Erstellt am 24. Februar 2016, 05:34

BG Frauengasse: Integration funktioniert. Jugendliche Flüchtlinge werden unter anderem im BG Frauengasse und in der Neuen Mittelschule unterrichtet. Die Erfahrungen sind durchwegs positiv.

Direktorin Sonja Happenhofer (2.v.l. hinten) mit den Professorinnen Martina Baumgartner, Rita Hofmann und Martina Ritsch-Beer (v.l. hinten) und Flüchtlingskindern im Gymnasium Frauengasse.  |  NOEN, Foto: privat
Die Integration von Flüchtlingskindern im Schulalltag stellt auch in Baden eine Herausforderung dar. Wie der Unterricht in der Praxis läuft und wie die Schüler im Klassenverband integriert wurden, hinterfragte die NÖN in der Neuen Mittelschule und am Gymnasium Frauengasse.

„Wir waren nicht ganz unerfahren. An der Neuen Mittelschule wurden immer wieder Flüchtlinge, etwa aus dem Kosovo oder aus Albanien, aufgenommen“, klärt Schuldirektorin Brigitte Gumilar auf. In der ersten Schulwoche wurden die Kinder daher sukzessive, und nicht alle zugleich, an die Schule geholt.

„Die Flüchtlingskinder suchen die Nähe zueinander“

„So konnten die Daten besser aufgenommen, die Einstufung durchgeführt und das jeweilige Können festgestellt werden“, fasst die Direktorin zusammen. Dann startete der Deutsch-Förderunterricht in Kleingruppen: zusätzlich fünf bis sechs Stunden pro Woche. Eine Basismappe mit Abbildungen hilft beim Spracherwerb. In ihren Klassen seien die mittlerweile 20 Flüchtlingskinder herzlich aufgenommen worden.

„Die Klassenvorstände haben vorab aufgeklärt und es wurden Coaches zur Seite gestellt“, betont Gumilar. „Die Flüchtlingskinder suchen die Nähe zueinander, um sich in ihrer Muttersprache auszutauschen. Dies ermöglichen wir in der großen Pause, generell sind wir aber eher um rasche Integration in den Klassenverband bemüht.“

„Mehr verträgt das System nicht mehr“

Problematisch sei oft die Teilnahme an Schulveranstaltungen. „Das ist aber kein neues Phänomen. Oft sind muslimische Mädchen gut integriert, zwischen dritter und vierter Schulstufe gibt es dann aber einen Wandel. Ab da tragen sie Kopftuch und nehmen z.B. am Schwimmunterricht nicht mehr teil“, bedauert Gumilar. Mit 20 Flüchtlingskindern sei man am Limit angekommen. „Mehr verträgt das System nicht.“

Von einer Kapazitätsgrenze spricht auch Direktorin Sonja Happenhofer vom BG Frauengasse, die sowohl in der Unter- als auch Oberstufe Flüchtlingskinder aufgenommen hat. „Ein Entscheidungskriterium war für mich auch ein persönlicher Betreuerkontakt. Etwa durch ehemalige Schüler, die Flüchtlinge aufgenommen haben oder auch durch das ‚Haus der Frauen‘ im Johannesbad“, erzählt sie.

Insgesamt sind es zehn Schüler – zwei im Regelunterricht der Unterstufe, acht sind außerordentliche Schüler der 5. und 6. Klassen. Das Engagement der Lehrer, Schüler und des Elternvereins sei enorm. „Ehrenamtliche Deutsch-Kurse werden von aktiven, pensionierten Professoren und ehemaligen Maturanten geleitet. Fraglich sei dennoch, ob sie im selben Zeitraum wie alle anderen Schüler reif für die Zentralmatura sind.

Das BG Frauengasse räumt dazu – ebenso wie übrigens auch das BG Biondekgasse – jedoch eine Chance ein. Als sinnvoll erachtet Happenhofer begleitende Maßnahmen, wie eine im November stattgefundene Podiumsdiskussion mit Manuel Baghdi aus Syrien, der schon seit Längerem in Baden lebt, oder syrische Speisen beim Tag der offenen Schultüre.

Zitate zum Thema

„„Der Erstkontakt verlief meist mit Händen und Füßen. Sie haben zwar alle eine Bezugsperson, die sprachlichen Barrieren sind aber dennoch eine Herausforderung.“
Direktorin Brigitte Gumilar, Neue Mittelschule Baden

„Der Unterschied ist groß. Es gibt bildungshungrige Schüler genauso wie einen, dem der Zahlenraum von 1 bis 10 fremd ist.“
Brigitte Gumilar

„„Wir versuchen, alle da abzuholen, wo sie stehen. Alle 10 machen auch große Fortschritte.“
Direktorin Sonja Happenhofer,
Gymnasium Frauengasse