Erstellt am 21. September 2015, 09:13

von Sonja Pohl

Helfer an der Grenze. Das Team um Gernot Grünwald betreut nicht nur Flüchtlinge in der Bezirksstelle, man war auch im Hilfseinsatz. BADEN/NICKELSDORF / 

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In der Bezirksstelle hat das Rote Kreuz Baden bereits einen Schulungsraum als Quartier für Flüchtlinge eingerichtet. Nun war Bezirksstellenleiter Gernot Grünwald mit einem Teil seiner Mannschaft auch an der Grenze in Nickelsdorf im Hilfseinsatz. Für ihn und Geschäftsführerin Karoline Anhammer eine Selbstverständlichkeit: „Gemäß dem Grundsatz unsers Gründers Henry Dunant, jenen zu helfen, die es am nötigsten haben.“

"Apokalyptischer" Grenzeinsatz

Den Grenzeinsatz beschreibt Grünwald als „apokalyptisch“. „Unter dem Flugdach der einstigen Grenzwache wurde eine Art erste Versorgungstraße eingerichtet, in der wir uns gemeinsam mit vielen Privaten um die zu tausenden zu Fuß ankommenden Flüchtlinge kümmerten“, schildert er. Was er empfand, als er die Menschentrauben auf ihn zustörmten? „Respekt, und ich hatte Gänsehaut“, gesteht Grünwald. Der einsetzende massive Regen machte es den Helfern nicht leichter. „In Windeseile wurden Zelte aufgestellt, Freiwillige schenkten Tee aus, andere verteilten Kekse.

Grünwald erinnert sich an Schicksale, wie das eines Vaters von fünf Kindern, der sich die ganze Nacht hindurch abmühte, diese zuzudecken. Aber auch an viele Verletzte – von den Ungarn teils mit Knochenbrüchen in Grenznähe „abgeladen“. Er empfand „Demut und Dankbarkeit für das eigene Leben.“

 Lehrsaal wurde zum Schlafzimmer

Die Bezirksstelle Baden ist seit einigen Wochen Grundversorgungseinrichtung für 19 Kriegsflüchtlinge. „Wir haben uns bewusst für junge Männer entschieden, weil für sie die Quartiersuche am schwierigsten ist“, betont Anhammer. Ein Lehrsaal wurde zum Schlafzimmer für die Männer im Alter von 15 bis 21 aus Syrien, Afghanistan und Pakistan. In der Küche kochen und versorgen sie sich selbst – der Tagesablauf wurde rasch nach den Bedürfnissen zusammengestellt. „Das wichtigste ist, dass sie die Sprache erlernen, weswegen auch jeden Vormittag Deutsch am Lehrplan steht, der von inzwischen 20 Ehrenamtlichen unterrichtet wird“, danken Anhammer und Grünwald für viel Hilfe von außen. „Wir sind sehr positiv überrascht“.

Am Nachmittag steht Sport am Programm, wobei das Rote Kreuz vom BAC Baden und dem Casino Baden unterstützt wird, wo sie einerseits in jeder Sektion kostenlos trainieren können, anderseits Teil des Fußballteams der Casinomitarbeiter wurden. „Auch gibt es Privatpersonen, die ihre Zeit investieren, um mit den Flüchtlingen etwas zu unternehmen, ihnen die Stadt und umgebende Landschaft zeigen“, ist Anhammer stolz. Was sie sich wünschen würde? „Wir suchen Buddies, die sich langfristig einem der Jugendlichen widmen, sie bei Behördenwegen und bei der Suche nach einem Arbeitsplatz und einer Wohnung unterstützen.“