Baden

Erstellt am 29. Mai 2017, 05:00

von Sandra Sagmeister

„More Ohr Less“-Gründer im Interview. Das von Joachim Roedelius gegründete Festival findet heuer zum 14. Mal und zum zweiten Mal in Baden statt.

Inititator und treibende Kraft des „More Ohr Less“: Hans-Joachim Roedelius  |  NOEN, privat

Das kommt nur selten vor, dass ein Festival seinen Spielort wechselt. Alte Bäume verpflanzt man nicht, sagt man. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel. Der Gründer des avantgardistischen Festivals und Symposions „More Ohr Less“, Joachim Roedelius, hat sein Festival 2016 von Lunz nach Baden verpflanzt und nicht bereut:

Avantgardist und unermüdlicher Kulturschöpfer: Joachim Roedelius.  |  privat

NÖN: Heuer sind Sie zum zweiten Mal in Baden mit ihrem Festival „More Ohr less“. Wie fühlen Sie sich nach der „Übersiedlung“ von Lunz nach Baden? Was ist besser, was ist andres?

Joachim Roedelius: Wir, meine Frau und ich, als Erfinder und Gründer dieses Festes und das gesamte Team fühlen uns in Baden pudelwohl. Besser ist, dass wir das Ganze sozusagen von zuhause aus organisieren und abwickeln können, dass wir nicht mit Sack und Pack für etwa drei Wochen nach Lunz umziehen müssen, sind wir doch nicht mehr die Jüngsten. Gut ist auch, dass wir bei Schlechtwetter verschiedene Ausweichquartiere vom Haus der Kunst, über den Kunstverein bis hin zum Arnulf Rainer Museum zur Verfügung haben, womit sich das Ganze noch leichter ermöglichen lässt. Anders ist, dass uns natürlich die wunderbare Seenlandschaft etwas abgeht. Die unberührten Riesenwälder im Lunzer Land. Aber Gott sei Dank bietet uns Baden wegen seiner liebevoll gepflegten Gartenanlangen, eines traditionell reichen Kulturprogramms und des Entgegenkommens vonseiten des Bürgermeisters, der Kulturamtsleitung, des Tourismusbüros und der verantwortlichen Personen in den verschiedenen Kulturinstitutionen, in denen wir bestimmte Teile des Programms darbieten können unserem inhaltlich doch zum Teil sehr avantgardistischen Veranstaltungen gegenüber ein willkommenes künstlerisches Zuhause.

Geschenk des Augenblicks, ein schöner Titel. Was steckt dahinter?

Roedelius: Mit diesem Titel eines meiner schönsten und erfolgreichsten Solo-Alben aus dem Jahre 1984 war sozusagen der ideologische Boden gelegt, auf dem mein kaum mehr überblickbares gesamtes Folgewerk wachsen, blühen und gedeihen konnte. Ich empfinde mein Leben, bzw. alles, was darin geschieht, als Geschenk des Augenblicks.

Wie kann man einen Augenblick schenken?

Roedelius: Augenblicke, wie ich sie verstehe, verschenken sich selbst.

Man sagt ja immer, man soll den Augenblick genießen, wie geht das?

Roedelius: Das bleibt jedem selbst überlassen, je nachdem, ob er sich freimachen kann von den festgefahrenen Gewohnheiten seines täglichen Lebens oder ob er sich einspannen lässt davon und keine Muße mehr findet.

Wie schlägt sich der Titel im heurigen Programm nieder?

Roedelius: Die beteiligten Künstler und Mitwirkenden sind aufgerufen, sich aus dem Augenblick heraus mit ihren Darbietungen einzubringen, möglichst nichts Vorbereitetes zum Besten zu geben, sondern sich spontan von den Gegebenheiten des jeweiligen Geschehens führen zu lassen.

Was kann der Zuseher und Zuhörer von diesem Festival mitnehmen? Viele schöne Augenblicke?

Roedelius: Das lässt sich nur hoffen, nicht voraussagen, aber wir werden unser Bestes tun, damit in Erfüllung geht, was wir uns unsererseits vorgenommen haben.