Erstellt am 21. Oktober 2015, 10:42

von Stefan Jedlicka

Körperverletzung statt Mordversuch an Gattin. Prozess um Mordversuch an Ehefrau endete mit Schuldspruch wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung und gefährlicher Drohung. 53-Jähriger Familienvater zu 27 Monaten Haft, davon neun unbedingt, verurteilt (nicht rechtskräftig).

Symbolbild  |  NOEN, LoloStock/Shutterstock.com
Weil er seine Frau im Zuge eines Streits in Unterwaltersdorf blutig geschlagen und ihr einen Polster auf das Gesicht gedrückt hatte, ist ein 53-jähriger Familienvater am Dienstagabend am Landesgericht Wiener Neustadt wegen absichtlich schwerer Körperverletzung und gefährlicher Drohung schuldig gesprochen worden.

Das Urteil: 27 Monate Haft, davon neun unbedingt. Die Entscheidung der Geschworenen fiel einstimmig. Sie erkannten nach längerer Beratung auf freiwilligen Rücktritt vom Mordversuch, dessen der Mann angeklagt gewesen war.

Er wurde aufgrund der abgesessenen U-Haft sofort auf freien Fuß gesetzt. Verteidiger Rudolf Mayer verzichtete auf Rechtsmittel. Da die Staatsanwaltschaft keine Erklärung abgab, ist das Urteil aber nicht rechtskräftig. Der Beschuldigte hatte gestanden, vehement auf seine Frau losgegangen zu sein, bestritt aber jegliche Tötungsabsicht.

Am 6. Jänner war ein Streit, in dem es um Scheidung ging, eskaliert. Er sei "explodiert", gab der Angeklagte zu. Die neunjährige Tochter, ältestes der drei gemeinsamen Kinder, ging dazwischen, als sich der Kampf durch das ganze Haus zog. Die Wut verebbte und er ließ von seinem Opfer ab - freiwillig, wie Mayer betont hatte.

Der Gerichtspsychiater attestierte dem Angeklagten einen psychischen Ausnahmezustand und eine hochgradig emotionale Erregung. Laut medizinischem Gutachten waren die Verletzungen der 42-Jährigen in ihrer Gesamtheit schwer. Die mittlerweile geschiedene Frau sagte nicht aus, bezeichnete ihren Ex-Mann aber in einem Brief an den Richter als "äußerst liebevollen Partner", vor dem sie keine Angst habe. Seine Reue sei echt.

Der Fall hatte das Gericht bereits einmal beschäftigt: Zunächst hatte die Staatsanwaltschaft den Mann wegen absichtlich schwerer Körperverletzung und gefährlicher Drohung angeklagt, doch eine Richterin fällte ein Unzuständigkeitsurteil, weil sie das Geschehen als Mordversuch einschätzte. Nun folgten die Laienrichter der ursprünglichen Anklage.