Traiskirchen

Erstellt am 11. Oktober 2016, 02:24

von Andreas Fussi

Kritik an Sauna-Deal um 250.000 Euro. Heiße Diskussionen um Investitionsablöse für Pächter der geschlossenen Sauna-Bar „Smooth“.

Für den seit Juli leer stehende Restaurant-Bar-Saunabetrieb „Smooth“ wird derzeit intensiv nach einem neuen Pächter gesucht. Die Ablösesumme von 250.000 Euro ist Bedingung.  |  NOEN, Fussi

Für die geschlossene Restaurant-Bar-Sauna „Smooth“ wurde im Gemeinderat eine Investitionsablöse von 250.000 Euro für den ehemaligen Pächter Robert Bigl beschlossen. Dazu kommen 50.000 Euro für das Inventar, falls sich kein Käufer findet. Die FPÖ wirft der Stadt vor, das Geld aus dem Fenster zu schmeißen.

 |  NOEN

Für FP-Stadtrat Anton Lojowski sei es „das Risiko eines Unternehmers, in ein Projekt Geld zu investieren, das vielleicht nicht funktioniert. Aber in dem Fall übernimmt die Gemeinde.“ FP-Gemeinderat Reinhard Langthaler fragt sich, ob man eine Sauna überhaupt kostendeckend führen könne, wenn es in jedem Fitnessclub eine gebe.

Die Ablöse bezeichnet er als „untragbar für die Gemeinde“. VP-Gemeinderat Marcel Sima bestürzt: „Wie befürchtet, wird die Sauna zum Fiasko.“ Er kritisierte, dass die Steuerzahler nun insgesamt 300.000 Euro zahlen müssten – „und wir wissen nicht, ob die Sauna überhaupt noch Bestand hat.“

250.000 € sind Investitionsablöse

SPÖ-Bürgermeister Andreas Babler appellierte an die FPÖ, sich vor der Sitzung zu erkundigen. „Ich wundere mich über Ihre wirtschaftliche Naivität.“

Babler erklärt: „Die 250.000 Euro sind eine Investitionsablöse.“ Bigl habe über eine Million Euro für den Umbau gezahlt, die Gemeinde hat 100.000 Euro in die Haustechnik investiert, damit das Lokal „überhaupt vermietbar ist“. Fünf Jahre lang habe es keine Mietrückstände gegeben und der Saunabesuch war nicht schlecht.

„Wir haben natürlich Interesse, das Objekt weiterzuvermieten“, betont der Bürgermeister. Die Gemeinde habe aus dem Grund eine Betriebspflicht eingeführt.

Gemeinde profitiert von saniertem Sauna-Betrieb

Babler hält fest: „Der Stadt entstehen keine Kosten, wir verhandeln derzeit mit zwei Interessenten“ – Bedingung für die Vergabe sei die Übernahme der Investitionsablöse, die der künftige Pächter zahlen müsse. Bigl hätte das Lokal auch rückbauen können – „dann hätten wir das auch zahlen müssen“, merkt Babler an.

„Eine Sauna zu subventionieren, halte ich für einen Blödsinn“, entgegnete VP-Gemeinderat Sima. Es sei ein Risiko ins Blaue zu investieren. FPÖ und ÖVP stimmten schließlich gegen die Ablöse, SPÖ und die grüne Gemeinderätin Vitek dafür.

Pächter Bigl: Habe 1,7 Millionen investiert“

Das „Smooth“ ist seit Juli geschlossen. Pächter Robert Bigl erklärt auf NÖN-Nachfrage, dass die Übernahme der Kette Holland Blumen Mark durch seine eigene Firma Blumen B & B ausschlaggebend war. „Wir wollten uns aufs Kerngeschäft reduzieren.“ B&B übernahm 51 Holland Blumen Mark Filialen.

Die Gastronomie habe er in Traiskirchen als Nebenschiene probiert, sagt Bigl. Es wurde aber weniger Profit gemacht als vorgesehen. Die Ablöse sei nur ein kleiner Teil, schließlich hätte er 1,7 Millionen Euro investiert, so Bigl.

Bürgermeister Babler verteidigt den Deal. Die Stadt habe ein Lokal am neuesten Stand, das sofort weitervermietet werden könne. Er steht zur Zusage, eine Stadtsauna zu betreiben. „Das gehört zur Kultur dazu und ist auch aus volksgesundheitlichem Standpunkt wichtig.“

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  • Der ehemalige Pächter der Traiskirchner Sauna ist Robert Bigl, Geschäftsführer von Blumen & & B aus Guntramsdorf. Er hat das vor seiner Zeit jahrelang leer gestandene Objekt neben dem Sommerbad „aqua splash“ Ende 2011 als „Smooth“ – wie der Restaurant-Bar-Saunabetrieb genannt wurde – eröffnet. Das englische Wort „smooth“ heißt ins Deutsche übersetzt anschmiegsam und rührt von einem Santana-Song. Seit Juli ist Sauna, Bar und Restaurant zu.
  • Bigl investierte laut eigenen Angaben rund 1,7 Millionen Euro, um das Gebäude so umzubauen, dass es seinen Vorstellungen entsprach. Die Gemeinde erneuerte die Heizung und sämtliche Installationen um 100.000 Euro.
  • Der Betrieb ist in den ersten Monaten gut angelaufen. Anfangs war sogar Freitag und Samstag bis vier Uhr früh geöffnet. Lokal und Sauna boten zu Beginn etwa 35 Menschen eine Arbeit.

Zitiert

„In Traiskirchen erhalten gescheiterte Unternehmer ohne jegliche rechtliche Grundlage ein Abschiedsgeschenk von 300.000 Euro.“
Anton Lojowski, FPÖ

„Das kann nur ein Freundschaftsdienst sein. Aus wirtschaftlicher Sicht ist das ein totaler Fehlschlag.“
Reinhard Langthaler, FPÖ

„Er soll sich einen Nachmieter suchen, der die Investition ablöst.“
Marcel Sima, ÖVP

„Sollte mein Unternehmen auch schlecht gehen, gehe ich zur Gemeinde.“
Reinhard Langthaler, FPÖ

„Mir ist wichtig, dass es eine Sauna in Traiskirchen gibt.“
Bürgermeister Andreas Babler