke über die Stadt legen und alles verhindern“, kontert Staska. „Wer das will, der schadet Baden.“