Erstellt am 11. April 2016, 09:58

von Sandra Sagmeister

„Kunst auf Rädern“ feiert 20. Geburtstag. Eine Riege bekannter heimischer Künstler tritt am 1. Mai (11 Uhr), bei der Geburtstag-Gala im Stadttheater auf.

Die KAR-Solisten suchen immer den nahen Kontakt zum Publikum.  |  NOEN, privat

„Alle Kunst ist der Freude gewidmet, und es gibt keine höhere und keine ernsthaftere Aufgabe, als Menschen zu beglücken“ – so steht es auf der ersten Seite der Homepage von „Kunst auf Rädern“ – kurz KAR. Ein Zitat von Friedrich Schiller, dem KAR seit nunmehr 20 Jahren folgt. Mitbegründer und Geschäftsführer Herbert Fischerauer über Entstehung und Werden dieser einzigartigen und karitativen Kulturinitiative:

NÖN: Was war die Initialzündung und wer war aller dabei?
Fischerauer: In meiner aktiven Zeit als Operettensänger wurde ich immer wieder angesprochen, bei Festivitäten für Senioren aufzutreten. Ich stieß aber vor Ort immer wieder auf Probleme: kein Klavier oder nur ein stark verstimmtes, keine Garderobe oder ein vorgegebenes Programm, das dem musikalischen Geschmack der älteren Generation nicht gerecht wurde. Ich wollte ein musiktherapeutisches Netz um Österreichs Senioren-, Kranken- und Pflegeheime aufbauen und älteren Menschen, die nicht mehr in der Lage sind ein Konzert oder eine Theateraufführung zu besuchen, mehr Abwechslung und Freude zu bringen. Am 13. Juli 1996 wurde dann unter anderem mit dem ehemaligen Stadtarzt von Baden, Heinz Zickero, Kunst auf Rädern ins Leben gerufen.

Dachten Sie, dass Sie einmal 20. Geburtstag feiern würden?
Im ersten Jahr konnte ich Lotte Tobisch als Schirmherrin und den ehemaligen Wiener Bürgermeister Helmut Zilk als Fürsprecher bei Medien gewinnen. So wurde mancher Gesprächseinstieg wesentlich erleichtert. An ein Jubiläum in welcher Form auch immer habe ich damals nicht gedacht, aber Kunst auf Rädern sollte ein fester Bestandteil der künstlerischen Betreuung in den österreichischen Senioren-, Kranken- und Pflegeheime werden.

x  |  NOEN, privat

Was waren die größten Hürden?
Die größte Hürde war und ist auch heute noch das Auftreiben von Sponsoren und Fördergeldern. Mit Hilfe diverser Bankinstitute konnte Kunst auf Rädern in den vergangenen Jahren das Angebot auf alle Bundesländer ausweiten. Umso schmerzlicher ist die Tatsache, dass wir gerade in unserem Jubiläumsjahr mit dem Ausstieg der Volksbanken AG keinen Hauptsponsor mehr haben. Viele Heime haben für kulturelle Veranstaltungen nur ein kleines oder überhaupt kein Budget. Daher sind wir bemüht, die Kosten für die Heime so gering wie möglich zu halten. Dies ist gerade in den Bundesländern, wo Fahrtkosten, Übernachtungen und Unkostenbeiträge für die Künstler anfallen, nicht einfach.

Eine karitative Initiative so lange am Laufen zu halten, wie schaffen Sie das?
Wenn Sie einmal die Freude und Beglückung der alten Menschen bei einer Veranstaltung miterlebt haben, werden sie sich der Bedeutung solcher Darbietungen erst bewusst. Mehr als 100 Solisten, Chöre und Instrumentalisten stellten sich in mehr als 1.300 Konzerten mit Freude in den Dienst dieser guten Sache. „Freude“, die, wie Kardinal König einmal in einem Vorwort für „Kunst auf Rädern“ geschrieben hat, zu jenen menschlichen Gütern gehört, die durch Teilen nicht weniger, sondern mehr werden. Über 250.000 Senioren haben wir in 20 Jahren auf höchstem Niveau betreut und dabei nicht nur Freude gegeben, sondern auch bewegende Bekanntschaften gemacht und wunderbare Erfahrungen gesammelt.

Was wünschen Sie sich?
Ich hoffe, dass der Enthusiasmus der jungen Solisten, für die ältere Generation da zu sein, in den nächsten Jahren so groß ist wie Heute und es für Sponsoren verständlich ist, den Senioren, die maßgeblich am Aufbau des heutigen Wohlstandes beteiligt waren, etwas zurückzugeben ohne den Kosten-Nutzen-Faktor in Betracht zu ziehen. Ich möchte mich bei allen Künstlern, bei Subventionsgebern und Spendern herzlich bedanken. www.kunstaufraedern.at