Baden

Erstellt am 30. August 2016, 05:33

von Sandra Sagmeister

Ein mahnendes Mal. 71 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkrieges entsteht in Baden ein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus.

Aktive Mitglieder der Arbeitsgruppe zur Errichtung eines Mahnmals für NS-Opfer: Herbert Först, Eveline Elisabeth März und Robert Vorberg.  |  NOEN, Sandra Sagmeister

Auf Initiative und im Auftrag der Stadtgemeinde hat sich 2013 eine Arbeitsgruppe zusammen gefunden, die seither an der Umsetzung eines Mahnmales für die Opfer des Nationalsozialismus arbeitet.

Drei Jahre später, am 10. November, soll das Mahnmal seine Aufgabe in der Öffentlichkeit übernehmen. Ein langer Prozess findet einen versöhnlichen Abschluss und Baden bekommt endlich ein öffentlich sichtbares und zentral platziertes Zeichen. Seinen Platz findet das Mahnmal in der ehemals dritt größten jüdischen Gemeinde Österreichs am Josefsplatz, in Richtung Frauengasse ausgeweitet und soll „beunruhigend“ sein, wie Eveline Elisabeth März vorige Woche bei der kleinen Zwischen-Präsentation im Rathaus erwähnte.

Sie lebt seit 18 Jahren in Baden und hat sich Baden bewusst nach vielen Ortswechseln ausgesucht: „Man ist hier nicht anonym, hier kann ich mich einbringen und was bewirken“, und das tut sie; sie engagiert sich in der jüdischen Gemeinde, war beim Synagogen-Wiederaufbau beteiligt und ist von Anbeginn in die Mahnmal-Arbeitsgruppe involviert.

Dauerhaftes Kunstobjekt im öffentlichen Raum

Sie machte auch Druck, dass das Projekt vorangetrieben werde, „es ist an der Zeit“, sagt die 1938-Geborene, die selbst auf der Flucht war. Auch durch die vielen Erzählungen aus ihrer Familie und ihrem Umfeld ist sie zu einer Betroffenen geworden, das Schicksal der Juden „ist Teil meiner Identität.“ Und März wünscht sich, dass das Mahnmal „kein historisches Vermächtnis wird, sondern eine historische Botschaft, es soll ein Mahnmal für alle Menschen sein.“

Ausgewählt wurde im Frühjahr 2015 in einer öffentlichen Ausschreibung durch das Land Niederösterreich initiiert der mutige Vorschlag „Counterpoles – Widerstäbe“ von dem Künstler Peter Kozek. „Es wird sicher zu Diskussionen führen“, glaubt Herbert Först, der ebenfalls in der Arbeitsgruppe sitzt. Das Objekt versteht sich als dauerhaftes Kunstobjekt im öffentlichen Raum, es sollen Stäbe aus dem Boden ragen, die die Vertreibung der Juden in alle Himmelsrichtungen symbolisiert. „Das Objekt ist ähnlich wie das Mahnmal in Berlin und soll eine ständige Erinnerung darstellen“, so Först.

Das Spezielle an dem Projekt war die Einbeziehung der Zivilgesellschaft, wo auch Vertreter verschiedener Glaubensrichtungen und politischer Parteien sich beteiligten und weiter beteiligen können: Eingerichtet wurde nämlich ein Spendenkonto, und so wird der zivilgesellschaftliche Beteiligungscharakter weiter gefördert, „das ist der wesentliche Touch des Projektes, das die Bürger sich daran beteiligen können, es soll nicht nur ein Projekt der Gemeinde sein“, sagt der Historiker und gebürtige Badener, Robert Vorberg und März ergänzt: „Das Projekt wird durch die Spenden von vielen Bürgern mitgetragen.“ Den Großteil der Finanzierung übernehmen aber die Stadt Baden, das Land Niederösterreich, der Zukunftsfond der Republik Österreich und der Nationalfond der Republik Österreich.

Spendenkonto: AT472020 500000000109, Verwendungszweck: Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus

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