Erstellt am 02. Dezember 2015, 15:42

von Tina Jedlicka

Badener Polizist als Langfinger?. Als Beschuldigter musste ein Badener Polizist am Mittwoch am Landesgericht Wiener Neustadt auf der Anklagebank Platz nehmen.

 |  NOEN, APA
Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Amtsmissbrauch, gewerbsmäßigen Diebstahl, gewerbsmäßige Hehlerei, Urkundenunterdrückung und Bestechlichkeit vor. Neben ihm auf der Anklagebank: Seine Gattin, die Diesel mit einer falschen Tankkarte gestohlen haben soll.

Kollegen, aber auch Dienststelle wurden bestohlen

Die beiden bekannten sich nicht schuldig. "Wie ist das ganze eigentlich aufgekommen?" fragte Richterin Birgit Borns den Vorgesetzten des Polizisten. "Es sind immer wieder Dinge auf der Dienststelle weggekommen", erklärte dieser.

Und weiter: "Als es beim Kollegen zuhause gebrannt hat, sind ein paar dieser Sachen bei ihm aufgetaucht." In der Gargage etwa habe der Polizist massenweise Klopapier gelagert gehabt. "Ich glaube das bekommt man so gar nicht zu kaufen. Und selbst wenn, würde man es wohl nicht kaufen. Der Dienstgeber spart bei diesen Produkten", meinte ein Kollege. Bei einer freiwilligen Nachschau habe man dann in den Kästen des Angeklagten auf der Dienststelle Dinge anderer Kollegen gefunden.

"Mein Mandant hat gedacht, das seien seine Sachen", verteidigte Rechtsanwalt Michael Dohr. Auch Überstundenabrechnungen, eine Bewilligung für einen Arztbesuch und ähnliche Dinge aus der Kollegenschaft seien bei dem Angeklagten aufgetaucht. Unter anderem die Ledermappe einer Kollegin einer anderen Dienststelle. "Ich habe drei die genauso aussehen, ich muss das verwechselt haben", meinte der Mann.

"Bei Kontrollen hat er g'schnalzt, g'schnalzt, g'schnalzt"

Auch bei Organstrafverfügungen soll es zu Ungereimtheiten gekommen sein. Der Angeklagte, der bei seinen Kollegen als ziemlich "scharf" im Umgang mit Verkehrsteilnehmern bekannt gewesen sei, hätte einem angehaltenen Fahrzeuglenker angeboten, sein Delikt unter den Tisch fallen zu lassen, wenn er ihm beim Kauf eines Autos Rabatt gewähren würde. Zusätzlich soll er ihn noch zu einer Falschaussage am Posten angestiftet haben.
 
Weiters wurden beim Angeklagten Bestätigungen für Strafen gefunden, die Beträge wurden aber nie ordnungsgemäß abgeführt. In Summe rund 3.000 Euro. „Ich habe das einfach abgelegt und vergessen", meinte der Beamte dazu. Einige Strafen habe er auch vergessen einzufordern. "Wenn die Leute kein Geld mithatten, habe ich gesagt sie können es auf die Dienststelle bringen", behauptete er.

Der Angeklagte habe die Übersicht verloren, habe an „Burnout“ gelitten und sei nur beschränkt handlungsfähig gewesen. Er habe sich oft für Vertretungsdienste einteilen lassen und auch sein Urlaub sei einfach verfallen, weil er so fleißig gewesen sei.
 
Rund fünfzig Zeugen werden im Prozess einvernommen. Außerdem wird ein Psychiater sein Gutachten über den Angeklagten vortragen. Die Verhandlung wird vertagt.