Baden

Erstellt am 11. Oktober 2016, 04:06

von Tina Jedlicka

„Ich finde den Weg zurück nicht mehr“. 24-Jähriger verschanzte sich in Badener Wohnung, bedrohte Polizei und warf Messer aus dem Fenster. Einweisung in Anstalt.

Cobra-Einsatz im Juli in der Wassergasse. Der 24-Jährige wurde von Beamten des Einsatzkommandos festgenommen.  |  Lenger

In Handschellen, begleitet von zwei Justizwachebeamten nahm am Freitag ein 24-jähriger Badener am Landesgericht Wiener Neustadt Platz.

Widerstand gegen die Staatsgewalt und gefährliche Drohung wurde dem Mann zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft beantragte eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher. Was war passiert?

Der junge Mann hatte sich im Juli dieses Jahres in der Wohnung seines Stiefbruders in der Wassergasse verschanzt, mit Messern und angeblichen Molotow-Cocktails geworfen und die alarmierten Beamten der Stadtpolizei bedroht. Erst die Spezialeinheit Cobra konnte den Mann mit Mühe überwältigen.

Die zuständige Staatsanwältin berichtete gleich zu Beginn des Prozesses, sie habe die ursprüngliche Anklage um einen neuen Strafantrag erweitert. Denn in der Justizanstalt soll der Beschuldigte beim Tranfer in eine andere Zelle Wachebeamte bedroht haben. Er werde sie nach seiner Enthaftung finden.

Der 24-Jährige gab zu, sich in der Wohnung in der Wassergasse verschanzt zu haben. Er hatte mehrere Messer bei sich, die er irgendwann während des Gesprächs mit den Beamten vom Fensterbrett „wischte“. Vom Weltuntergang und von einem Molotow-Cocktail soll der verwirrte Mann gesprochen haben und dabei ein Gefäß mit einer brennbaren Flüssigkeit hergezeigt haben.

„Bin kein Islamist, ich bin ein Sünder“

„Es kann sein, dass ich das, was mir vorgeworfen wird, gesagt habe. In meinen Akten steht etwas von Terrorgefahr, aber ich bin ein ganz normaler Mensch mit vielen Sünden. Ich kann gar kein Islamist sein“, meinte er vor Gericht. „Ich habe die Messer in den Hof geworfen, weil die Polizei gesagt hat, ich soll sie fallen lassen“, erklärte der 24-Jährige, der bereits über ein sattes Vorstrafenregister verfügt.

„Seit ich 14 bin, war ich immer wieder in Haft. Ich finde den Weg zurück in die Gesellschaft nicht mehr“, gab er zu. Die einzige Zeit, die er nicht in Haft gewesen sei, habe er beim Militär in Qatar verbracht.

„Sie haben auf Facebook ein Foto von sich in Uniform mit einer Waffe gezeigt. Warum?“ fragte der Richter nach. Der Angeklagte meinte, es habe sich lediglich um eine Plastikwaffe gehandelt. Sein Stiefbruder sagte aus, dass er beim Aufräumen nach dem Vorfall ein Glas mit Terpentin und einem Taschentuch in der Wohnung gefunden habe.

Schwere Persönlichkeitsstörung

Der Besitzer des Hauses erinnerte sich als Zeuge: „Ich habe gesagt, dass er gehen soll, aber er hat gemeint, er habe ein Recht da zu sein. Dann ist aber schon die Polizei gekommen und hat gemeint, ich solle mich in meinem Geschäft einsperren. Ich möchte, dass er mein Haus nicht mehr betritt. Ich möcht solche Bröseln nicht mehr haben!“

Der psychiatrische Sachverständige Manfred Walzl verfolgte die Verhandlung und attestierte dem drogensüchtigen Angeklagten verminderte Zurechnungsfähigkeit. Er leide an einer schweren Persönlichkeitsstörung. „Er fällt in die neunte von neun Risikogruppen und hat ein siebenfach erhöhtes Rückfallsrisiko. Eine engmaschige, strukturierte Betreuung ist unabdingbar“, empfahl der Sachverständige.

24 Monate Haft sowie eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher lautete schließlich das Urteil. Der Angeklagte nahm an, die Staatsanwaltschaft bat um Bedenkzeit.