Erstellt am 02. Juli 2016, 05:48

von Stefan Jedlicka

Mobbing-Prozess einer Badenerin. Medizinerin wirft MedUni Wien Mobbing vor. Gericht entschied nun: Nicht verjährt. „Fortgesetzte Schädigung.“

 |  NOEN, Erwin Wodicka

„Es ist wie ein Kampf David gegen Goliath“, sagt Chirurgin Adelheid E. Die Wiener Medizinerin mit Badener Wurzeln hat sich mit der Republik Österreich und der Med Uni Wien angelegt. Mobbing lautet der Vorwurf. Und Adelheid E. hat zumindest einen Etappensieg erreicht: Das Landesgericht Wien wies den Einwand der Beklagten zurück, die Vorwürfe seien verjährt.

„Ich erwarte jetzt, dass die Vorfälle eingehend geprüft werden“, betont E. Die Thoraxchirurgin fühlte sich als eine der wenigen Frauen in einer medizinischen Männerdomäne in ihrer Karriere zusehends beschränkt. Sie habe nur mehr untergeordnete Operationen durchführen dürfen und sei isoliert worden.

Daraufhin klagte E. auf Schadenersatz und Amtshaftung. Nach fünf Prozessjahren wendeten Republik und Med Uni 2015 erstmals Verjährung der Vorfälle ein. Die Argumentation: Das bestrittene Mobbing habe schon vor 2006 begonnen. Diese Argumentation wurde vom Gericht zurückgewiesen. Begründung: Die Chirurgin werde weiterhin nicht zu Operationen eingeteilt, es gebe weitere Vorfälle, daher liege eine „fortgesetzte Schädigung“ vor.

„Möchte mich beruflich weiterentwickeln“

Im Verlaufe des Prozesses sah sich Adelheid E. mit Konsequenzen des Dienstgebers konfrontiert: „Einer dauerhaften Dienstfreistellung, die nach einem Jahr wieder aufgehoben wurde sowie einem vergeblichen Versuch, mich in Frühpension zu schicken.“ Nun sei sie zwar nicht offiziell dienstfrei gestellt, erhalte aber trotzdem keinen ihrer Qualifikation entsprechenden Aufgabenbereich. „Zur Untätigkeit verdammt zu sein, ist sehr unangenehm. Ich möchte mich beruflich weiterentwickeln, anstatt dem Steuerzahler als weißer Elefant zur Last zu fallen“, fordert die Medizinerin.

Das Zwischenurteil ist noch nicht rechtskräftig. Mittlerweile haben Interessensvertreter jedoch eine Anlaufstelle für ähnliche Fälle gegründet. „Die Interessensgemeinschaft ,Faire Medizin‘ ist eine unabhängige, überparteiliche Plattform und setzt sich für einen fairen Umgang zwischen allen im Spital tätigen Berufsgruppen und für einen respektvollen Umgang mit Patienten ein.“ Kontakt: Tel. 0677/617 58 149, www.faire-medizin.at.

Seitens der MedUni Wien weist man die Vorwürfe zurück, will zum laufenden Verfahren aber nicht Stellung nehmen.