Erstellt am 12. Januar 2016, 05:33

von Sonja Pohl

„Kassa nimmt Platz im Geschäft weg“. Reaktionen auf neue Regeln im Bezirk sind unterschiedlich. Kritik, aber auch Vorteile durch Digitalisierung.

Michael Bakutz aus Oberwaltersdorf vor seinem »Schelling TV«, wie er die neue Registrierkassa in seinem Lokal nennt.  |  NOEN, Foto: Sonja Pohl
Seit 1.1.2016 besteht für Unternehmer ab einem Nettojahresumsatz von 15.000 Euro die Pflicht, eine Registrierkasse zu benützen (siehe Infobox Seite 5). „In der Anfangsphase herrschte große Unsicherheit und es gab massiven Widerstand“, berichtet der Obmann der Wirtschaftskammer Baden, Jarko Ribarski.

Die Wirtschaftskammer habe über 100 Verbesserungsvorschläge an das Finanzministerium eingebracht, von denen bereits die Hälfte berücksichtigt wurden. „Dennoch lässt sich die Tatsache, viele Erschwernissen für die Wirtschaft verhindert zu haben, schwer als Erfolg verkaufen“, weiß Ribarski. „In Sachen Manipulationsschutz sind noch viele Fragen offen, sodass die Wirtschaftskammer bei der Anschaffung einer neuen Registrierkasse empfiehlt, ausschließlich bei Händlern einzukaufen, die die Gesetzeskonformität schriftlich garantieren. Dazu wurde auf unseren Serviceseiten auch eine Mustervereinbarung online gestellt“, rät er zur Vorsicht.

Auch will die Investition je nach Unternehmensgröße gut geplant sein, ist von Softwarelösungen via App bis zu Komplettsystemen doch vieles am Markt. Auf Information setzt die Kammer auch mit Vorträgen. „Die bisherigen waren innerhalb weniger Stunden ausgebucht. Eine Info-Messe findet am 15. Jänner von 13 bis 18 Uhr in der Pyramide Vösendorf statt.

Kürzere Wege durch digitale Bestellung

Michael Bakutz, Gastronom aus Oberwaltersdorf, nahm an seinem ersten Betriebstag im neuen Jahr auch seine Registrierkasse in Betrieb. Und Bakutz und seine Gäste haben für den neuen Bildschirm hinter der Schank auch bereits einen Namen gefunden: Schelling-TV. „Die zusätzlichen Tools wecken in mir ebenso den Unternehmergeist, wie die Möglichkeit zu genauen Statistiken und Abrechnung auf Knopfdruck“, weiß der Gastronom, dessen Wege durch die digitale Bestellaufnahme und Weiterleitung an die Schank und in die Küche auch kürzer werden. Die gelockerte Frist für die Systemeinführung sieht er ebenso als Vorteil. „Es ist, wie wenn Eltern drei Monate Kindererziehung üben dürfen“, scherzt er.

Andrea Vogl vom „Concept Store fünf!“ in Baden ist gerade dabei, sich schlau zu machen, welches Kassensystem das für ihr Geschäft geeignetste ist. „Ich tendiere zu einer Softwarelösung, die auf jedem Gerät läuft. Es sei denn, die Kosten sind höher als 200 Euro, dann wäre für mich auch eine Mietvariante interessant. Gerade bei ihren vielen unterschiedlichen Waren, die sie nicht von Massenanbietern mit Barcode bezieht, ist die Artikelerfassung in Warengruppen ein entscheidendes Kriterium. „Dennoch weiß ich noch nicht so genau, wie diese exakt heißen müssen.“

Wenig Sorgen macht man sich hingegen in der Fleischerei Fridrich am Rainer-Ring: „Wir haben seit 18 Jahren eine Kasse in Betrieb, die man sowieso haben muss, wenn man Angestellte hat“, sind die Unternehmer überzeugt. Ob die Belegerteilung allen Vorgaben entspricht und wie die Umstellung für 2017 erfolgen wird, wolle man noch auf sich zukommen lassen. Eine fortlaufende Rechnungsnummer wird bereits heute auf jeden Beleg gedruckt.

„Die Kassa nimmt wertvollen Platz weg“

Ihre Registrierkassa bereits bestellt hat Gerda Mossop, Boutique Lesil in Baden: „Ende Februar soll sie endlich geliefert werden. In meinem Geschäft nimmt sie wertvollen Platz weg.“ Von der Geschäftsabwicklung werde sich für sie nicht viel ändern, bereits bisher wurden alle Waren genau erfasst. „Diese beziehe ich größtenteils aus dem Ausland, schon alleine deswegen ist ,an der Steuer vorbei‘ nicht möglich“, betont Mossop. Und sie ist überzeugt: „Wenn jemand seine Verkäufe nicht boniert, wird er es vor der Registrierkasse nicht getan haben und es auch nachher nicht tun.“ Immerhin werde sie sich das Kassabuch ersparen.

Schon im Vorfeld über die neuen Vorgaben informiert hat sich der Badener Gerhard Steuer (Gebäudereinigung und Parfümerie): „Über die Wirtschaftskammer, Vorträge und übers Internet“, erzählt er. „In der Gebäudereinigung, habe ich eine Lösung für den Großhandel. 99 Prozent aller Geldflüsse sind bei uns aber nicht bar.“ Steurer schätze den künftigen Aufwand höher ein, „da die Dokumentationspflichten steigen.“ Und er fürchtet: „In der Parfümerie, in der es fast ausschließlich Bargeldbewegungen gibt, braucht es eine Lösung, damit die Daten exportiert werden können. Wir rechnen da mit neuerlichen Investitionskosten.“

Entspannt sieht Hotelier Axel Nemetz, Hotel at the Park, die neuen Regeln: „Schon bisher waren EDV-Systeme in der Hotelerie Praxis. Wir haben ein neues System, das auch eine Registrierkassenlösung für den Restaurant- und Kaffeehausbetrieb beinhaltet und signierte Rechnungslegung ab 2017 ermöglichen wird.“