Erstellt am 15. März 2016, 05:54

von Sandra Sagmeister

„Bin Künstler mit Leib und Seele“. Mit Michael Lakner (56) bekommt die Bühne Baden einen Kulturmanager mit Feinsinn für moderate Veränderung.

Seine Energie und sein »Brennen für die Sache« hält Michael Lakner jung und frisch.  |  NOEN, Foto: Stefan Geszti

13 Jahre lang leitete Michael Lakner das Lehár-Festival in Bad Ischl, am 1. Mai 2017 folgt er Sebastian Reinthaller als künstlerischer Direktor der Bühne Baden nach.

NÖN: Sie haben sich gegen 61 Bewerber behaupten können, warum fiel die Wahl auf Sie?
Michael Lakner: Ich glaube, dass eine Erneuerung gewünscht wird, in der Ästhetik, wie in der Bühnensprache und das war ein wesentlicher Teil meines Konzeptes. Ich möchte einen Spielplan, der die Bedürfnisse des Stammpublikums berücksichtigt und neues Publikum anspricht, es soll eine gelungene Melange werden. Vor 13 Jahren, als ich in Ischl begonnen habe, hatte ich eine ähnliche Lage, aber wir haben es geschafft, dass das konservativere Publikum sich auch mal eine gewagtere Aufführung ansah und die Liberalen mal eine historisierende Interpretation. Ich will eine moderate Erneuerung, auch, um die Relevanz und Aktualität der Operette zu zeigen.

Was möchten Sie noch verändern?
Lakner: Ich möchte eine Produktion mehr machen. Auch eine nur mit Solisten und Orchester, so kann man mehr Repertoire zeigen und Kooperationen mit internationalen Bühnen suchen. Die Domäne bleibt aber die Operette, man kann sehr stolz sein, dass in Baden die meisten Operetten-Produktionen weltweit gespielt werden.

Und wie schaut es mit dem ganz jungen Publikum aus?
Lakner: Ich möchte einen Kinderchor gründen, möchte auch Flüchtlingskinder integrieren, mir schwebt ein Chor aus verschiedenen Nationen vor, über Musik wachsen die Menschen zusammen, Musik ist eine Sprache, die keinen Krieg führt und ich möchte den Chor in den Produktionen einsetzen und einen eigenen Kinderspielplan entwickeln, wo es zum Beispiel eine kleine Version der Zauberflöte gibt, oder Kinder-Workshops.

Und das Ballett?
Lakner: Ich bin sehr glücklich, mit Michael Kropf, dem Chefchoreografen, einen hervorragenden und modern denkenden Ballettdirektor zu haben. Ich möchte Ballettabende geben und die Choreografie mehr ins Zentrum rücken, bin kein Fan von Nummernoperetten, bin für eine Verzahnung der Szenen, alles soll choreografisch verbrämt sein. Ich finde, Schauspieler sind am besten, wenn sie eine Tanzausbildung haben.

Man spürt die Freude über Ihre neue Aufgabe und sie legen ein ordentliches Tempo vor, obwohl sie schon eine reiche Karriere in den verschiedensten Kulturbetrieben hinter sich haben. Woher kommt die Antriebskraft?
Lakner: Mein Beruf ist meine Berufung. Man hat mich gefragt, warum tust Du dir das an. Meine Antwort: Weil ich brenne, bin Künstler mit Leib und Seele.

Sie haben unter anderem Klavier, Gesang und Jus studiert, haben 2014 ihr Regiedebüt gegeben und durch Ihre Managertätigkeit zu allen Berufsgruppen innerhalb des Theaters einen Draht. Werden Sie auch selbst auf der Bühne stehen oder singen?
Lakner: Ich glaube, dass ich ein großes Verständnis für die Sorgen und Nöte meiner Kollegen mitbringe, aber singen? Nein, um Gottes Willen, ich werde mich auf die Tätigkeiten Klavierspielen und Regie führen konzentrieren, und vielleicht einmal für zwei Minuten einen Trottel auf der Bühne spielen.

In einem Interview 2014 haben Sie gesagt, dass Sie in Bad Ischl bleiben möchten, weil Kontinuität in der Führung gut ist für ein Festival. Was hat sie dann doch bewogen, sich für Baden zu bewerben?
Lakner: Ich finde, jetzt ist der Zeitpunkt da, dass ich mich von der Geschäftsführung zurück ziehe und mich voll und ganz dem Künstlerischen widme.

Ist die künstlerische Leitung somit ein schöner Abschluss eines erfüllten Karriereweges?
Lakner: Ich gehe zu einer Zeit, wo es noch eine Chance gibt, mich neu zu bestimmen. Ich war 13 Jahre in Ischl, das ist lange, und ich muss zugeben, dass sich Dinge einschleifen, der Schwung geht ein wenig verloren. Jetzt ist wieder alles neu.

Werden Sie ab Mai 2017 auch in Baden wohnen?
Lakner: Auf alle Fälle, ich suche eine Wohnung, die höchstens drei Minuten vom Theater entfernt ist, aber eigentlich brauche ich nur ein Zimmer, weil wer im Theater arbeitet, lebt in einem Paralleluniversum, man bekommt von der Außenwelt nicht mehr viel mit.

Zur Person

• Michael Lakner wurde in Wien geboren studierte an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Klavier, Tonsatz, Orchesterdirigieren, Gesang, am Konservatorium der Stadt Wien (Liedbegleitung) sowie Rechtswissenschaften an der Universität Wien

• Berufliche Stationen:  Mitarbeiter der Wiener Künstleragentur Dr. Raab und Dr. Böhm von 1988 bis 1991, von 1991 bis 2001 Künstlerischer Betriebsdirektor der Oper Graz und von 2001 bis 2004 Operndirektor am Theater Basel. Seit 2004 ist er Intendant und Geschäftsführer des Lehár Festivals Bad Ischl. Sein Regiedebut gab er 2014 mit dem Musical „Gigi“.

• Die Entscheidung der Jury fiel am 7. März durch eine Kommission, bestehend aus Vertretern einer künstlerischen Fachjury (Josef Ernst Köpplinger, Intendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München, und Dirigent Uwe Theimer), der Niederösterreichischen Kulturwirtschaft, des Landes NÖ und der Stadt Baden.

Michael Lakner setzte sich mit seinem Konzept gegen 61 Mitbewerber durch, wovon 44 national und 17 international waren.