Erstellt am 24. November 2015, 05:43

von Mathias Schranz

Nach Anrainer-Protest: Mega-Erdwall soll weg. Posse um Bauprojekt | 300 Meter langer Erdwall am Stadtrand von Oberwaltersdorf soll nach Protesten aus der Bevölkerung wieder abgetragen werden. Anrainer sind erfreut.

Oberwaltersdorf  |  NOEN, Schranz

Es ist eine Menge Erde: 20.000 Kubikmeter wurden am Stadtrand in Richtung Trumau aufgetürmt. Seit rund zwei Jahren steht neben der Straße ein riesiger Wall, 300 Meter lang und sieben Meter hoch. Dahinter entsteht eine Luxuswohnsiedlung, mit dem klingenden Namen „Giardino Oberwaltersdorf“. Wohnungen und Häuser, direkt am See. Am See? Ja, denn gleich vier kleine Seen werden derzeit ausgehoben.

Und so eine Luxuswohnsiedlung will geschützt sein, vor allem vor dem Lärm der Autos. Also gab es für die Umwidmung des Areals eine Auflage, eben diesen Erdwall. Der erfreut sich bei den Bürgern in Oberwaltersdorf aber nicht allzu großer Beliebtheit – im Gegenteil: 400 Unterschriften wurden dagegen gesammelt. Vor Ort erklärt eine betroffene Anrainerin: „Früher hab‘ ich auf die Hasen am Feld geschaut, jetzt auf diesen Erdwall.“

x  |  NOEN, Foto: privat

Hangrutschungen immer wieder Problem

Mittlerweile hat sich in der Siedlung herumgesprochen, dass es dem Erdwall wieder an den Kragen gehen soll. Das berichtet der NÖN auch Erich Schneider, der seit eineinhalb Jahren gegen den Mega-Wall ankämpft. Bei einem Termin bei ÖVP-Landeshauptmann Erwin Pröll wurde ihm versichert, dass der Erdwall wieder abgetragen werden müsse – worüber Erich Schneider sich sehr freut.

Auch ÖVP-Bürgermeister Markus Gogollok, er war ebenfalls bei dem Termin mit dem Landeshauptmann dabei, bestätigt gegenüber der NÖN das „Aus“ für den Erdwall. „Den wollte ja eigentlich niemand haben. Weder ich als Bürgermeister, noch die Projektverantwortlichen oder die Anrainer“, sagt der Ortschef. Zudem hätte der Erdhaufen viele Probleme gemacht, wie etwa Hangrutschungen.

Laut ihm gäbe es jetzt einen Bescheid, der das „Aus“ des Erdwalls besiegeln würde. Wann und wie das geschehen sollte, könne er aber nicht beantworten. Nach der Gesprächsrunde mit Erwin Pröll wurden seitens des Landes Experten beauftragt, nach alternativen Lösungen zu suchen. Dazu wurde für die Gemeinde eine Förderung in Aussicht gestellt, sollte ihr Kosten anfallen.

Bezirkshauptmann hat noch nichts Offizielles

Bezirkshauptmann Heinz Zimper konnte auf Anfrage der NÖN noch keine Auskunft dazu geben, „wir haben noch nichts Offizielles bekommen. Deswegen kann ich auch nicht sagen, was zu tun ist.“ Wer die Kosten für den Wall-Abriss trägt, ist deswegen ebenfalls unklar. Denn der Erdhaufen hat 750.000 Euro gekostet, der großteils von der Projektfirma „Bauen und Wohnen“ bezahlt wurde.

„Bin nicht verliebt in den Erdwall“

Dessen Geschäftsführer Alois Burian reagiert (noch) gelassen und glaubt nicht so recht, dass der Erdwall bald verschwinden wird. Schließlich sei der ja eine Auflage für die Umwidmung gewesen, dass das jetzt so einfach umgeschmissen werde, könne er sich nicht vorstellen. Von der Bezirkshauptmannschaft oder dem Bürgermeister habe er noch keine Nachricht erhalten.

Allerdings stellt er im NÖN-Gespräch auch klar: „Ich bin nicht verliebt in den Erdwall.“ Wenn der Erdhaufen nicht auf „seine“ Kosten abgetragen und ein adäquater Ersatz errichtet werden würde, sei er prinzipiell auch nicht dagegen. Am Mittwoch würde im Rathaus ein Treffen mit Bürgermeister und Juristen stattfinden, dann werde man weiter sehen.

Dass das letzte Wort in dieser Angelegenheit noch nicht gesprochen wurde, ist auch der Anrainerin klar: „Ich glaub‘ das Ganze erst wirklich, wenn die Bagger anrollen.“