Erstellt am 05. Oktober 2015, 07:35

von NÖN Redaktion

„Familienfreundliche Gemeinde“: Zeitzeugen erzählen. Bewegte Geschichte wirddurch Interviews mit Zeitzeuginnen greifbar gemacht.

Hermine Sevcik mit Werner Feltrini (links) und Gerhard Sevcik sowie Tochter Christine Ungersböck, die auch in der »Vöslauer« gearbeitet hat. Foto: Werner Predota  |  NOEN, Werner Predota

Im Rahmen des Audits „Familienfreundliche Gemeinde“ werden seit einigen Monaten Interviews mit Zeitzeugen aufgezeichnet, um Erfahrungen von älteren Menschen in den vergangenen Jahrzehnten zu dokumentieren. Werner Feltrini und Werner Predota (Kamera) haben aus diesem Anlass bisher zwei Zeitzeuginnen vor das Mikrofon gebeten: Nach Johanna Sebestik war es diesmal Hermine Sevcik, die von ihrem Leben in der Kriegs- und Nachkriegszeit in der „Vöslauer Kammgarn-Fabrik“ (1834 – 1978) erzählt hat.

Kriegsmonate und der Russeneinmarsch

Hermine Sevcik (1925) hat als 15-Jährige in der „Vöslauer“ zu arbeiten begonnen und war bis zu ihrer Pensionierung in diesem Betrieb tätig.

Sie hat vor allem die Kriegs- und Nachkriegsjahre in diesem ehemaligen Vöslauer Traditionsunternehmen mit mehr als 4.000 Beschäftigten erlebt und viele Entbehrungen durchmachen müssen. Ihr Arbeitsleben war geprägt von der Spinnerei bis zur Weberei, wo sie im Akkord bis zu 13,50 Schilling pro Stunde verdient hat.

Besondere Eindrücke haben die letzten Kriegsmonate und die Zeit nach dem Russeneinmarsch hinterlassen. Die Russen haben vor allem in der Anfangszeit der Besatzung Furcht und Schrecken verbreitet, was vor allem Frauen und Kinder betroffen hat.

Direktor Paul Mann als „Mann der Stunde“

Erst nach einigen Monaten hat sich die Situation gebessert und die russischen Offiziere – „sie waren sehr gebildet und anständig“ – haben dann mitgeholfen, dass die Fabrikation wieder aufgenommen werden konnte. Sie haben für die Beschäftigten und auch deren Angehörige sogar mit einer Gulaschkanone aufgekocht.

Der „Mann der Stunde“ war damals Direktor Paul Mann, der als einzige Führungskraft nicht geflüchtet ist und für die Wiederinbetriebnahme der Produktion gesorgt hat. Aber auch sonst weiß Hermine Sevcik viel zu erzählen.

Die „Vöslauer“ war ein soziales Unternehmen. Es wurden Wohnungen zur Verfügung gestellt, ein Betriebskindergarten eingerichtet und ein Wannenbad konnte einmal pro Woche von den Familien besucht werden. Zu hören: www.badvoeslau.at –„Videos“.