Erstellt am 15. Dezember 2015, 05:43

von Elfi Holzinger

Nikolo war im Kindergarten unerwünscht. In St. Veit durfte der „heilige Mann“ heuer nicht zu den Kindern kommen. Bürgermeister Hermann Kozlik ist empört.

Adi Wlasak besucht den Pottensteiner Kindergarten seit 1968 und ist davon überzeugt, dass niemand Schaden am Nikolausbesuch nimmt.  |  NOEN, Holzinger.Presse

Im Triestingtal ist man seit jeher sehr traditionsbewusst und natürlich ist auch der Heilige Nikolaus ein wesentlicher Bestandteil des Brauchtums, weshalb er in Schulen und Kindergärten ein gern gesehener Gast ist.
Dies scheint allerdings in den beiden St. Veiter Kindergärten nicht der Fall zu sein, denn statt des Nikolausbesuchs wurde dort heuer nur eine „Nikolausjause“ angeboten, was auch unter den Eltern für Verwunderung sorgte. Direktorin Sabine Redl wollte auf NÖN-Anfrage selbst keine Stellungnahme abgeben.

Seitens der Abteilung Schulen und Kindergärten des Landes NÖ stellt aber Marion Gabler-Söllner klar: „Ob und wie Nikolausfeiern abgehalten werden, obliegt den einzelnen Kindergärten. So wie es den Kindergärten auch individuell überlassen wird, wie sie den Kindern ethische, religiöse und kulturelle Erfahrungen ermöglichen. Oft geschieht dies durch Musik, Kunst oder das Feiern von Festen, um Verbindendes und Gemeinsamkeiten in Werten und Traditionen zu finden, so wie etwa das Teilen des heiligen Martin oder die Hilfsbereitschaft durch den heiligen Nikolaus.“

Nikolaus sieht die Sache eher gelassen

In Besonderem sei darauf Bedacht zu nehmen, dass Kinder diese Feiern in einem Rahmen der Geborgenheit und Zugehörigkeit empfinden, so Gabler-Söllner, „denn nur wenn Kinder sich in ihrer Umgebung sicher fühlen, sind sie fähig, ihre Aufmerksamkeit ganz auf das Hier und Jetzt zu lenken und positive Lernerfahrungen zu machen.“

Langzeit-Nikolaus Adi Wlasak sieht die Sache eher gelassen: „Das Ganze ist einfach nur lächerlich. Der Nikolaus ist eine lieb gewordene Tradition, die niemandem schadet und den Kindern große Freude bereitet – auch den Kindern mit Migrationshintergrund.“

Berndorfs SP-Bürgermeister Hermann Kozlik zeigt sich empört: „Ich werde mir ganz genau anschauen, weshalb der Nikolausbesuch in den beiden Kindergärten unerwünscht war. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass es sich dabei um Rücksicht auf andere Kulturen handelt. Wenn sich nämlich jemand in Geschichte ein wenig auskennt, dann weiß man, dass der heilige Nikolaus aus dem Osmanischen Reich stammt. Ich erlaube mir aber, meine Bestürzung zu äußern, wie unsere Kultur und Traditionen scheibchenweise ausgelöscht werden.“