Erstellt am 07. September 2015, 08:11

von Elfi Holzinger

Containerdorf für Flüchtlinge. Am Gelände des Landesjugendheims sollen bald 60 Flüchtlinge eine neue „Heimat“ finden. Pottensteins Mandatare reagieren besonnen und äußerst unterschiedlich.

Auf diesem Areal des Landesjugendheims in Pottenstein werden bald in 40 Wohncontainern Flüchtlinge untergebracht. Fotos: Holzinger.Presse  |  NOEN, Dietmar Holzinger

Unter den 2.963 Einwohnern der Marktgemeinde herrscht große Aufregung. Demnächst sollen rund 60 Asylwerber in insgesamt 40 Containern am Areal des Landesjungendheims untergebracht werden.

Laut Heimleiterin Elizabeth Baum-Breuer sei vorgesehen, das Gelände vom restlichen Areal des Landesjugendheims durch einen Zaun zu trennen und von der Gutensteinerstraße einen direkten Zugang zu schaffen.

Gemeindeführung reagiert unterschiedlich

Betreiber der mobilen Flüchtlingsunterkünfte soll der „Arbeiter-Samariter-Bund Österreich“ (ASBÖ) werden, der damit die Verantwortung für Personal, Logistik und die Errichtung der Container übernehmen wird.

Direktorin Baum-Breuer: „Im Landesjugendheim Pottenstein sind derzeit vier unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht, deren Anzahl sich auch nicht ändern soll. Unsere Einrichtung wird sich bemühen, mit dem Betreiber zu kooperieren, um positiv mit dieser äußerst schwierigen Situation umzugehen.“

Unterschiedlich fallen die Reaktionen der Pottensteiner Gemeindeführung aus. So meint etwa Vizebürgermeister Daniel Pongratz (SP): „Mit den 60 Flüchtlingen, die vom Land Niederösterreich hier untergebracht werden, liegen wir weit über der vorgeschriebenen Quote. Dennoch streben wir eine gute Zusammenarbeit mit dem ASBÖ an. Die Dauer dieser provisorischen Lösung sollte aber vernünftig gestaltet werden, denn für einen längeren Zeitraum wird sich die Unterbringung so vieler Menschen im Hinblick auf die Wohnungssuche vieler Bürger schwierig gestalten.“

„Wir werden mehr als unsere Pflicht erfüllen“

Gemeinderätin Susanne Lambropoulos (Grüne) zeigt sich erfreut: „Die Menschen verlassen ihre Heimat nicht so einfach. Sie haben sich ein Leben aufgebaut und plötzlich gerät alles aus den Fugen. Es gibt Krieg und ihr Leben ist in akuter Gefahr. Selbstverständlich packen sie ihre Familie, ihre Siebensachen zusammen und gehen weg.“

Pottenstein werde seinen Teil dazu beitragen, den Flüchtenden einen Wiedereinstieg in die Normalität zu ermöglichen, so Lambropoulos.

„Wir werden dabei mehr als nur unsere Pflicht erfüllen. Mit viel privater Initiative, und großartiger überparteilicher Zusammenarbeit. Dadurch rücken wir wieder näher zusammen und helfen all jenen, die es bitter nötig haben“, so Lambropoulos.

FP-Zagler sieht Situation mit Besorgnis

Gemeinderat Stefan Zagler (FP) sieht die Situation allerdings mit Besorgnis: „Es werden bereits jetzt zehn Flüchtlinge im Ort betreut. Somit müssten wir – gemäß der Quote – weitere 35 Personen aufnehmen. Ein Containerdorf neben dem Kinderheim zu errichten, in dem bereits traumatisierte Kindern leben, ist einfach nicht tragbar. Die Flüchtlinge müssen in das Gemeindeleben eingebunden werden, benötigen in späterer Folge Kindergarten- und Schulplätze sowie Arbeit und Wohnungen und damit werden auch die Sozialausgaben deutlich steigen, für die wir Bürger aufkommen müssen. Aber selbstverständlich darf man Kriegsflüchtlinge nicht im Stich lassen“.

Und der geschäftsführende VP-Gemeinderat Armin Budler reagiert folgendermaßen: „Diese Menschen müssen untergebracht werden und wir haben die Möglichkeit, bestmöglich mit der Situation umzugehen. Natürlich wird es am Anfang Probleme geben, keine Frage. Bei den ersten Kontakten wird es auf beiden Seiten Verunsicherung geben. Ich werde daher offen auf die Leute zugehen, um langsam eine gegenseitige Bekanntschaft aufzubauen. So als wären wir neue Nachbarn in der selben Straße.“

Laut Budler wären die Kinder immer die am stärksten Leidtragenden. „Ganz besonders ihnen sollten wir das Gefühl von Sicherheit und Freude vermitteln.“