Baden

Update am 25. April 2017, 14:04

von Sonja Pohl, Andreas Fussi, Christine Haas und Stephanie Pirkfellner

Winter-Rückfall: 1:0 für unsere Winzer. Starker Wintereinbruch gefährdete Ernte der Winzer in Thermenregion. Gemeinsamer Kampf erfolgreich. Schneechaos auf der A21.

Der Winter schlug mitten im Frühling eiskalt zurück. Starke Schneefälle verwandelten den Bezirk vorigen Mittwoch und Donnerstag in eine Winterlandschaft. Der Schnee, aber vor allem die drohende Kälte, machten den Weinbauern in der Region zu schaffen. Viele wussten nicht, ob alles oder nur ein Teil der Ernte kaputt ist. So eine Situation hatten sie noch nicht erlebt. Die Befürchtung war, dass ein starker Frost in der Nacht zur Katastrophe führen könnte.

„Wir sind im Dauerstress zur Zeit. Heute Nacht soll uns ein Hubschrauber zu Hilfe kommen, morgen wird die Weinbergstraße gesperrt, da neben der Straße Strohballen angezündet werden, um durch die Rauchentwicklung die Austriebe der Reben vor Kälte zu schützen. Die Situation ist sehr dramatisch, wenn am Samstag noch grüne Triebe an den Reben sichtbar sind, würde das an ein Wunder grenzen“, berichtete etwa Winzer Anton Buchart aus Sooß am Donnerstag.

Am Freitag in der Nacht und am frühen Morgen waren in der gesamten Thermenregion sämtliche Winzer auf den Beinen, um ihre Weinstöcke vor dem Frost zu schützen. Viele erzeugten Rauchschwaden, welche die Kälte abhielten und beregneten soviele Weingärten wie möglich, um die frischen Triebe mit Eis zu schützen.

Viele freiwillige Helfer unterstützen die Winzer tatkräftig und die Bevölkerung, etwa in Tattendorf, brachte großes Verständnis für die Weinbauern und ihre Reben auf. Der Weinbauverein Bad Vöslau-Gainfarn sagt im Namen aller Winzer an alle Bürger der Thermenregion: „Vergelt’s Gott und Danke für das Verständnis!“

Winzer aus Baden und Sooß rückten zusammen

In harmonischer Zusammenarbeit von Badener und Sooßer Winzer wurden Strohballen in den Weingärten am Harterberg verteilt, in den Morgenstunden angezündet und das Feuer bis zum Aufgehen der Sonne vor dem Ausgehen bewahrt.

Der Obmann des Weinbauvereins Baden, Andreas Ramberger, bedankt sich bei der Leesdorfer Feuerwehr, dass sie die Brandsicherheitswache in den Weingärten am Harterberg übernommen hat. Auch die reibungslose und schnell organisierte Zusammenarbeit der Winzer aus Sooß und Baden sei bemerkenswert.

Mit "blauem Auge" davongekommen

Das Engagement der Winzer war erfolgreich. Grundsätzlich seien zwar Schäden da, meint Buchart – bei den Weingärten außerhalb der Rauchzone, etwa bei den Weingärten am Sooßer Waldesrand, wo rund 50 Prozent Ernteeinbußen zu erwarten seien. „Was die Weinrieden innerhalb der Rauchzone betrifft, sind wir noch mit einem ,blauen Auge‘ davongekommen, es stand auf Messers Schneide“, berichtet Buchart, dem es auch ein Anliegen ist, zu erwähnen, dass „das Engagement der Sooßer Jungwinzer in diesen dramatischen Tagen und Nächten großartig“ war.

Freitag kam es kurz vor 5 Uhr Früh zu einem Unfall beim „Frostheizen“ in Großau. Ein junger Winzer verletzte sich unbestimmten Grades bei Verladearbeiten eines Heuballen bei der Frontladergabel. Die Rettung kümmerte sich um den Verletzten, der dann von der FF Großau mit der Korbtrage aus dem unwegsamen Gelände gebracht wurde, um ihn ins Rettungsauto umzuladen.

Wegen der starken Schneefälle und zahlreicher Unfälle stand auf der A21 alles still. Im Laufe der Nacht wurden rund 750 private Fahrzeuge eingeschlossen. Da sich die Lage nicht verbesserte, konnte das Rote Kreuz dank der guten Zusammenarbeit mit der Gemeinde Alland in der Volksschule Alland eine Schlafstelle mit 60 Betten errichten. Bezirksstellenleiter Gernot Grünwald bedankt sich bei „all jenen Mitarbeitern, die vor Ort großartige Hilfe geleistet und selbstlosen Einsatz gezeigt haben. Sowie bei allen Mitarbeitern, die den normalen Regelrettungsdienst aufrechterhalten oder sogar zusätzlich gestärkt haben.“

„Im Namen der Marktgemeinde danke ich allen Mitarbeitern sowie den vielen freiwilligen Helfern und Bürgern für den tatkräftigen Einsatz."Bürgermeister Köck

Allands VP-Bürgermeister Köck: „Im Namen der Marktgemeinde danke ich allen Mitarbeitern sowie den vielen freiwilligen Helfern und Bürgern für den tatkräftigen Einsatz, die mithalfen, das enorme Schneechaos in den Griff zu bekommen. Ein besonderer Dank gilt unseren Florianijüngern, dem Roten Kreuz und unserer Polizei, die zu vielen Fahrzeugbergungen und Unfällen ausrücken mussten“, so der Ortschef, der hinzufügt, dass von den Hilfskräften heißer Tee und – bei Bedarf – Decken an die auf der Autobahn stundenlang „gefangenen“ Fahrzeuglenker verteilt wurden.