Erstellt am 05. September 2015, 06:27

von Sandra Sagmeister

Premiere: Theater in der Lobby. Genau am 135. Geburtstag von Robert Stolz, dem 25. August, präsentierte die Kulturszene Kottingbrunn ihre neue Theaterproduktion „Schicksal aber mit Musik“.

»Das Schicksal bestimmt das Datum«, so lautet eine Textzeile in dem Stück »Schicksal aber mit Musik«. Martin Bermoser und Franziska Hetzel sind in den Hauptrollen zu sehen. Weiters im Bild: Anselm Lipgens (li) und Maria Koisser, eine Dame der Gesellschaft mit zwei Flaschen (Conchita und Bobby) vom Festivalwein im Vordergrund. Foto: Sagmeister  |  NOEN, Sandra Sagmeister

Es kommt auf die Betonung an: Es macht einen Unterschied, ob man sagt „Schicksal, aber mit Musik“ oder ob man sagt „Schicksal! Aber mit Musik!“.

Wahrscheinlich ist der Wortschliff des Regisseurs Anselm Lipgens schriftlich nicht so gut kommunizierbar, deshalb am besten selbst zur Premiere von „Schicksal aber mit Musik“ (4. bis 27. September) kommen. Eine musikalische Kriminalkomödie, mit Witz, Biss und einer Möchte-Gern-Leiche: Es geht um einen Mann, der sich eine Nacht lang umbringen möchte.

Lipgens hat damit ein ausgefallenes Stück ausgegraben, eigentlich hat er es im Internet gefunden, und ist daran und darin hängen geblieben: „Nach 30 Jahren Stücke lesen, habe ich mich wieder einmal in einem Stück verlesen“, so Lipgens, der zum achten Mal in der Kulturszene die spätsommerliche Theaterproduktion inszeniert.

Uraufführung im Varieté ohne Heizung

Karl Farkas und Robert Stolz haben das Stück im Exil in Amerika geschrieben und vertont. Wieder in Wien haben sie es dann mit viel Aufwand und in Eigenregie, weil sich keiner über die leichte Musen-Story wagte, das Stück zur Uraufführung gebracht.

Geprobt und gespielt wurde im Winter 1946 im eiskalten Apollo Theater, ein Varieté ohne Heizung, das in der französischen Besatzungszone lag. Das Stück war mit großem Orchester und aufwändigen Balletteinlagen angelegt, es sollte eine Art Broadway-Musical „Made in Vienna“ werden. Attila Hörbiger, Senta Wengraf und Karl Farkas standen auf der Bühne. Doch das Wiener Publikum war noch nicht bereit: Vier Vorstellungen sind gelaufen, dann wurde es abgesetzt, und ward nicht mehr gesehen.

Über den Grund spekuliert Lipgens, der glaubt, dass die Wiener im Jahr 46 vielleicht andere Sorgen hatten, als sich die Geschichte des liebeskranken Schriftstellers Guy anzusehen, der sich umbringen möchte und von einer schönen Frau daran gehindert wird. Trotzdem hofft Lipgens auf eine erfolgreiche Wiederaufnahme, die im gewissen sein wird, nach gelungenen Inszenierungen wie der „Jedermann“: „Die Hälfte des Erfolges liegt bei der Besetzung“, weiß Lipgens und die dürfte ihm auch wieder gelungen sein.

Beibehalten wird ja die Mischung von Profi- und Amateur-Schauspielern, die zwar immer wieder eine Herausforderung sei, aber eine, die sich lohne. Übertroffen hat sich auch wieder das Bühnenbildteam der Kulturszene: sie haben den Schneider-Trakt in eine Hotellobby mit Tanzbar verwandelt, in der Mitte die vielleicht kleinste Drehbühne der Welt – rundherum ein tolles räumliches Erlebnis.

Und noch etwas: Wer sich am Ende des Stückes denkt, „na hat der Lipgens jetzt auch noch die Conchita Wurst reindrücken müssen“, dem sei gesagt, dass der Name Conchita im Originaltext vorkommt – er hätte sie also streichen müssen, und das wollte er auch nicht. Eigentlich kann man nur eines der bekanntesten Zitate Farkas bemühen: „Schauen Sie sich das an!“