Erstellt am 29. Dezember 2015, 05:03

Die zehn wichtigsten Ereignisse im Jahr 2015. Massenansturm auf das Lager Traiskirchen, Gemeinderatswahlen im Bezirk, Tauziehen um den Sauerhof und Mord an Volksschuldirektorin in Altenmarkt.

Foto des Jahres: Nicht nur im, sondern auch vor dem Flüchtlingslager in Traiskirchen geht es im Jahr 2015 rund. Es kommt zu mehreren - teils turbulenten - Demonstrationen.  |  NOEN, NÖN

Flüchtlingslager platzt aus allen Nähten

Vor allem während der Sommermonate erlebt die Erstaufnahmestelle Ost in Traiskirchen einen noch nie dagewesenen Ansturm von Flüchtlingen. Zeitweise mehr als 4.000 Menschen drängen sich im Lager und davor. 480 waren vom Land NÖ und der Stadt Traiskirchen als Obergrenze vereinbart worden. Ein Zeltlager zur Unterbringung der Menschen wird errichtet. Die Lagerleitung funktioniert auch Kindergarten und Turnhalle zu Schlafstellen um.

Bürgermeister Andreas Babler (SPÖ) übt wiederholt scharfe Kritik an Bundeskanzler, Landeshauptmann und Innenministerin. Er organisiert auch eine Protestkundgebung vor dem Ministerium in Wien. Schließlich verhängt Landeshauptmann Erwin Pröll einen Aufnahmestopp und die Situation beginnt sich wieder leicht zu entspannen. Derzeit sind rund 1.600 Menschen in der Erstaufnahmestelle untergebracht.
 

Volksschuldirektorin brutal getötet

Eine grausige Bluttat erschüttert am Dreikönigstag die Gemeinde Altenmarkt/Triesting. Die Volksschuldirektorin wird brutal ermordet. Dringend tatverdächtig: ihr Sohn, der zwar die Polizei alarmiert hat, sich bei der Einvernahme aber in Widersprüche verstrickt. Auch DNA-Spuren belasten den Mann. Vor Gericht bestreitet er, seine Mutter ermordet zu haben und präsentiert mögliche andere Verdächtige.

Er habe die blutüberströmte Frau schon tot im Keller ihres Wohnhauses vorgefunden. Zeugen berichten von Geldproblemen und jahrelangem Streit zwischen dem Mann und seiner Mutter. Er habe eine schwere Krankheit vorgetäuscht, um Geld aus ihr heraus zu locken. Der Prozess wird im neuen Jahr fortgesetzt.
 

Neue Hoffnung für den Sauerhof

Der Konkurs des einstigen Grand Hotels Sauerhof erschüttert Baden. Nach jahrelangem Niedergang ist das Traditionshotel geschlossen worden, die Suche nach einem neuen Eigentümer wird zum Geduldsspiel. Das Haus steht über ein Jahr lang leer und verfällt weiter. Schließlich gibt die Masseverwalterin grünes Licht für eine Versteigerung des Hauses.

Doch kurz davor findet sich doch ein Käufer: die Investmentgesellschaft K.Y.A.T.T. von asiatischen Geschäftsleuten um den Badener Siegmund Kahlbacher will aus dem Sauerhof ein Gesundheitshotel auf hohem Standard machen. Geplant sei ein Schwerpunkt für Ganzheitsmedizin und Ayurveda. Auch das Hotel Sacher in der Helenenstraße erwerben Kahlbacher und seine Partner sowie das „Helenenstüberl“ in Alland. Zurückgezogen wird hingegen ihr Interesse am Ankauf des Areals der ehemaligen Martinek Kaserne.

Dort wollte Kahlbacher nach eigenen Angaben eine Universität errichten. Seitens der Badener Stadtführung abgelehnt wird ein Angebot der Baufirmen Aura und Atlas des früheren Leobersdorfer Bürgermeisters Anton Bosch, am Kasernen-Grundstück Wohnungen zu errichten.
 

Gemeinderatswahlen

In Baden bringt der Urnengang im Jänner erneut Verluste für die ÖVP, die 2010 bereits ihre absolute Mehrheit verloren hatte. 2015 fällt die Volkspartei von 18 auf 16 Mandate zurück, behält zwar mit den Grünen knapp die Mehrheit, bildet aber mit den erstmals in den Gemeinderat einziehenden NEOS eine Dreier-Koalition. Für einen Paukenschlag sorgt die SPÖ, die im Jänner zwei Mandate verliert: Sie legt Einspruch gegen das Wahlergebnis ein.

Als dieser abgewiesen wird, ruft SPÖ-Chef Markus Riedmayer den Verfassungsgerichtshof an – und erhält Recht. Die Wahl muss in vier Sprengeln wiederholt werden. Ergebnis: Die SPÖ gewinnt ein Mandat zurück, auf Kosten der ÖVP, die nun nur noch bei 15 von 41 Sitzen im Gemeinderat hält. Die Gemeinderatswahl bringt aber auch die Rückkehr des langjährigen ÖVP-Bürgermeisters August Breininger in die Stadtpolitik. Im Jahr 2007 war er freiwillig als Stadtoberhaupt zurückgetreten. Vor der Gemeinderatswahl 2010 liebäugelte er bereits mit einem erneuten Antritt mit eigener Bürgerliste. 2015 nimmt er das Angebot der Bürgerliste „wir badener“ an, für sie als Spitzenkandidat ins Rennen zu gehen.

Das Ergebnis: Die „wir badener“ gewinnen drei Mandate dazu, Breininger wird Stadtrat. Einen politischen Erdrutsch gibt es in Furth, wo die ÖVP ihre absolute Mehrheit und die Hälfte ihrer Mandate an die Liste „Furth Aktiv“ verliert. Bürgermeister Franz Seewald tritt zurück. Für ihn übernimmt Alois Riegler (Furth Aktiv). Auch Dietrich Reinfrank (SPÖ) muss seinen Bürgermeistersessel in Tattendorf räumen. Absolute Mehrheit verloren, Alfred Reinisch (Bürgerliste) wird mithilfe der ÖVP zum Ortschef.

Fest im Sattel sitzt hingegen Andreas Babler (SPÖ) in Traiskirchen: Er baut seine absolute Mehrheit noch weiter aus und erobert mehr als 3.700 persönliche Vorzugsstimmen. Kuriosum in Heiligenkreuz: Dort gewinnen die Grünen ein zweites Mandat hinzu, können es jedoch nicht besetzen, da nur ein Kandidat zur Wahl angetreten war. Der Sitz im Gemeinderat bleibt leer.
 

„Löwenbrücke“ wird teuer

Im Sommer beginnt die Sanierung der Kaiser-Franz-Josef-Brücke über die Schwechat zwischen Vöslauerstraße und Josefsplatz. Doch schnell wird klar: Die Schäden an der sogenannten „Löwenbrücke“ sind weit massiver als angenommen. Die Arbeiten werden deutlich teurer und langwieriger als erhofft. Von 250.000 auf rund 1,2 Millionen Euro muss das Budget erhöht werden.

Die Brücke ist nur einspurig befahrbar, muss vorübergehend sogar ganz gesperrt werden. Ein politischer Streit entbrennt zwischen der Bürgerliste „wir badener“ und der Rathaus-Koalition über die weitere Vorgangsweise. Die Bürgerliste fordert, die Brücke komplett neu zu bauen, um ihre Lebensdauer zu erhöhen, die ÖVP hält entgegen, dies wäre teurer als eine Sanierung und werde vor allem durch das Bundesdenkmalamt verhindert, das die Brücke mittlerweile unter Denkmalschutz gestellt hat.

Nun werden von einem Ziviltechniker mögliche Sanierungsvarianten geprüft. Die Arbeiten sollen im Frühjahr fortgesetzt und im Sommer abgeschlossen werden, sagt Baustadtrat Rudolf Gehrer (ÖVP).
 

Wirbel um Mathe-Matura

Für Aufsehen sorgt die Mathematik-Matura im Badener Gymnasium Frauengasse. Weil Eltern Unregelmäßigkeiten bei der Benotung anprangern, überprüft der Landesschulrat alle Arbeiten noch einmal und stellt tatsächlich gravierende Mängel fest, wie Landesschulinspektorin Hermine Rögner bestätigt. Der benotende Lehrer wird vorübergehend vom Dienst suspendiert, zahlreiche Noten nach unten korrigiert.

Schüler und Eltern organisieren daraufhin Protestveranstaltungen für den Lehrer in Baden. Man kritisiert die Rolle des Landesschulrates und fordert die Rücknahme der Suspendierung, was tatsächlich passiert. Mittlerweile ist der betroffene Lehrer wieder in der Frauengasse tätig, allerdings nicht mehr wie zuvor als Administrator der Schule. Der Wirbel um die Maturaarbeiten fällt zusammen mit dem Abschied von Direktor Roderich Magyar, der seine Pension antritt. Als Nachfolgerin wird die Badenerin Sonja Happenhofer bestellt.
 

Flüchtlinge im Bezirk

Auf der Suche nach Unterkünften für die ständig steigende Zahl an Flüchtlingen ist es einmal mehr der Bezirk Baden, der eine Vorreiterrolle einnimmt. Obwohl man mit der Erstaufnahmestelle Ost in Traiskirchen bereits die festgelegte Quote erfüllt, bieten beispielsweise in der Stadt Baden mehrere Privatpersonen Quartier für Asylwerber an. Die Stadt organisiert im Johannesbad in der Johannesgasse ein „Haus der Frauen“, in dem der Verein menschen.leben die Betreuung von mehr als 40 alleinreisenden Frauen übernimmt.

Darüber hinaus ist geplant, im ehemaligen Landespflegeheim in der Wiener Straße ein weiteres Quartier für rund 100 Asylwerber einzurichten. Hier soll die Diakonie als Betreuer fungieren. Das Projekt, das bereits im Dezember hätte starten sollen, verzögert sich allerdings und wird voraussichtlich erst im Jänner realisiert. In Leobersdorf bietet Christian Blazek, Eigentümer des Einkaufscenters Bloomfield, einen Teil des Areals als Durchgangslager für Flüchtlinge an. Mehrere Hundert werden hier versorgt, allerdings jeweils nur für wenige Tage, ehe sie in andere Länder weiterreisen.
 

Angst vor „Montebellos“

Die bereits einschlägig bekannte Jugendbande „Montebellos“ sorgt in Baden für Aufsehen. In sozialen Medien drohen sie mehr oder weniger deutlich mit Anschlägen.

Mehrere Eltern fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder, eine politische Debatte folgt. Während die FPÖ einen eigenen Arbeitskreis und Maßnahmen gegen die Jugendlichen fordert, setzt Bürgermeister Kurt Staska (ÖVP) auf Beruhigung. Es gebe keinerlei Hinweise auf eine tatsächliche Bedrohung durch die „Montebellos“, betont er. Auch seitens der Polizei wird vor übertriebener Panik gewarnt. Man beobachte die Bande und ihre Aktivitäten schon seit geraumer Zeit, habe die Situation unter Kontrolle und gehe nicht von einer Gefährdung durch die Jugendlichen aus. Vor allem in sozialen Medien sind die „Montebellos“ trotzdem lange Zeit Gesprächsthema und sorgen immer wieder für heftige Debatten.
 

Kein Schutt-Bahnhof in Schönau/Triesting

Verwirrspiel um einen geplanten Verladebahnhof für Schutt vom Bau des Semmering-Basistunnels in Schönau. Die Firma Wopfinger Transportbeton plant, für den Transport des Aushubmaterials vom Semmering zu Schottergruben bei Ebenfurth im Bezirk Wiener Neustadt einen Bahnhof zwischen Schönau und Sollenau zu errichten.

Dort sollte das Material von Zügen auf Lkws verladen und zum Endlager gebracht werden. Widerstand dagegen formiert sich vor allem im angrenzenden Sollenau. In Schönau lässt Bürgermeisterin Brigitte Lasinger (SPÖ) die Bürger befragen, die sich mit 73 Prozent deutlich gegen die Errichtung eines solchen Bahnhofes aussprechen. Allerdings nehmen auch nur 39 Prozent der Wahlberechtigten an der Volksbefragung teil. Trotz des Votums beschließt der Gemeinderat kurz darauf, ein entsprechendes Grundstück für die Errichtung des Bahnhofes an Wopfinger zu verpachten.

Doch dann die Wende: Das Projekt scheint fallen gelassen. Das Material soll nicht zum nächst möglichen Standort nach Schönau gebracht, sondern von der Rail Cargo der ÖBB quer durch das östliche Niederösterreich und Wien zu einer Kiesgrube im mehr als 70 Kilometer weiter entfernten Schönkirchen-Reyersdorf, Bezirk Gänserndorf, gebracht werden.
 

110 KV-Leitung in Kottingbrunn

Mit Transparenten und Plakaten machten Anrainer der Rot-Kreuz-Siedlung klar: Die Überlandstromleitung muss weg. Die Bürger wünschen sich eine Verlegung der 1959 genehmigten Hochspannungsleitung unter die Erde. Die Wiener Netze kündigen aber einen weit günstigeren Seiltausch an – was den Status quo für die Lebensdauer der Leitungen von 60 Jahren verlängert. Seit fünf Jahren wird diskutiert, im Mai schafft der Netzbetreiber Tatsachen: Überraschend wird der Seiltausch in einem Abschnitt binnen weniger Tage durchgeführt.

Der Gemeinde ließen die Wiener Netze keine Möglichkeit, einzugreifen. „Wenn die Wirtschaft mehr zählt als die Gesundheit, dann haben wir verloren“, meint Alexander Hunyadi, Sprecher der Bürgerinitiative Aktion Himmelblau. Trotz der Arbeiten will er die Hoffnung auf ein Erdkabel nicht aufgeben: „Jetzt ist die Politik gefragt.“

Bürgermeister Christian Macho (ÖVP) sieht das ähnlich: „Letztlich geht es darum, wer für die Kosten aufkommt. Wir werden jedenfalls weiter versuchen, sachlich und konstruktiv zu verhandeln.“
 


Zitate des Jahres

„Es ist Zeit, dass die ÖVP erkennt, was die Badener wollen. Nämlich dass die Grünen nicht mehr Teil der Stadtregierung sind.“
SPÖ-Vorsitzender Markus Riedmayer bietet nach der teilweisen Wiederholung der Gemeinderatswahl in Baden an, die Grünen als Koalitionspartner zu ersetzen.

„Wir sind jederzeit bereit, mit Interessenten über einen guten Plan für das Areal der Martinek-Kaserne zu reden. Davon habe ich in diesem Fall aber nichts gesehen.“
Vizebürgermeisterin Helga Krismer (Grüne) begründet die Ablehnung der Vorschläge der Baufirmen Aura und Atlas für eine Verbauung des Kasernenareals durch die Stadt.

„Dabei handelt es sich um eine reine Machtdemonstration der Wiener Netze gegenüber den Bürgern.“
Bürgermeister Christian Macho (ÖVP) zur überraschenden und unangekündigten Seilerneuerung eines Teilabschnittes der 110KV-Leitung durch die Wiener Netze.

„Ihr Hunde werdet leiden.“
Die Jugendgruppe der „Montebellos“ lässt den Badenern über soziale Netzwerke ausrichten, dass mit ihnen zu rechnen sei. Abgesehen von Online-Debatten leere Drohungen.

 
 

2015 nahmen wir Abschied von ...

…Johanna Steyrer. Es gibt im Gasthaus Steyrer in Grillenberg fast keinen Gast, den die Ur-Senior-Chefin nicht persönlich begrüßt hätte. Johanna Steyrer liebte nicht nur ihre Familie, sondern auch ihr Gasthaus Steyrer, dem sie alleine schon durch ihre exzellenten Kochkünste zu seinem jetzigen Glanz verhalf. Jahrzehntelang schupfte die Großmutter des jetzigen Inhabers Markus Steiner nicht nur die Küche, sondern pflegte auch den persönlichen Kontakt zu den Gästen. Am 22. September verstarb Johanna Steyrer im Alter von 98 Jahren.

…Manfred Hacker. Am 7. Jänner verstarb der allseits beliebte Pottensteiner Malermeister Manfred Hacker im Alter von 68 Jahren friedlich im Kreise seiner Familie. Hacker wurde am 25.12.1947 als Sohn von Karl und Hermine Hacker geboren und begann im elterlichen Betrieb eine Lehre als Maler. 1995 übernahm er den ehemaligen Konsum in Pottenstein und gründete eine Kleinhandelsfirma. Nach seinem schrittweisen, krankheitsbedingten Rückzug aus der Firma übergab er diese an seinen einzigen Sohn Bernhard, der sie mit Erfolg bis dato führt.

…Gustav Fischer. Wo der „Gustl“ mit seiner Ziehharmonika auftauchte, gab es gute Laune und beste Unterhaltung. Am 22.03.1987 kam es auf seine Initiative hin zur Gründung der Blasmusikkapelle Altenmarkt, der er jahrzehntelang vorstand. Musik war allerdings nur sein Steckenpferd, seine Hauptberufe war Bezirksdirektor einer Versicherung und leidenschaftlicher Gastwirt am Hafnerberg. Das „Gasthaus zur Linde“, das seit 1856 in Familienbesitz ist, ist jedem Wallfahrer, Touristen und Einheimischen ein Begriff und gern besuchter Kommunikationstreffpunkt.

…Gerhard Satran. Im Mai 2015 schloss Gerhard Satran aus Altenmarkt für immer seine Augen und hinterließ nicht nur bei seiner Familie und Freunden eine große Lücke, sondern auch auf seiner „Burg“ in Finkenstein (Kärnten). Satran baute die Burgruine im wahrsten Sinn des Wortes von einer Ruine in eine Kulturhochstätte um, die weit über Österreich hinaus bekannt und ein beliebter Anziehungspunkt für Touristen, Kunst- und Kulturschaffende aus aller Welt ist.

...Thomas Züchner. Discobetreiber, Hobby-Radsportler, Benefizveranstalter, Lebemann: So kannten die Leobersdorfer den gebürtigen Würzburger Thomas Züchner. Im Oktober verstarb der seit 2008 in Leobersdorf lebende Vater von zwei Söhnen überraschend an einem Herzinfarkt. Zuletzt war er gemeinsam mit Alexander Pulz und Christoph Heidinger im beliebten Abendlokal „Ex-Bolero“ tätig.