Erstellt am 07. Juni 2016, 07:15

von Stefan Jedlicka und Sandra Sagmeister

Prominente Namen gegen Sauerhof-Projekt. Badener Initiative um Karl Zweymüller hat Bedenken gegen geplanten Sauerhof-Umbau. Lotte Tobisch, Christiane Hörbiger, Gerhard Tötschinger und Gregor Henckel-Donnersmarck unterstützen Protest.

 |  NOEN, Sandra Sagmeister
Der geplante Um- und Zubau beim ehemaligen Grand Hotel Sauerhof in Baden sorgt weiter für Aufsehen. Vor allem die Bürgerinitiative um Karl Zweymüller hat Bedenken gegen das Projekt – und präsentierte dafür nun am Montag prominente Unterstützung.

Christiane Hörbiger, Gerhard Tötschinger, Gregor Henckel-Donnersmark, Lotte Tobisch und August Breininger sprechen sich offen gegen die malaysische Investorengruppe K.Y.A.T.T. rund um Österreich-Geschäftsführer Siegmund Kahlbacher aus. Man wolle „kein Wellness- und Ayurveda-Hotel mit Wohnblöcken im Park, wofür die Finanzierung undurchsichtig und nicht gesichert erscheint“. 

"Noch mehr Betten für Baden nicht von Vorteil"

Im 12. Jahrhundert war der Sauerhof erstmals urkundlich erwähnt worden, 1820 wurde der Bau von Josef Kornhäusel in seine heutige Form gebracht und zählt heute zu den wichtigsten klassizistischen Gebäuden Österreichs. Und im Jahr 2016 sei der Sauerhof in akuter Gefahr, meint Zweymüller, ehemaliger Vorstand der orthopädischen Abteilung im Krankenhaus Gersthof. Gerhard Töschinger hat schon einige Sträuße ausgefochten, wenn es darum ging, historische Gebäude zu retten.

So z.B. kämpfte er erfolgreich gegen eine Trasse der A21, die über das Stift Heiligenkreuz führen sollte. "Man muss sich wehren", meint er. Der ehemalige Abt des Stiftes Heiligenkreuz, Gregor Henckel-Donnersmark, erinnerte an diesen erfolgreichen Bürgerprotest. Der Alt-Abt ist auch gelernter Diplomkaufmann und „überzeugt, dass noch mehr Betten für Baden nicht von Vorteil sind, vielmehr sollte die sorgfältige Pflege des Kulturgutes im Vordergrund stehen." Und er weiß auch: „Dass man viel tun muss, um so etwas zu verhindern."  
Kritisch sieht Zweymüller auch die Umwidmung von „Bauland-Sondergebiet-Fremdenverkehr“ in „Bauland-Sondergebiet-Fremdenverkehr Appartements“. „Überschlagsmäßig werden dort somit 3.000 Quadratmeter Eigentumswohnungen entstehen, Reinerlös nach Abzug der Baukosten etwa 4,5 Millionen Euro", so vermutet Zweymüller, für den dieses Projekt ohne Frage "der Anfang der totalen Verbauung des Sauerhofparkes ist, da weitere Umwidmungen mit Sicherheit zu erwarten sind."

Dem widersprechen allerdings Bürgermeister Kurt Staska und Baustadtrat Rudolf Gehrer (ÖVP), die betonen, Schaffung und Verkauf von Wohnungen auf dem Areal seien auch aufgrund der neuen Widmung rechtlich ausgeschlossen.

„Es wurde schon so viel kaputt gemacht,
dagegen werde ich Sturm laufen."

Lotte Tobisch, die Baden seit 80 Jahren kennt, meint: „Es wurde schon so viel kaputt gemacht, dagegen werde ich Sturm laufen." Sie möchte auch genau wissen, "wer zahlt das, wie finanziert sich dieses Projekt, ich möchte eine Finanzierung bis auf die letzte Türschnalle sehen?" Sie ist als direkte Nachbarin von den Um- und Zubauten des Sauerhofes betroffen; grenzt das Badener Künstlerheim doch an den Sauerhof-Grund, Tobisch ist Präsidentin des Betreibervereines "Künstler helfen Künstlern", der das Künstlerheim führt. Mit in der Runde: ein weiterer Anrainer des Sauerhofes und „Ureinwohner Badens“, Rene Hansy, der erst vor einigen Tagen jemanden kennenlernte, der „angeblich eine Kaufoption auf eine Wohnung hinter dem Sauerhof habe“. 

Als mahnende Abschlussworte des prominenten Bürgerprotestes wurde die Parole "Rettet den Rest" ausgesprochen, weil schon zu viel an historischer Substanz zerstört worden sei. Altbürgermeister August Breininger, nun Stadtrat der Liste "wir badener" sieht den Sauerhof „in großer Gefahr“. Er erlebe „eine weitere Stunde Null“. Breininger will im Gemeinderat ein Zeichen setzen, "dass wir uns quer legen." 

Fragen beantwortet und Bedenken zerstreut hätte laut eigener Aussage hingegen der extra für den Termin angereiste, desiginierte Hoteldirektor des Sauerhofes, Thomas Brenner. Allerdings: Ihm wurde von zwei Sicherheitsleuten der Zutritt zur Pressekonferenz der Bürgerinitiative verweigert. Brenner kritisiert, dass auch Karl Zweymüller für die Vertreter des Hotel-Eigentümers K.Y.A.T.T. nicht zu sprechen gewesen sei.

Bebauungsvorschriften für Schutzzonen eingehalten

Man betont, dass die eingereichten Umbaupläne zur Revitalisierung sowohl vom Bundesdenkmalamt als auch von der Stadtgemeinde Baden genehmigt worden seien und den Bebauungsvorschriften für Schutzzonen entsprächen. Die Revitalisierung des Sauerhofes habe „erste Priorität, da neben der für einen ordentlichen Hotelbetrieb notwendigen Ausstattung auch 80 Zimmer und Suiten adaptiert werden. Die restlichen 40 Zimmer und Suiten sind in den Zubauten eingeplant.“

Und: „Trotz der baulichen Erweiterung bleibt der Anteil der Grünflächen in etwa gleich, die bebaute Fläche des neuen Grand Hotels Sauerhof wird wie schon jetzt weniger als 32% der Gesamtfläche ausmachen. Die Zubauten selbst sind mit einer Bauhöhe von zirka 8 Metern deutlich niedriger als der Sauerhof selbst.“

Brenner weiter: „Für einen wirtschaftlichen Betrieb des Grand Hotels Sauerhof ist die geplante Anzahl von 120 Zimmern und Suiten unabdingbar, Wohnblocks anstelle von Hotelzimmern zu bauen, wäre fahrlässig.“ Man werde noch im Juni im Rahmen einer offenen Tür das Projekt vorstellen und für Fragen persönlich zur Verfügung stehen