Erstellt am 21. Februar 2016, 10:22

von APA/Red

Cole Porters "Can-Can"-Musical am Stadttheater Baden. Ganz Paris träumt von der Liebe: Im Stadttheater der Bühne Baden hält der Can-Can schwungvoll Einzug.

Das Stadttheater Baden.  |  NOEN
Allerdings nicht der Offenbach'sche, sondern das gleichnamige Musical von Cole Porter, das am Samstagabend in einer gelungenen Inszenierung von Alexandra Frankmann-Koepp vom Premierenpublikum sichtlich gut aufgenommen wurde.

Die Geschichte von Pistache, Inhaberin eines Tanzlokals am Montmartre (sehr flott: Elisabeth Ebner), die nach einigen Wirren doch noch mit dem peniblen jungen Richter Forestier (Oliver Arno ist tatsächlich studierter Jurist) ein Happy End feiert, obwohl die Behörden alles dransetzen, den verbotenen, dennoch praktizierten Can-Can zu ahnden, ist nicht frei von rührseligen Klischees, punktet aber mit Witz und Tempo. So gern man sich mitreißen ließ: Von den drei Stunden ein halbes Stündchen abzuzwacken hätte nicht geschadet.

Bilderbuch-Paris und bunte Kostüme

Pantelis Dessyllas hat ein Bilderbuch-Paris um 1900 auf die Bühne gestellt, Friederike Friedrich für bunte Kostüme gesorgt, die das Auge erfreuen, Marcus Tesch eine schmissige Choreografie zuwege gebracht. Das Orchester der Bühne Baden ist unter Oliver Ostermann hochtourig unterwegs. Die Dialoge werden deutsch gesprochen, die Songs englisch gesungen.

Sympathisch ist die Stückwahl auch insofern, als manche Thematik aktueller scheint denn je, sei es die Gleichberechtigung der Geschlechter in ihren ökonomischen Bedingtheiten oder insbesondere auch der Kampf um Liberalität und Toleranz sowie gegen die Beschränkung von Freiheiten durch jeglichen religiös oder politisch begründeten Fundamentalismus. "Das Unzüchtige liegt im Auge des Betrachters", sagt Pistache, frei nach dem Spruch "Honi soit qui mal y pense". Und so bietet dieser "Can-Can" nicht bloß einen unbeschwerten Musicalabend, sondern auch noch Unterhaltung mit Haltung, ganz ohne Zeigefinger, dafür mit einer großen Portion an Lebenslust.