Erstellt am 27. April 2016, 05:34

von Stefan Jedlicka und Andreas Fussi

Hofer auch im Bezirk klar voran. FPÖ-Kandidat gewann 29 von 30 Gemeinden. Absolute Mehrheit in Blumau und Mitterndorf.

FPÖ-Bezirkschef Peter Gerstner und sein Team feierten den Wahlsieg am Sonntagabend beim Heurigen Mahrhauser in Bad Vöslau.  |  NOEN, Foto: omninum
Der FP-Kandidat hat die Bundespräsidentenwahl am Sonntag auch im Bezirk ganz klar dominiert. Schon die ersten Ergebnisse aus kleinen Gemeinden signalisierten den Alleingang Hofers. In zwei Gemeinden schaffte er sogar die absolute Mehrheit: Mitterndorf und Blumau. Entsprechend euphorisch reagierte auch FP-Bezirksobmann Peter Gerstner: „Das war ein politisches Erdbeben. Die Freude ist überwältigend. Ich habe gehofft, dass wir in die Stichwahl kommen, aber dass wir so hoch gewinnen, damit habe ich nicht gerechnet!“

Hofer habe bei der Stichwahl gute Chancen ist Gerstner überzeugt. „Das wird eine Herausforderung, da sich jetzt alle Kräfte gegen uns verbünden.“ Hofers „natürliche Art und sein sympathisches Auftreten“ sei mitentscheiden für den Erfolg gewesen, meint Gerstner, weniger die Flüchtlingsfrage.

Intensive Auseinandersetzung mit Ergebnis

Auch Grünen-Bezirkschefin Helga Krismer freut sich über Platz zwei für Alexander Van der Bellen. „Er wird die Menschen im zweiten Wahlgang durch seine Persönlichkeit als besonnener Bundespräsident überzeugen“, meint sie. Enttäuschung, den prognostizierten Sieg nicht eingefahren zu haben, gebe es nicht: „Ich lache schon seit Wochen über diese Vorhersagen. Es gibt bei dieser Wahl einen klaren Verlierer: die Meinungsforscher“, so Krismer.

Keine Chance für VP-Kandidat Andreas Khol, der in Hernstein mit 19,1 Prozent sein bestes Ergebnis erreichte, insgesamt aber auf magere 8,4 Prozent kam. ÖVP-Bezirksobmann Christoph Kainz trug es mit Fassung: „Die Bundespolitik hat zweifellos bei vielen Wählern mitgespielt. Wenn Entscheidungen der Regierung nicht verständlich sind, empfindet sie der Wähler als negativ“, ist er überzeugt und fordert: „Auch wenn die ÖVP nicht mehr in die Stichwahl involviert sein wird, erwarte ich mir eine intensive Auseinandersetzung mit dem Ergebnis.“ Mitentscheidend seien seiner Ansicht nach auch die – falschen – Prognosen der Meinungsforscher gewesen: „Dadurch haben viele definitiv taktisch gewählt.“

Wahlbeteiligung bei knapp 70 Prozent 

„Es tut mir leid um Rudolf Hundstorfer“, hatte SP-Bezirksgeschäftsführer Wolfgang Kocevar am Sonntag Mitleid: „Weil er gute Arbeit geleistet hat.“ Das Resultat sei „alles andere als erfreulich“, gab er zu: „Für die Sozialdemokratie sei das ein bitteres Ergebnis, das wir in den Gremien besprechen müssen.“ Bezirksobmann Nationalrat Otto Pendl möchte das Ergebnis „auch nicht schönreden“, er halte aber nichts von überzogenen Reaktionen und Schuldzuweisungen. Man müsse nun „nüchtern analysieren und alles daran setzen, keine Gräben aufzureißen“.

Pendl: „Wichtig, ist, sich mit Gefühl damit auseinanderzusetzen und die Probleme miteinander zu lösen.“ Sonst drohe eine Spaltung der Gesellschaft. Die Opposition habe es immer leichter, sie könne kritisieren, ohne agieren zu müssen. Er gibt nur eines zu bedenken: „Schnelle Entscheidungen gibt es in der Demokratie nicht.“
Auffällig: Die Wahlbeteiligung lag mit knapp 70 Prozent deutlich über jenen der letzten Urnengänge zu Landtag und Gemeinderat.