Hirtenberg

Erstellt am 09. August 2016, 05:25

von Elfi Holzinger

Vorwurf wegen Demo gegen SP-Gemeinderat. Fatih Toraman bei umstrittener Erdogan-Demonstration in Wien. FPÖ fordert seinen Rücktritt. Auch Kunden empört.

In der SPÖ Hirtenberg fest verankert: Gemeinderat Fatih Toraman mit Vizebürgermeister Franz Malzl, Karl Brandtner und Helga Steinbacher (v.l.) bei einer Parteiveranstaltung.  |  noen, privat

In der Gemeinde herrscht Aufregung. SP-Gemeinderat Fatih Toraman hatte nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei die Kundgebung für Präsident Recep Erdogan in Wien besucht und ein Foto davon auf seiner Facebook-Seite gepostet. Scharfe Kritik war die Folge. Sogar sein Arbeitgeber – Toraman ist Billa-Filialleiter in Enzesfeld – wurde bereits kontaktiert. Man forderte seine Entlassung.

Dabei gilt Fatih Toraman sozusagen als Musterbeispiel gelungener Integration. Er ist Mitglied bei der Feuerwehr und war auch jahrelang Mitglied des Roten Kreuzes. Er spricht und schreibt perfekt Deutsch und arbeitet in einer verantwortungsvollen Position als Filialleiter. Was bringt also einen „Integrations-Musterschüler“ dazu, an einer solchen Demonstration teilzunehmen?

Fatih Toraman dazu: „Ich habe gar nicht an der Demo teilgenommen. Ich bin in der Putschnacht lediglich spontan, ohne mir etwas Besonderes zu denken, aus Sorge um meine in der Türkei lebende Familie zur türkischen Botschaft nach Wien gefahren.“ Auf die Frage, ob er sich denn mit dem Erdogan-Regime identifiziere, antwortet Toraman, dass er diese Antwort dem türkischen Volk überlasse (siehe dazu „Warum haben Sie?“ auf Seite 4). Er habe „ein Herz für Österreich und für die Türkei“ und sei erklärter Gegner der Todesstrafe.

Doch FPÖ-Bezirksparteiobmann Peter Gerstner fordert: „SP-Gemeinde- und Arbeiterkammerrat Fatih Toraman ist rücktrittsreif aus allen Funktionen“. Und weiter: „Er fühlte sich anscheinend unter den „Allahu akbar“-Rufern und türkischen Fahnen sehr wohl. Wie sonst ist es zu erklären, dass er direkt von der Demo ein ,Selfie‘ postete?“ Weiters fragt sich Gerstner, was der SPÖ-Politiker „mit seiner Teilnahme an der illegalen Demonstration erreichen wollte“.


Arbeitgeber steht hinter seinem Filialleiter

Es gibt aber auch viele Freunde und Kunden, sowohl mit türkischen, als auch mit österreichischen Wurzeln, die sich für Toraman ins Zeug legen. Seitens des Arbeitgebers erklärt Billa-Pressesprecherin Ines Schurin auf Anfrage der NÖN: „Nach interner Recherche und Rücksprache mit den entsprechenden Abteilungen konnten wir zu einem sogenannten „Shitstorm“ gegen einen unserer Marktmanager keinerlei entsprechende Beschwerden in den sozialen Medien finden. Generell fallen Freizeitaktivitäten unserer Mitarbeiter nicht in unsere Beurteilungskompetenz, solange diese keine Auswirkungen auf unser Unternehmen haben.“


Was erwartet sich nun Toraman von seinen Hirtenberger Parteikollegen? „Solidarität und Verständnis“, antwortet der SP-Gemeinderat knapp. SP-Vizebürgermeister Franz Malzl, der die auf Urlaub weilende Ortschefin Gisela Strobl (SPÖ) vertritt, will deren Rückkehr abwarten: „Bevor wir nicht persönlich mit Fatih darüber gesprochen haben, gibt es dazu auch keine Stellungnahme.“