Erstellt am 19. Januar 2016, 05:43

von Stefan Jedlicka

Bürgerwehr macht für Baden mobil. Internet | Gruppe sucht auf Facebook Anhänger für eine private Schutztruppe. Es soll aber voraussichtlich bei Information bleiben.

Ein Auszug aus der Facebook-Seite der Bürgerwehr Mödling/Baden/Traiskirchen/Guntramsdorf. Man distanziert sich klar von Gewalt und Rechtsextremismus, überlegt aber schon wieder, die Seite einzustellen.  |  NOEN, Foto: NÖN
421 Facebook-Usern gefällt die Idee bereits. Eine private Gruppe hat auf dem sozialen Netzwerk am 10. Jänner die Gründung einer „Bürgerwehr Mödling/Baden/Traiskirchen/ Guntramsdorf“ verkündet. Streifengänge seien vorerst allerdings keine geplant, betont man auf NÖN-Nachfrage. „Die Seite dient zur Aufklärung der Bevölkerung über aktuelle Geschehnisse, sowie zur Vorbeugung von gewalttätigen Übergriffen.“

Was auffällt: neben zahlreichen Texten, Nachrichtenmeldungen und Videos, in denen von Terroranschlägen, Flüchtlingsströmen und Verschwörungstheorien die Rede ist, bemühen sich die anonymen Betreiber der Seite immer wieder, Leser zu kritischem Hinterfragen aller Beiträge aufzurufen. Die Bürgerwehr distanziere sich von Gewalt und Rassismus. „Die Inhaber der Seite wollen mit keiner Partei in Verbindung gebracht werden. Rassistische sowie antisemitische Kommentare, Beiträge oder sonstiges unangebrachtes Gedankengut werden so schnell wie möglich entfernt und verurteilt“, heißt es. „Wir wollen nicht ins ,Rechte Eck‘ gestellt werden.“

„Arbeit der Polizei wird manchmal behindert“

Man übt aber auch deutliche Kritik: „Die Flüchtlingskrise stellt ohne Frage ein Sicherheitsrisiko für die österreichische Bevölkerung dar und wird in den Medien verharmlost. Viele Menschen haben Angst, weil es ihnen an Aufklärung und Wissen fehlt“, lautet ein Text. Und: „Auf dieser Seite bekommen Sie Informationen zur aktuellen Lage, sowie nützliche Tipps wie Sie sich selbst und die Menschen die Ihnen wichtig sind schützen können. Natürlich möchten wir auch dazu aufrufen, selbst sinnvolle Beiträge zu posten, die für alle nützlich sind, wie zum Beispiel Beobachtungen von auffälligem Verhalten.“ Kontakt mit Bürgerwehren in Wien und der Steiermark hat man ebenfalls bereits aufgenommen.



Bezirkspolizeikommandant Oberst Wolfgang Eisenkölbl hält wenig von der Idee. „Ich kenne das konkrete Projekt nicht, aber prinzipiell ist so etwas kaum sinnvoll“, meint er auf NÖN-Nachfrage. „Sicherheit ist Aufgabe der Polizei. Wenn jemand einen privaten Sicherheitsdienst engagiert, dann ist das seine Angelegenheit, aber Bürgerwehren sind meistens weniger koordiniert und verfügen über kein geschultes Personal. Daher ist die Gefahr, dass das ganze ausufert. Wir hatten einmal eine solche Bürgerwehr, die gegen eine Einbruchsserie vorgehen wollte. Leider hat man dabei eher die Arbeit der Polizei behindert“, so Eisenkölbl.

Und auch Bürgermeister Kurt Staska (VP) ist wenig begeistert: „Ich halte das für überzogen. Vorsicht und Aufmerksamkeit sind gut, aber wir haben eine Stadtpolizei, die für Sicherheit in Baden sorgt.“